Interview IDnow: "Corona hat nahtlose digitale Prozesse beschleunigt"

Mobilität ist immer stärker durch digitale Prozesse geprägt. Dabei müssen Dienstleister wie Autovermieter oder Car-Sharing-Anbieter immer höhere Ansprüche der Kunden  erfüllen. Abläufe müssen schnell, einfach im Handling und vor allem sicher sein, was im Detail enorm komplex ist, wie Florian Solleder, Lead Mobility bei IDnow im VM-Gespräch zum Thema digitale Identifizierung skizziert.

Aber sicher: Einfache Handhabung der Ausleihe von Mobilitätsmitteln inklusive Identifizierung ist alles andere als trivial. IDnow hat sich auf diese Prozesse spezialisiert, die mit der Pandemie noch wichtiger wurden. | Foto: IDnow
Aber sicher: Einfache Handhabung der Ausleihe von Mobilitätsmitteln inklusive Identifizierung ist alles andere als trivial. IDnow hat sich auf diese Prozesse spezialisiert, die mit der Pandemie noch wichtiger wurden. | Foto: IDnow
Johannes Reichel

Herr Solleder, welche Rolle spielen eine einfache Buchung und Abrechnung und generell das „Handling“ der App für den Erfolg der neuen Mobilität?

Das Handlig spielt eine zentrale Rolle bei allen digitalen Angeboten mit einer digitalen Identifizierung. Wartezeiten, komplizierte Prozesse oder gar Abbrüche schrecken viele Kunden bereits bei der ersten Nutzung ab und sind dann für den Anbieter meist verloren. Insofern ist die digitale Identifizierung ein elementarer Bestandteil im Sales-Prozess und natürlich auch für die Kundenbindung. Darum legen wir neben den technischen Innovationen und der nötigen Prozesse für die gesetzlichen Bestimmungen unser Hauptaugenmerk auf das einfache und schnelle Handling.

Beispielsweise haben wir künstliche Intelligenz in unsere Systeme integriert, um die Identifizierung schneller, einfacher und möglichst ohne Abbrüche von Kundenseite zu gestalten. Für unsere Kunden sind das wichtige und entscheidende Merkmale. Für den Endanwender ist die Technologie hinter den Systemen meist weniger wichtig, er erwartet zurecht eine einwandfreie „Customer Experience“.

Insbesondere die junge, technikaffine Generation will sämtliche Services unkompliziert und mobiloptimiert per Smartphone erreichen – und das ohne Wartezeiten. Identitätsprüfung in Echtzeit erfüllt diese Erwartungen unter vollständiger Einhaltung der KYC (Know Your Customer)-Anforderungen.

VM: Wie entwickelt sich aus Ihrer Sicht der Mobility-Markt und die damit verbundenen Online-Tools generell während der letzten 12-24 Monate?

Kaum eine Branche befindet sich derzeit so sehr im Wandel wie der Mobilitätssektor. Technologische Entwicklungen und die Forderung nach klimafreundlichen und nachhaltigen Verkehrsalternativen treiben die enormen Veränderungen in der Mobilitätsbranche voran und bringen kontinuierlich neue Geschäftsmodelle hervor. Der Trend geht hier ganz eindeutig hin zu flexibleren Mobilitätslösungen mit kürzeren Laufzeiten (Car Sharing, Abo-Modelle).

Menschen, insbesondere in den Städten wollen ein Fahrzeug viel weniger besitzen als in der Vergangenheit. Sie setzen zunehmend auf das flexible Nutzen.

Einige Mobilitätskonzepte, darunter auch das Car Sharing, erlebten in den letzten Monaten eine temporäre Flaute aufgrund der Corona-Pandemie. Andere Geschäftsmodelle hingegen, darunter das Auto-Abo, konnten auch trotz der besonderen Umstände auch im Krisenjahr 2020 teils kräftig zulegen.

Generell und nahezu branchenunabhängig sehen wir, dass das letzte Jahr mit den Anforderungen an das Social Distancing nahtlose digitale Prozesse noch wichtiger gemacht hat und selbstverständlich spielen dabei digitale Identifizierungslösungen, wie wir sie mit unserer Plattform anbieten, eine überaus wichtige Rolle.

VM: Gibt es aus Ihrer Sicht Geschäftsbereiche, die einen besonders starken Zuwachs haben, beispielsweise Car Sharing und wo erwarten Sie einen starken Zuwachs?

Insbesondere die flexiblen Auto-Abo Modelle erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. In diesem Bereich werden in den nächsten Jahren starke Zuwächse erwartet. Aber auch im Bereich der Mikromobilität, also das Zurücklegen kürzerer Strecken mit kleinen und leichten Fahrzeugen, drängen immer mehr Anbieter auf den Markt und erschließen mehr und mehr Städte mit ihren Angeboten. Beispielsweise E-Scooter oder E-Mopeds gehören in diese Kategorie.

Neben der unkomplizierten und direkten Nutzung der Fahrzeuge ist hierbei auch der Schutz der Flotte aus Sicht der Anbieter ein wichtiger Grund, auf digitale KYC-Lösungen zurückzugreifen.

VM: Seit kurzem haben Sie eine Partnerschaft mit M-TRIBES. Welche Kompetenzen genau werden hier gebündelt? Was genau ist das Paket?

