ifeu-Institut: Neue App führt zum passenden E-Auto

Die integrierbare App “My eDrive” will potenziellen Käufern den Weg weisen, welches Elektroautos für sie passt. Die Anwendung analysiert nach benötigter Reichweite und Fahrzeugtyp, wie viel CO2 der Umstieg einspart, auch in die Zukunft mit günstigerem Strommix.

Wegweiser zum Stromer: Die neue App des Umweltinstituts ifeu will E-Auto-Interessenten eine realistische Fahrzeugwahl ermöglichen. | Foto: ifeu
Wegweiser zum Stromer: Die neue App des Umweltinstituts ifeu will E-Auto-Interessenten eine realistische Fahrzeugwahl ermöglichen. | Foto: ifeu
Johannes Reichel

Das Heidelberger  Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg gGmbH (ifeu) hat jetzt seine komplett überarbeitete App "My eDrive" vorgestellt, die potenziellen E-Auto-Käufern in wenigen Sekunden zeigen soll, welche Auswahl an Elektroautos für ihren speziellen Fall in Frage kommen. Die Anwendung differenziert nach benötigter Reichweite und zeigt je Fahrzeugtyp an, wie viel klimaschädliches CO2 der Umstieg vom Diesel oder Benziner auf ein konkretes E-Auto einspart.

„Die App ist für alle gedacht, die jetzt über den Umstieg auf ein Elektroauto nachdenken und neben der Reichweite auch wissen wollen, was der Umstieg für den Klimaschutz wirklich bringt“, erklärt Julius Jöhrens, Projektleiter am ifeu-Institut.

Zudem berechnet die Anwendung den Energieverbrauch von Elektro-Pkw für das individuelle Fahrprofil der Nutzer*innen. Das sei ein erheblicher Vorteil gegenüber pauschalen Reichweitenangaben der Hersteller. In der Datenbank gelistet sind die meisten derzeit verfügbaren E-Autos in Deutschland, bereits um die Modelle des aktuellen Jahrgangs  erweitert. Dabei lassen sich auch Modelle einer Baureihe mit unterschiedlichen Batteriekapazitäten vergleichen. So ist etwa allein der BMW i3 mit fünf verschiedenen Baujahren und Ausstattungsvarianten vertreten. Der Fiat 500e, der Renault Kangoo Z.E., der Skoda Enyak des Jahrgangs 2021, der Tesla Model 3 sowie der VW ID.4 sind jeweils mit mindestens zwei Modellen im Register aufgeführt.

Individuelle Abschätzung von Reichweite und CO2-Einsparung in die Zukunft

Der Nutzer hinterlegt das eigene Profil mit Jahreskilometern und bisherigem Durchschnittsverbrauch (Diesel oder Benzin) und erhält in in wenigen Sekunden die Daten der relevanten E-Fahrzeuge. Eine Sortierung in Fahrzeugklassen von „Mini“ bis „Oberklasse“ erlaubt weitere Differenzierung nach Bedarf.

„Unsere App schätzt dabei sofort die möglichen CO2-Einsparungen ab, die über die gesamte Nutzungsdauer beim Umstieg auf ein Elektrofahrzeug zu erwarten sind“, erklärt Jöhrens.

Dabei würden Herstellung von Karosserie, Antriebsstrang und Batterie, die Nutzung über 13 Jahre und die Fahrzeugentsorgung mit betrachtet. Hierbei greift man auf die im Institut vorliegenden ökobilanziellen Studien zum Lebenszyklus von Fahrzeugen zurück. Der wichtigste Faktor für die Ökobilanz eines Autos sei die Nutzungsphase, sprich der Strom, der verwendet wird, so die Macher.

„Wir gehen davon aus, dass die Elektroautos Strom mit dem jeweils aktuellen Mix aus Wind-, Sonne- und Kohlestrom tanken. Der Anteil der erneuerbaren und damit fast CO2-neutralen Energien im deutschen Strommix lag im vergangenen Jahr bei 46 Prozent und wird aufgrund des gesetzlichen Rahmens in den nächsten Jahren immer weiter steigen“, prognostiziert Jöhrens.

Diese Veränderung sei in den CO2-Abschätzungen berücksichtigt. Über den Erst-Check hinaus biete die App zudem die Möglichkeit, die Strecken aufzuzeichnen, die tatsächlich heute mit dem eigenen Auto zurückgelegt werden. Dafür berechne der Algorithmus dann die Reichweite mit einem beliebigen elektrischen Modell und bezieht dabei auch die Außentemperatur sowie Höhendifferenzen mit ein.

„Auf diese Weise liefert die App sowohl für die technische Eignung als auch für die Umweltbilanz sehr realistische Abschätzungen für jeden Einzelfall“, wirbt Jöhrens.

Eine strenge Datenschutzrichtlinie soll sicherstelle, dass persönliche Daten der Nutzer*innen ausschließlich anonymisiert für wissenschaftliche Zwecke ausgewertet und nicht weitergegeben werden. Die App wurde ursprünglich durch das Institut gemeinsam mit dem ADAC entwickelt und vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) gefördert. Nach einer umfangreichen Beta-Testphase steht die fertige Anwendung seit über zwei Jahren zur kostenfreien Nutzung zur Verfügung. Eine offene Programmierschnittstelle (API) erlaubt es Flottenbetreibern und Softwareentwickler*innen, Funktionen der App in eigene Anwendungen zu integrieren.

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