IFA 2020: Hyundai sieht Fuel Cell als Ergänzung, nicht Ersatz

Koreaner nutzen den teilvirtuellen IFA Shift Mobility Kongress, um ihre führende Rolle beim Thema Wasserstoff zu unterstreichen. Man sieht keine Konkurrenz, sondern Ergänzung batterieelektrischer Mobilität. 

Voll im Bilde: Bei der teils virtuell durchgeführten Konferenz führte Nicole Scott von Mobile Geeks charmant durch die digitale Debatte. | Foto: Hyundai
Voll im Bilde: Bei der teils virtuell durchgeführten Konferenz führte Nicole Scott von Mobile Geeks charmant durch die digitale Debatte. | Foto: Hyundai
Johannes Reichel

Der koreanische Automobilhersteller Hyundai hat auf der virtuell und live durchgeführten IFA Shift Mobility Kongress in Berlin im Rahmen eines Online-Panels auf seine Führungsrolle in Sachen Brennstoffzelle hingewiesen und nächste Schritte bei der Einführung von Serien-Nutzfahrzeugen angekündigt. Hier soll es Anfang Oktober weitere konkrete Fortschritte geben, vermutlich, wenn die ersten Serien-Trucks in der Schweiz in den Regelbetrieb bei Speditionen gehen. Hyundai forciert das Thema Fuel Cell derzeit vor allem im Nutzfahrzeugbereich, aber auch bei Stationäranwendungen, obwohl man mit dem Nexo das neben dem Toyota Mirai einzige Serien-Fahrzeug im Pkw-Bereich auf dem Markt hat.

Bei der Debatte zum Thema “Fuelling the future - paving the way to a Hydrogen Society" erörterte eine Gruppe von Hyundai-Fuel-Cell-Verantwortlichen gemeinsam mit externen Experten aus dem Bereich Wasserstoff das Potenzial der Brennstoffzellentechnologie als emissionsfreie Mobilitätslösung. Themen waren unter anderem die Funktionsweise von Brennstoffzellen, die Rolle von nachhaltigen Lieferketten für die Wasserstoffproduktion bei der Senkung der Kohlenstoffemissionen oder die Bedeutung ökologisch sowie ökonomisch nachhaltiger Lösungsansätze. Nicole Scott, Journalistin und Gründerin des Technikmagazins Mobile Geeks, moderierte die virtuelle Talkrunde.

Komplementär, nicht konkurrierend

Die Leitlinie gab Hyundai-Forschung&Entwicklungsleiter Albert Biermann vor, der glaubt, dass sich verschiedene Arten emissionsfreier Mobilität, von batterieelektrischen Fahrzeugen bis hin zu Brennstoffzellenlösungen, gegenseitig ergänzen, nicht konkurrieren. Dies werde erreicht, indem man die Aktivitäten auf verschiedene Bereiche erweitere. 

"Rein batterieelektrisch angetriebene Fahrzeuge sind eine optimale Lösung für den Personenverkehr in Städten und für Pendler, Brennstoffzellen hingegen haben mit ihren kurzen Betankungszeiten und großen Reichweiten ein erhebliches Potenzial im Güterverkehr und in der Handelsschifffahrt", glaubt Biermann.

Fuel Cell: Je schwerer, desto sinnvoller

Auch Mark Freymüller, CEO Hyundai Hydrogen Mobility AG, äußerte im Gespräch mit VISIONmobility sogar, dass auch im Pkw die Fuel Cell noch eine Weile ihre Berechtigung haben werde und sieht aktuell eine Koexistenz der Antriebsformen. Für ihn ist aber grundsätzlich klar, dass die Brennstoffzelle mehr Sinn macht, wo die Lasten und Gewichte steigen. Aber eben auch dort, wo es möglicherweise keine gute Ladeinfrastruktur für Elektro-Autos gibt. Freymüller prognostiziert im Übrigen anders als aktuelle Studien keinen Anstieg des H2-Preises, trotz einer höheren Nachfrage, auch aus dem Bereich der Industrie. Das werde sich "nivellieren", glaubt der H2-Experte, weil ja auch die Produktion skaliert werde. Er erwartet mittelfristig sogar sinkende Preise für Wasserstoff.

Gesucht fürs Klima: Idealer Mix auf BEV und FCEV

Stefan Linder vom Schweizer Energie-Partner im H2-Projekt mit den Verteiler-Lkw Xcient Fuel Cell Alpiq, sprach über die Bedeutung von „grünem“ Wasserstoff für eine wirklich emissionsfreie Versorgungskette, im Hinblick auf staatliche Förderungen sowie das Potenzial von Wasserstoff als Speichermedium für erneuerbare Energien. Aus seiner Sicht gehe es darum, den "idealen Mix" aus batterieelektrischem und brennstoffzellenbetriebenen Antrieb im Hinblick auf die gesamtsystemische CO2-Ersparnis zu finden. Man dürfe bei der Gesamtbeurteilung auch die Recycling-Frage nicht außer Acht lassen, die aus seiner Sicht wegen der höheren Wiederverwertbarkeit der Komponenten deutlich für die Fuel Cell spreche. Marcus Guzmann von Hydrogenious LOHC Technologies schilderte die Herausforderungen des Transports und der Speicherung von Wasserstoff und wie daran gearbeitet wird, Lösungen mit flüssigen organischen Wasserstoffträgern zu finden.

Elektrifizierung bei Hyundai: Batterie und Brennstoffzelle

Michael Cole, Präsident und CEO von Hyundai Motor Europe erläuterte die Elektrifizierungsstrategie und kündigte an, in den nächsten fünf Jahren über 40 Milliarden Euro in die Mobilität der Zukunft zu investieren, 6,7 Milliarden Euro in die Brennstoffzellentechnologie bis 2030. Zum Thema Wasserstoffmobilität erkärte er:

„Wir wollen in der Brennstoffzellentechnologie führend sein und treiben unsere Entwicklungen zur Unterstützung einer zukünftigen Wasserstoffgesellschaft voran. Unser Plan ist es, bis 2030 jährlich 700.000 Brennstoffzellensysteme herzustellen".

Cole sprach unterstrich zudem die Bedeutung des Modells Ioniq für die Marke, weil es das ersten Auto gewesen sei, das ausschließlich für den Einsatz mit alternativen Antrieben – Elektro, Plug-in-Hybrid und Hybrid – entwickelt wurde. Die jetzt darauf aufbauend begründete Submarke IONIQ soll eine entscheidende Rolle bei der Erschließung des Elektromarktes spielen.

 

 
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