ID.3-Produktion: Volkswagen startet in die Zukunft

Am 4.11.2019 wurde offiziell die ID.3-Produktion in Zwickau angefahren. VM war vor Ort dabei und hat den Kompaktstromer und seine Werker beim Start in die Zukunft begleitet, im Beisein der Kanzlerin.

Angela Merkel war vor dem Autogipfel in Zwickau und wohnte dem Start der ID.3-Produktuion bei. | Foto: G. Soller
Angela Merkel war vor dem Autogipfel in Zwickau und wohnte dem Start der ID.3-Produktuion bei. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Der Zeitpunkt war geschickt gewählt – von VW-CEO Herbert Diess ebenso wie von Bundeskanzlerin Angela Merkel: Nämlich just ein paar Stunden vor dem nächsten „Autogipfel“ der Bundesregierung. So reist Merkel mit dem aktuellsten Stand der Dinge aus der Industrie nach Berlin und Herbert Diess konnte nochmal für seinen „Systemwechsel“ hin zur Elektromobilität werben.

In Zwickau fand man dann alle VW-Vorstände und die Kanzlerin entspannt vor, die gleich ganz richtig anmerkte, dass die Produktion ja schon etwas laufen müsste, denn sie hätte ja schon fertige ID-Modelle auf dem Werksgelände gesehen. Tatsächlich war der Übergang vom Prototypen-zum Vorserien- zum Serien-ID.3 fließend, wie uns Holger Hollmann, Leiter der ID-Montagehalle fünf, wissen ließ. Aktuell sei man bei rund 15 Fahrzeugen pro Schicht – nachdem man mit sechs Autos gestartet war und erst kürzlich die letzten Vorserienmodelle fertig stellte. Entsprechend langsam läuft dann auch das Band mit den „First Editions“ an: Auf jeden ID.3 folgen am 4.11. erstmal mindestens sechs Leergestelle. Denn immer noch klemmt es in der Produktion hie und da, doch der Hochlauf steht: Schon bald wird man die Schlagzahl verdoppelt haben und dann wird in 100er-Schritten hochgefahren – am Ende sollen pro Schicht bis zu 800 Autos entstehen.

Wir fragen Bandmitarbeiter, wie sie den „Systemwechsel“ sehen: Im Grunde genommen positiv, da gerade der Innenausbau fast die gleiche Montagezeit erfordert wie ehedem beim Golf. Und weil man in Zwickau künftig 270 statt 220 Autos täglich bauen möchte – idealerweise mit der gleichen Belegschaft – hat man die Taktzeit beim ID.3 von 1,9 auf 1,5 Minuten verkürzt. In Summe kann Zwickau den neuen Stromer so binnen vier bis 4,5 Stunden komplett montieren. Dazu wurde auch der Automatisierungsgrad weiter erhöht – von 17 auf jetzt 28% im Innenausbau, in dem man sich immer noch schwer tut mit Robotern.

Schon 2020 will man so 100.000 Stromer fertigen: Zum ID.3 werden sich noch 2020 der ID.Crozz und der fast ID.3-baugleiche Seat El Born gesellen. Ab 2021 soll dann auch Halle 6 umgerüstet sein – und Audis MEB-Modell starten. Womit die Marke (fast) wieder an ihren Ursprungsort zurückgekehrt ist, wo August Horch 1904 seine Horch- und 1909, also vor genau 110 Jahren, die Audi-Werke gegründet hat. Ab 2021 sollen dann 330.000 E-Autos pro Jahr gefertigt werden, womit Zwickau erstmal das größte und leistungsfähigste Elektroautowerk Deutschlands ist.

Was bedeutet das?

VW macht ernst, wenngleich die Produktion in Zwickau langsam hochgefahren wird: Mit Vollauslastung ist nicht vor Mitte 2020 zu rechnen – doch der erste und wichtigste Schritt ist getan: Die ID.3-Produktiuon ist in Zwickau „ans Netz“ gegangen.

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