ioki und RMV starten umfassende On-Demand-Shuttle-Lösung

DB-Tochter launcht im Rhein-Main-Verbund eine großangelegte On-Demand-Shuttle-Lösung für die „erste und letzte Meile“ zur ÖPNV-Haltestelle. Dabei sind rund 150 emissionsfreie Fahrzeuge im Einsatz.

Bessere Enbindung: Erste und letzte Meile will man im RMV mittels On-Demand-Shuttles einfacher gestalten, zumindest nach dem Willen von RMV-Geschäftsführer Prof. Knut Ringat und Berthold Huber, DB-Vorstand Personenverkehr (rechts). | Foto: RMV/Arne Landwehr
Bessere Enbindung: Erste und letzte Meile will man im RMV mittels On-Demand-Shuttles einfacher gestalten, zumindest nach dem Willen von RMV-Geschäftsführer Prof. Knut Ringat und Berthold Huber, DB-Vorstand Personenverkehr (rechts). | Foto: RMV/Arne Landwehr
Johannes Reichel

Die Deutsche-Bahn-Tochter ioki und der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) haben den Startschuss für eines dem Vernehmen nach größten On-Demand-Verkehrsprojekte Europas gegeben. Ab Anfang 2021 werden im Verbundgebiet in Zusammenarbeit mit zunächst neun lokalen Partnern elektro- oder wasserstoffbetriebene Fahrzeuge buchbar sein, die die Fahrgäste flexibel und ohne festen Fahrplan ans Ziel bringen. Davon sollen langfristig bis zu 1,8 Millionen Menschen im Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main. Die On-Demand-Plattform hinter dem Projekt steuert die DB-Tochter ioki bei, die sich als Technologie-Partner in einer europaweiten Ausschreibung durchsetzen konnte. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) fördert das Projekt mit 27 Millionen Euro im Rahmen der Förderrichtlinie „Digitalisierung kommunaler Verkehrssysteme“.

„On-Demand-Angebote stärken den öffentlichen Nahverkehr und machen Mobilität noch flexibler – in der Stadt und auf dem Land. In der Region Frankfurt/Rhein-Main können die Menschen nächstes Jahr auf emissionsfreie On-Demand-Shuttles umsteigen. Das ist aktiver Klimaschutz", meint Andreas Scheuer, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur.

Das Ziel in Hessen sei es, öffentliche Verkehrsmittel immer attraktiver zu machen - denn Busse und Bahnen sind klimafreundliche Fortbewegungsmittel. Deshalb tue man alles, um den ÖPNV zu stärken, mit Schienenausbau und Flatratetickets, ergänzte Hessens Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir.

„On-Demand-Shuttles können ein Beitrag sein für ein intelligent vernetztes Verkehrssystem, das jede und jeden bequem und umweltschonend ans Ziel bringt. Ich danke dem Bund für die finanzielle Unterstützung, wir engagieren uns als Land ebenfalls im Rahmen der Finanzierungsvereinbarung mit dem RMV“, glaubt der Grünen-Politiker.

Der RMV sei der erste Verkehrsverbund, der deutschlandweit ein On-Demand-Projekt über mehrere Landkreise und Kommunen hinweg koordiniert und damit eines der größten On-Demand-Vorhaben Europas ins Leben ruft, wirbt RMV-Geschäftsführer Prof. Knut Ringat.

"Die rund 150 emissionsfreien Fahrzeuge ergänzen das ÖPNV-Angebot hervorragend und bieten eine neue Fahrtmöglichkeit für die erste und letzte Meile. So bieten wir eine echte umweltfreundliche Alternative zum privaten Pkw", wirbt Ringat.

Die intelligente Software sei das Herzstück des On-Demand-Verkehrsangebots. Einzelfahrten im privaten Pkw sollen durch Ridepooling in umweltfreundlichen Fahrzeugen ersetzt werden. Das sei ganz im Sinne der Klima- und Verkehrswende, ergänzt Berthold Huber, DB-Vorstand Personenverkehr.
 

Ridepooling, benutzerfreundliche Buchung, leichte Abrechnung

Die Software soll dabei alle Beteiligten einbinden: Die Fahrgast-App erlaube eine benutzerfreundliche Buchung des Shuttles, die Fahrer-App stellt dem Fahrpersonal alle relevanten Fahrtinformationen zur Verfügung und das Administrations-Tool ermöglicht dem Betreiber sowohl ein Monitoring als auch die Verwaltung des laufenden Betriebs. Der intelligente Algorithmus sorge dank Ridepooling-Ansatz, bei dem Fahrgemeinschaften zwischen Fahrgästen mit ähnlichem Start und Ziel gebildet werden, für eine effiziente Auslastung der Fahrzeuge, gibt sich der Anbieter überzeugt. Bereits zum 1. Januar werde die kvgOF im Kreis Offenbach als erster Partner ihr bestehendes On-Demand-Angebot „kvgOFHopper“ auf die Plattform umstellen. Die weiteren Partner folgen im Laufe des Jahres 2021, sodass bis Ende 2021 alle neun Projekte lokal verfügbar sein werden, kündigte der Anbieter weiter an. Mit der einheitlichen App können Fahrgäste dann sieben Tage die Woche einen emissionsfreien Shuttle-Service buchen, der sie auf individuellen Routen an ihr jeweiliges Ziel bringt.

Schlüsselfaktor: Integration in den ÖPNV

Da das Angebot in den bestehenden ÖPNV integriert wird, kosten die individuellen Fahrten nur einen geringen Aufpreis zum RMV-Ticket. Wer etwa im Kreis Offenbach am Königsee keinen Parkplatz mehr suchen will, kann für die etwa 3,5 Kilometer zum Bahnhof in Seligenstadt für rund drei Euro das Shuttle buchen. Der RMV verantwortet dabei die zentrale Koordination des Projekts. Er bündelt Information, Buchung und Bezahlung und stellt den Kundenservice. Zudem entwickelt er einen Tarifrahmen für die Angebote. Die lokalen Partner sind die Verkehrsgesellschaften und Nahverkehrsorganisationen der Städte und Landkreise. Hierzu zählen Frankfurt a.M. (traffiQ), Kreis Offenbach (kvgOF), Hofheim (MTV), Kelsterbach (LNVG GG), Limburg an der Lahn (Stadt Limburg), Kreis Darmstadt-Dieburg (DADINA), Taunusstein (RTV), Hanau (HSB) und Darmstadt (HEAG mobilo). Weitere Partner kommen im Verlauf des Projekts womöglich hinzu, hofft man bei ioki. Die Partner steuern und gestalten das konkrete Angebot vor Ort, wie zum Beispiel die Betriebszeiten oder die Ausrichtung auf gewisse Zielgruppen.

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