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International Cargo Bike Festival Groningen: Große Chancen mit leichten E-Lastenrädern

Die nordholländische Stadt ist für drei Tage das Zentrum der europäischen Cargobike-Branche. Vor dem eigentlichen Festival debattieren Fachleute über die Potenziale des boomenden Transportmittels.

Richtungsweisend: Das International Cargo Bike Festival in Groningen will Impulse setzen für eine stärkere Gewichtung des Transportmittels. | Foto: J. Reichel
Richtungsweisend: Das International Cargo Bike Festival in Groningen will Impulse setzen für eine stärkere Gewichtung des Transportmittels. | Foto: J. Reichel
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Redaktion (allg.)
von Johannes Reichel

In der nordholländischen Stadt Groningen ist das International Cargo Bike Festival gestartet mit einer Fachkonferenz, bei der sich Experten der Branche über die Chancen und Potenziale des Transport- und Verkehrsmittels austauschen. In seiner Keynote wies der Grazer Verkehrswissenschaftler und Vorsitzender der Initiative City Changer Cargo Bike (CCCB) Karl Reiter auf die Schlüsselrolle hin, die Lastenräder sowohl im privaten wie im gewerblichen Bereich spielen könnten, wenn man die Transformation von der autogerechten in die menschengerechte Stadt vollziehen will. In Anbetracht der aktuellen Debatte um Unfälle mit Lkw und Radfahrern meinte Reiter, Lastenräder hätten keinen "toten Winkel" und die Fahrer würden mitten im Verkehrsgeschehen sitzen.

Nach seinem Dafürhalten könnten bei guter Kombination Cargobikes bis zu einem Drittel der innerstädtischen Transporte übernehmen. Neben der Sicherheit hob er die Chancen hervor, damit massiv an Raum einzusparen. Bedenken, dass eine bessere Radinfrastruktur auch für Lastenräder auf Kosten der Auto-Infrastruktur gehen würden, ließ der Wissenschaftler nicht gelten: In Graz etwa seien über 90 Prozent des Verkehrsraums für Autos reserviert, nur drei Prozent für Fahrräder. Hier bestehe immenses Potenzial zur Umverteilung.
 

Es braucht einen klaren Rahmen und bewusste Planung

Außerdem hob der Experte für nachhaltige Mobilität die hohe Transporteffizienz von Lastenrädern hervor, die das fünf- bis sechsfache ihres Eigengewichts befördern könnten, während Transporter maximal auf das selbe ihres Eigengewichts, meist deutlich weniger kämen. Er sieht zudem diverse neue Geschäftsmodelle, auch für den Bereich Food Logistic oder stationäre Anwendungen auf Cargobike-Basis. Um das Potenzial der Cargobikes zu erschließen, bedürfe es aber eines klaren und verlässlichen politischen Rahmens. Richard Armitage, Direktor der European Cargobike Logistics Federation (ECLF) ergänzte, es bedürfe einer bewussten Planung der Städte für dieses Transportmittel.

Auch die stark wachsende und von täglich 200.000 Pendlern frequentierte Stadt Groningen selbst, mit über 60 Prozent Fahrradanteil am Modal Split wohl weltweit ein Spitzenreiter, will dieses Verkehrsmittel stärker fördern, um das Ziel einer CO2-freien Logistik bis 2025 zu erreichen, wie Alfred Kazemier für die Stadt darlegte. Jüngst war dazu ein großangelegtes Pilotprojekt zur CO2-freien Belieferung mit Paketen, Lebensmitteln und Getränken in der Altstadt von Groningen an den Stadt gegangen, bei dem aus einem Mikrodepot heraus operiert wird. 

Energieeffizienz: Cargobikes 15 Mal sparsamer als E-Vans

Auf die Notwendigkeit des Shifts zu nachhaltigerem Transport wies Johan Erlandsson, Co-Gründer and CEO des schwedischen Herstellers Velove Bikes hin: "Die Klimakrise erfordert eine rasche und radikale Wende, wenn wir das 1,5-Grad- oder Zwei-Grad-Ziel überhaupt noch einhalten wollen", appellierte Erlandsson. Er zeigte sich auch skeptisch, ob die Umstellung konventionell angetriebener Fahrzeuge auf elektrischen Antrieb so zielführend ist.

Eigene Tests mit gleicher Transportaufgabe zwischen einem Velove E-Cargobike und einem E-Transporter eNV200 hätten ergeben, dass der Van 15 Mal mehr Energie für die gleiche Strecke benötige als ein E-Cargobike. Zudem rechnete er vor, dass der Energieaufwand für die Produktion eines Elektro-Transporters mit etwa 15 t CO2 sehr hoch sei, sodass sich Stand heute von den CO2-Emissionen beim aktuellen Strommix eher ein Patt zu einem Diesel-Transporter (10 t CO2 in der Produktion) ergebe, trotz der niedrigeren Emissionen im Betrieb (100 zu 130 g CO2/100 km).

Erst mit einem höheren Anteil regenerativer Energien könne sich dieses Verhältnis weiter zugunsten des E-Vans verschieben. Gleichwohl begrüßte er den generellen Shift hin zu effizienterer Mobilität. Aus seiner Sicht und mit Verweis auf Untersuchungen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) könnten in der professionellen Anwendung ein Fünftel aller Transporte von Cargobikes erledigt werden.

Die VM-Schwester-Zeitschrift LOGISTRA und der HUSS-VERLAG tragen dem Trend zum Cargobike Rechnung und sind Medienpartner der Veranstaltung. Außerdem wird am zweiten Tag des Festivals der neue Award zum "Cargobike of the Year" vergeben.

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