Initiative: Bidirektionales Laden ist Schlüssel für Energiesystem

Eine sektorübergreifende Initiative unter Beteiligung des Münchener Spezialisten The Mobility House verweist auf die Schlüsselrolle, die bidirektionales Laden von E-Autos für die Flexibilisierung des Energiesystems hat. Appell: Ö̈kologische und volkswirtschaftliche Potenziale der Technologie voll ausschöpfen.

Potenziale ausschöpfen: Die geplante Masse an Elektroautos birgt große Potenziale für eine Flexibilisierung im Energiesystem, appelliert jetzt eine Initiative. | Foto: TMH
Potenziale ausschöpfen: Die geplante Masse an Elektroautos birgt große Potenziale für eine Flexibilisierung im Energiesystem, appelliert jetzt eine Initiative. | Foto: TMH
Johannes Reichel

Die im Herbst 2021 gegründete „Initiative Bidirektionales Laden“ hat sich mit einem Positionspapier zur Förderung der Technologie in Stellung gebracht. Die Initiative ist ein Zusammenschluss von Unternehmen der Automobil-, Energie- und Ladeinfrastrukturbranche, die von einer Parkhausgesellschaft, einem Softwarespezialisten sowie zwei Beratungshäusern flankiert werden.

„Es geht uns darum, das bidirektionale Laden als einen wichtigen und entscheidenden Baustein der Energie- und Verkehrswende in Politik und Gesellschaft zu verankern und dann auch unternehmerisch umzusetzen“, erklärt Marcus Fendt, Geschäftsführer von The Mobility House.

Die Technologie des bidirektionalen Ladens sei ein neuer, vielversprechender und dezentraler Ansatz, bei dem die Batterien von Elektrofahrzeugen sowohl be- als auch entladen werden können. So könnten sie zu einer relevanten und flexiblen Speicherkapazität für das Stromnetz beitragen, das mit voranschreitender Energiewende einen höheren Bedarf an flexiblen Speichern hat, um die Anforderungen der Sektoren wie Strom, Wärme und Mobilität zu bedienen und gleichzeitig das Netz stabil zu halten.

„Die Bundesregierung geht derzeit von mindestens 15 Millionen vollelektrischen Pkw bis 2030 aus. Das ist ein immenses Potenzial für bidirektionales Laden. Wenn wir die Kapazität dieser mobilen Speicher nutzen, wäre das nicht nur ein wichtiger Beitrag zur Stabilität der Stromnetze, sondern wir könnten so auch die Energiewende und damit die Dekarbonisierung von Wirtschaft und Gesellschaft weiter vorantreiben“, meint Ralf Klöpfer, Vorstandsmitglied der MVV Energie AG und einer der Mitinitiatoren der Initiative.

Die Technologie befinde sich in einem fortgeschrittenem Entwicklungsstadium, ergänzt Martin Roemheld von der Volkswagen-Tochter elli, die sich ebenfalls an der Initiative beteiligt. Aber es fehlten die regulatorischen Rahmenbedingungen, um das bidirektionale Laden auch für alle Beteiligten interessant zu machen, kritisiert Roemheld.

Diese Lücke will die gestartete Initiative mit ihren 17 Mitgliedern schließen und die Schaffung passender Rahmenbedingungen vorantreiben, damit die Technologie wirtschaftlich für Unternehmen wie Verbraucher interessant wird. Über bereits vorhandene positive Impulse aus der europäischen und der Bundespolitik hinaus stellt das heute veröffentlichte Positionspapier konkrete Schritte für die Markteinführung von bidirektionalem Laden vor. Dazu zählen die Initiatoren: 

  1. Schaffung einer konkreten, einheitlichen Legaldefinition als Voraussetzung für technische und energiewirtschaftliche Entwicklungen.
  2. Auflegen eines speziellen, zeitlich befristeten Förderprogramms für bidirektionale Ladeinfrastruktur, um weitere Lock-In Effekte durch die ausschließliche Unterstützung unidirektionaler Ladeinfrastruktur zu verhindern und zügig wettbewerbsfähige Konditionen auf dem Markt zu schaffen.
  3. Weiterentwicklung der Steuerung von Verbrauchseinrichtungen und Flexibilitätsbeschaffung im Verteilnetz.
  4. Senkung der Mindestgebotsgröße am Regelenergiemarkt von 5MW auf 1MW, um Eintrittsbarrieren für mobile Speicher zu reduzieren.
  5. Stromnebenkostenbefreiung für mobile Speicher durch Gleichstellung mit stationären Speichern, um eine drohende Doppelbelastung von als Speicher genutzten Elektrofahrzeugen zu verhindern.
  6. Ausbau der Kommunikationsinfrastruktur durch eine gezielte Beschleunigung des Smart-Meter-Rollouts durch Anreize für den freiwilligen Einbau von intelligenten Zählern.
  7. Erhöhung der wirtschaftlichen Motivation von Netzbetreibern durch eine Berücksichtigung der netzdienlichen Flexibilitätsnutzung von (mobilen) Speichern, die Digitalisierung der Netztechnik und der damit jeweils einhergehenden operativen Kosten in der Anreizregulierung.
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