ioki-Studie: Stadt-Land-Gefälle im ÖPNV

Die Analyse der Bahn-Tochter untermauert, dass mehr flexible On-Demand-Angebote dazu beitragen könnten, die vorhandenen Lücken zu schließen und die CO2-Emissionen weiter zu verringern.

Gerade in Dörfern fehlen akzeptable Möglichkeiten, um die täglichen Wege mit Bus und Bahn zurückzulegen. (Foto: pixabay/SofieLayla Thal)
Gerade in Dörfern fehlen akzeptable Möglichkeiten, um die täglichen Wege mit Bus und Bahn zurückzulegen. (Foto: pixabay/SofieLayla Thal)
Johannes Reichel
von Martina Weyh

Die ioki-Studie bringt es an den Tag – 55 Mio. Bundesbürger im Umland der Städte und auf dem Land haben derzeit keine akzeptable Möglichkeit, um auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen. Was nach der Analyse von Fahrplandaten fehlt, ist ein ausreichendes Bus- und Bahnangebot an der nächsten Haltestelle. Zwar haben es die meisten (93,5 %) nicht weit dahin (im Schnitt sind 400 bis 600 m Entfernung zu überbrücken), dort gibt es aber zu wenige Fahrten. Im Schnitt werden auf dem Land weniger als die Hälfte der Haltestellen mehr als zweimal pro Stunde bedient. Dazu passt auch folgendes Ergebnis der Studie: Jeder vierte deutsche Haushalt besitzt mehr als einen PKW. Fast alle befinden sich im ländlichen Raum. Das Fazit der ioki-Mobilitätsforscher: Um auf ihren Zweit- oder Dritt-PKW verzichten zu können, benötigen diese Haushalte vor Ort ein attraktives ÖPNV-Angebot als Alternative. Darüber hinaus besteht auch bei den neuen Mobilitätsformen ein starkes Gefälle zwischen Stadt und Land: Über 90 % der On-Demand-Angebote, Leihräder und E-Scooter befinden sich in den Zentren der Großstädte. Nur 5 % der Gemeinden mit weniger als 20.000 Einwohnern haben wenigstens ein On-Demand- oder Sharing-Angebot.

Weniger Autos – besseres Klima

Insgesamt 42 Mio. deutsche Haushalte besitzen laut Studie 12 Mio. Zweit-, Dritt- oder Viertwagen. 380.000 On-Demand-Fahrzeuge könnten diese Autos ersetzen. 12 Mio. weniger PKW – darin liegt ein jährliches Einsparpotenzial von rund 15 Mio. t CO2 pro Jahr, haben die ioki-Forscher ausgerechnet. Dies entspricht 10 % der gesamten CO2-Emissionen, die in Deutschland jährlich im Verkehr ausgestoßen werden.

In der Stadt kein Problem

In den Metropolregionen und Großstädten bietet sich dagegen ein vollkommen anderes Bild, wie die Untersuchung von Ioki zeigt – 27 Mio. Bundesbürger können hier von einem sehr guten Nahverkehrsnetz profitieren, was den Verzicht aufs Auto viel leichter und überhaupt erst möglich macht.

Die Lösung: Ausbau von On-Demand-Verkehren

On-Demand Angebote können den bestehenden Linienverkehr mit Bahnen und Bussen verstärken und leisten zudem einen wichtigen Beitrag zu flächendeckender Mobilität und Klimaschutz. In den vergangenen drei Jahren hat die Deutsche Bahn (DB) bereits rund 330 On-Demand-Verkehre mit flexiblen Fahrtzeiten und Haltestellen in den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) integriert und rund 7 Mio. Fahrgäste befördert.

„On-Demand-Verkehre fördern nachweislich die Mobilitätswende. In der Metropolregion Hamburg, in Hessen und vielen weiteren Regionen Deutschlands zeigen wir das. Mit flexiblen Shuttle-Fahrzeugen, die auf Abruf per App vor der Tür stehen und zur nächsten Bus- oder S-Bahn-Station fahren. Damit gewinnen wir mehr Fahrgäste für den ÖPNV. Durch unsere Analysen wissen wir zudem genau, wo und wie wir den größten Gewinn für Fahrgäste und Klimaschutz erzielen. Damit unterstützen wir Länder, Kommunen und Unternehmen bei der Mobilitätswende vor Ort“, erläutert Michael Barillère-Scholz, Geschäftsführer von ioki.

Soll der Umstieg vom Auto gelingen, muss der Wechsel zwischen den Verkehrsträgern viel einfacher gestaltet und Schiene und Straße noch enger miteinander verbunden werden. Das heißt, eine Trendwende kann nur gelingen, wenn Linien- und On-Demand-Verkehre sich sinnvoll und nahtlos ergänzen.

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