ISPO Munich 2020: Spannende Trends aus der Sportbranche

Zum Messeauftakt 2020 gehört neben der CES auch immer die ISPO: Und auch die entdecken Autohersteller für sich – erstmals stellte Toyota aus.

Toyota stellte erstmals auf der ISPO aus - ein Mobilitätskonzept. | Foto: ISPO Munich
Toyota stellte erstmals auf der ISPO aus - ein Mobilitätskonzept. | Foto: ISPO Munich
Gregor Soller

Viele Trends der Sportbranche finden später oder in modifizierter Form auch den Weg in die Mobilität. Aber auch hier dominieren die Themen CO2, Umweltschutz und Digitalisierung. Auch die ISPO reagiert auf en Klimawandel: Selten zuvor wurden so viele nachhaltige und recycelte Produkte gezeigt – ein Trend, der gerade auch in die Innenräume der Automotive-Branche schwappt, ebenso wie neue Trends in Sachen Digitalisierung.

Wir waren vor Ort und haben die wichtigsten Trends zusammengefasst. Auffällig war: Die ISPO Munich ist mittlerweile ebenfalls mehr ist als eine reine Produkt-Show. Noch vor einigen Jahren kam man sich teils vor wie in einem gigantischen Sportgeschäft. Jetzt sieht man allenorten Rechner oder Materialproben und Stände, an denen keine Produkte mehr, sondern Produktionsweisen oder Prinzipien erklärt werden. Und die Messe dient nach eigenen Angaben mehr denn je als Plattform für Networking, das auch hier neue Initiativen und Kooperationen vorantreibt.  

2020 kamen wieder rund 80.000 Besucher aus aller Welt in 18 Hallen der Messe München. Das Thema Nachhaltigkeit hat dabei spürbar an Bedeutung gewonnen, wie Klaus Dittrich, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe München erklärt:

 „Die Welt befindet sich in einem großen gesellschaftlichen Umbruch. Entwicklungen wie der Klimawandel, Globalisierung und die Spaltung der Gesellschaften haben eine Tragweite gewonnen, die weltweit Diskussionen auslösen.“

Er ergänzte dazu:

„Lösungen müssen gefunden werden, bevor es zu spät ist.“

Entsprechend fand auch in der Sportartikelbranche ein Umdenken statt: man setzt mehr denn je auf nachhaltig produzierte Produkte und eine Kreislaufwirtschaft, die den gesamten Lebenszyklus eines Produkts betrachtet. Auch hioer finden sich verstärkt Parallelen zur Mobilität. Das gilt vor allem für den Textilbereich: Wo man vegane Sitzbezüge im Auto und Recyclingbespannungen für den Innenraum nutzt, präsentiert die ISPO eine Jacke aus gesammeltem Plastik aus den Weltmeeren oder einen veganen Laufschuh. Neu, vor allem für die Sportbranche: Die Konsumenten erwarten von Unternehmen zunehmend eine sinnstiftende Haltung – auch hier eine parallele zur Mobilität, wo die Hersteller Gleiches gespiegelt bekommen. Klaus Dittrich, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe München, reagiert darauf:

 „Um den Diskurs zu diesen wichtigen Themen zu fördern und auf eine gesellschaftliche Bühne zu heben, haben wir ein neues Format gegründet – den ISPO SDG Summit. Die integrative Kraft des Sports kann helfen Brücken zu bauen und Hürden zu überwinden.“

Der Summit findet erstmals am 29. Juni 2020 parallel zur OutDoor by ISPO statt. Ziel ist es, Lösungen und gemeinsame Projekte zu erarbeiten, die auf die Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der Vereinten Nationen einzahlen. Zu den ersten Unterstützern zählt Tegla Loroupe, die mit ihrer Stiftung ein Programm zur sportlichen Unterstützung von Flüchtlingen betreibt. Bei den Olympischen Spielen in Tokio führt sie selbst das Team der Staatenlosen Athleten beim Einzug ins Stadion an. Im Rahmen der ISPO Munich wurde sie mit dem ISPO Pokal für ihr herausragendes gesellschaftliches Engagement in der Flüchtlingsarbeit ausgezeichnet. Auch hier wieder Parallelen zur Mobilität: Auch Toyota tritt mit hohen ethischen Ansprüchen in Tokio an und sorgt dort für CO2-arme Mobilität.

Womit wir gleich beim nächsten Knackpunkt sind, der ISPO und Mobilität verbindet: Denn zu den größten aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen zählt der globale Bewegungsmangel. Entsprechend viele Innovationen präsentiert der Lauf- und Radsportmarkt. Damit einher geht die Digitalisierung, Stichwort eSports: Denn laut einer aktuellen Studie der Weltgesundheitsorganisation bewegen sich fast zwanzig Prozent der 11- bis 17-Jährigen zu wenig. „Wir müssen die Zielgruppen dort abholen, wo ihr Interesse liegt“, sagt Dittrich. Das seien bei jungen Menschen die digitalen Medien. Eine große Chance bietet hier eSports mit Top-Athleten, die Jugendlichen als sportliche Vorbilder dienen. Entsprechend ist der Bereich eSports ist seit 2019 ein wichtiger Bereich auf der ISPO und erfuhr laut der Messe auch 2020 großen Zuspruch.

Dazu kamen einmal mehr innovative Materialien, die in der Regel erst in der Sportbranche präsentiert und getestet und von dort aus nicht selten für die Mobilität weiterentwickelt werden. Der Messemüdigkeit im Bereich der Mobilität konnte die ISPO weitgehend trotzen: 2020 kamen rund 80.000 Fachbesucher aus 120 Ländern, 2019 waren es laut Messe 80.200. Der Anteil der internationalen Besucher stieg auf 70 Prozent (2019: 69 Prozent). Leicht rückläufig waren auch die Ausstellerzahlen: Es nahmen 2020 an der ISPO 2.850 Aussteller teil, 2019 waren es 2.926. Neben klassischen Sport- und Outdoor-Marken war erstmals Toyota auf der ISPO Munich vertreten und präsentierte dem internationalen Publikum sein Mobilitätskonzept.

Was bedeutet das?

Könnte die ISPO die neue IAA werden? Hoffentlich nicht! Denn auch wenn Sport und Mobilität durchaus einige Überschneidungen haben, liegen doch Welten dazwischen. Wenngleich auch diese künftig immer öfter verbunden werden könnten, wie Toyota eindrucksvoll bewies. Insofern wäre es durchaus denkbar, künftig auch Hyundai, BMW, Daimler, VW und Co. in Las Vegas und München zu sehen.

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