In dieser Kooperation treffen zwei Spezialisten aufeinander und kombinieren ihre Produkte, Services und Lösungen. Auf der einen Seite ist es die M-TOOLS Technologieplattform von M-TRIBES, die als Basis für Liefer-, Kurier- und Ride-Hailing-Dienste sowie für den Betrieb von stationsbasierten und Free-Floating-Fahrzeug-Sharing-Lösungen dient. Von Seiten IDnow wird die digitale Identifizierung mit allen denkbaren Identifizierungsvarianten beigesteuert, die je nach Anwendung zu Einsatz kommen – beispielsweise kann das Alter oder die Gültigkeit von Ausweis- oder Fahrerlaubnisdokumenten rechtskonform bestätigt werden. Gemeinsam bieten wir im Markt eine Komplettlösung an, damit Unternehmen, beispielsweise in den Bereichen Car Sharing, Autovermietung, Urban Mobility (u.a. Free-Floating Sharing von Rollern, E-Scootern, E-Bikes) oder im Flottenmanagement, eine rechtlich verifizierte Identifikation von Nutzern einsetzen können

VM: Welche Chancen ergeben sich aus dem erweiterten Spektrum der Kooperation mit M-TRIBES – sowohl für Sie aber insbesondere auch für Ihre Kunden?

Neben der klassischen Identitäts- und Führerscheinüberprüfung mit unserer Plattform können prinzipiell auch weitere und etwas komplexere Geschäftsmodelle unterstützt werden. Mit den Möglichkeiten der IDnow Plattform sind auch elektronische Signaturen möglich, um beispielsweise Leasing- und/oder Finanzierungsverträge zu unterzeichnen. Hier sind zusätzliche gesetzliche Regeln zu beachten als im Vergleich zu einer Nutzung eines Dienstes oder eines Fahrzeugs. Auch das können wir mit unseren Identifizierungslösungen nahtlos unterstützen.

VM: M-TRIBES beschreibt sich als ein international agierendes Unternehmen, IDnow ebenfalls. In welchen Regionen/Märkte werden Sie die Lösung gemeinsam anbieten?

Aktuell arbeiten mit M-TRIBES in der DACH-Region zusammen. Da wir mit unseren Identifizierungslösungen aber eine sehr hohe weltweite Abdeckung haben, beispielsweise das Erfassen und Prüfen von Führerscheinen und Ausweisdokumenten in 193 Länder, ermöglichen wir unseren Kunden auch die Chance für ein globales Wachstum.

VM: Gibt es unterschiedliche Anforderungen in den internationalen Mobility-Märkten, ist vielleicht sogar das Nutzerverhalten, das internationale Unternehmen im Blick haben sollten, unterschiedlich?

Durchaus, es existieren gravierende Unterschiede in den weltweiten Märkten. Die deutlichsten Unterschiede sind in den unterschiedlichen Leveln der Digitalisierung zu finden. Aber auch die klimatischen Bedingungendarf man nicht vergessen. Das Mobilitätsverhalten der Bevölkerungen und damit auch die Geschäftsmodelle sind sehr unterschiedlich.

Beispielsweise E-Scooter oder Mopeds werden im südlicheren Europa viel mehr genutzt als in den kälteren Regionen des Kontinents.

Wichtig für internationale Unternehmen beim Einsatz einer digitalen Identifizierung ist auf jeden Fall, dass die Lösung die landesspezifischen Regeln und Gesetze widerspiegelt und rechtskonform eingesetzt werden kann – beispielsweise DSGVO in der EU. Nur so kann ein Unternehmen auf Basis einer zentralen Plattform auch international wachsen und expandieren.

VM: Welche digitalen Identifizierungsvarianten werden heute im Mobility-Bereich am meisten genutzt und welche werden es in Zukunft sein?

Heute findet das Geschäft im Mobility-Bereich hauptsächlich im nicht-regulierten Bereich statt. Das heißt, dass die ganz normalen Regeln und Gesetze zwischen Anbietern und Nutzer anzuwenden sind und keine besonderen Regeln gelten, wie beispielsweise im Umfeld mit hochsensiblen und personenbezogenen Daten. Wenn beispielsweise ein E-Scooter gemietet wird, reicht eine ganz normale Identifizierung über eine Handy-App, um den Dienst für den Kunden vor Ort freizuschalten.

Ab bestimmten Fahrzeugklassen spielt natürlich auch die Führerscheinverifizierung eine wichtigere Rolle.

IDnow ist in der Lage, sämtliche EU-Führerscheine sowie US-Führerscheine zu verifizieren und wir weiten die Abdeckung kontinuierlich weltweit aus.

VM: Können Sie uns bitte noch etwas zu den Alleinstellungsmerkmalen von IDnow sagen?

Das vielleicht wichtigste ist, dass wir unsere Datacenter ausschließlich in der EU haben. Bei uns verlassen keinerlei Daten den EU-Rechtsraum und wir wissen, dass insbesondere unsere Kunden aber auch immer mehr Endnutzer sehr sensitiv hinsichtlich ihrer persönlichen Daten reagieren. Ein weiteres Merkmal, was uns unterscheidet, ist der modulare Aufbau unserer Lösungen. Damit lassen sie sich sehr flexibel an die Anforderungen und vielleicht auch bestehenden Strukturen unserer Kunden anpassen - sowohl aus technischer Sicht aber auch für die Durchgängigkeit im Corporate Design für die Außendarstellung. Und wir bieten individuelle, auf die Besonderheiten der jeweiligen Branche zugeschnittene Lösung an und eben keine „one size fits it all“ Lösung, die man schon irgendwie einsetzten kann, aber eben nicht perfekt.

Printer Friendly, PDF & Email