Werbung
Werbung

ICCT-EV-Rating: Tesla führt bei Technik und Vertrieb - BYD und BMW holen auf

Mit seinem Global Automaker Rating will die Organisation einen detaillierten Stand der elektrischen Transformation bei den Autoherstellern liefern. Wenig überraschend liegt Tesla weiter deutlich vorn, glänzt mit Topeffizienz, Ladetempo und Reichweite. Doch der Abstand schrumpft: Vor allem BYD holt in der Breite auf, technologisch ist BMW auf den Fersen. Die Japaner sind Schlusslichter. 

Zeigt den anderen die Rücklichter: Tesla ist nach wie vor die Referenz im BEV-Bereich. Allerdings holen China-Marken wie BYD auf - und BMW muss sich auch nicht verstecken, etwa in Sachen Effizienz. | Foto: Tesla
Zeigt den anderen die Rücklichter: Tesla ist nach wie vor die Referenz im BEV-Bereich. Allerdings holen China-Marken wie BYD auf - und BMW muss sich auch nicht verstecken, etwa in Sachen Effizienz. | Foto: Tesla
Werbung
Werbung
Johannes Reichel

Der International Council on Clean Transportation (ICCT) hat erstmals sein Global Automaker Rating 2022 veröffentlicht und spiegelt damit den Stand der Dinge, wie die globalen Automobilhersteller bei der Umstellung auf emissionsfreie Fahrzeuge (ZEVs) abschneiden. Tesla und BYD stehen in dieser ersten Auflage der detaillierten Analyse an der Spitze, wobei Tesla in Sachen Effizienz, Ladetempo und Reichweite sowie den meisten anderen Kategorien bis auf die Modellabdeckung die absolute Referenz darstellt. Bewertet wurden die 20 größten Hersteller der Welt anhand ihrer Verkäufe, Maßnahmen und ZEV-Strategien in sechs wichtigen globalen Märkten. Alle fünf Hersteller mit Hauptsitz in Japan und Tata, mit Hauptsitz in Indien, befinden sich am Ende der Bewertung. Dies spiegle die Komplexität und den Umfang der ZEV-Umstellung sowie die unterschiedlichen Ansätze der Automobilhersteller bei der Umstellung wider, so die Analysten.

Referenz in Effizienz: Tesla Technologieführer

Vor allem beim Verbrauch liegen die im Vertrieb führenden Kalifornier weit in Front mit im Schnitt 12,4 kWh/100 km. Außerdem laden die US-Stromer am schnellsten mit 172 kW und kommen am weitesten mit 502 Kilometer. Auf den Fersen ist den Amerikanern am ehesten BMW, die beim Verbrauch immerhin auf 14 kWh/100 km kommen und bei der Ladegeschwindigkeit mit 90 kW passapel performen. Bei den Reichweiten, zumindest nach dem formalen WLTP-Zyklus, kann mittlerweile auch VW mithalten, im Schnitt stromern die Wolfsburger E-Mobile 430 Kilometer weit, die besten Varianten 534 Kilometer.  Größte Schwäche von Tesla ist die noch geringe Modelltiefe, vor allem eine Basisversion fehlt schmerzlich, soll aber mit dem vieldiskutierten Model 2 bald kommen, zudem ein Model Q. Manko bei den Kaliforniern ist auch, dass die Werke noch nicht komplett auf erneuerbare Energien umgestellt sind, wie das etwa bei BMW der Fall ist. Bei der Portfoliobreite liegen klar die chinesischen Anbieter wie SAIC (MG), BYD, Geely oder Chang'an vorn, auch Stellantis kann hier mit seiner Fünf-Marken-Vielfalt mithalten, auch VW schlägt sich hier wacker. Allerdings fehlt ein elektrischer Kleinwagen, der erst für 2025 mit dem ID.2 avisiert ist.

Nippon-Marken liegen ganz hinten

Krass fällt das schlechte Abschneiden sämtlicher japanischer Marken in Sachen Elektrifizierung auf: Toyota, Hona, Nissan, Mazda und Suzuki belegen mit dem indischen Tata-Konzern die hintersten Plätze und haben den Trend schlicht verschlafen. Aktuell ist das BEV-Angebot dünn und die Technologie nicht sehr effizient. Toyota hat nur den Crossover-SUV bZ4X sowie die Stellantis-Übernahmen der leichten E-Vans im Sortiment, Honda und Mazda je ein (Nischen)Modell. Lausig ist auch die Effizienz: Der Mazda-Stromer belegt mit 17,1 kWh/100 km sogar den letzten Platz, Toyota ist allenfalls Mittelmaß, ebenso Nissan und Honda. Suzuki muss bei BEV komplett passen.

Die Chinesen sind bei der Effizienz noch eher mau im Rennen, ebenso bei Reichweite und Ladegeschwindigkeit, wobei sie eben auch günstigere und kleinere Modelle im breiten Portfolio haben. Die Koreaner von Hyundai-Kia müssen bei der Effizienz zu Tesla Abstriche machen, kommen aber bei Ladetempo (teils dank 800-Volt-Technologie) sowie Reichweite gut weg und legen auch beim Thema Batterierecycling die Latte ebenso hoch wie Tesla und die China-Marken.
 

Leader, Transitioners und Laggards: BYD jagt Tesla

Die ICCT-Analysen von Fahrzeugen basieren auf den Verkäufen von neuen leichten Nutzfahrzeugen im Jahr 2022. Die Analyse der aktuellen Maßnahmen und zukunftsorientierten Strategien der einzelnen Hersteller basiert auf Informationen, die bis Ende 2022 gesammelt wurden. Die Analysten haben 10 benutzerdefinierten Kennzahlen mit Blick auf die Verfolgung von Fortschritten im Laufe der Zeit entwickelt und wollen die Bewertung jährlich aktualisieren. Die Tabelle zeigt die Gesamtbewertung, und die Bewertungspunkte für 2022 auf der linken Seite spiegeln die vergleichende Position jedes Unternehmens beim ZEV-Umstieg wider. Die grün dargestellten "Leader" liegen im oberen Drittel der Bewertung (66,7-100); die gelb dargestellten "Transitioners" liegen im mittleren Drittel (33,4-66,6); die rot dargestellten "Laggards" liegen im unteren Drittel (0-33,3). Die Metriken, aus denen sich diese Bewertungen zusammensetzen, seien absichtlich breit gefächert, da der ZEV-Umstieg komplex sei, begründen die Rating-Macher.

Die Säule der Marktdominanz enthält zwei Kennzahlen, die widerspiegeln, wie weit die einzelnen Autohersteller bei der Umstellung auf ZEVs in ihrer eigenen Flotte fortgeschritten sind. Die Säule der technologischen Leistung besteht aus fünf Kennzahlen, die eine Bewertung der Attraktivität des Angebots eines Automobilherstellers für eine wachsende ZEV-Kundenbasis mit der Bewertung des Fortschritts bei der nachhaltigen Herstellung und Beschaffung verbinden, die für einen vollständig dekarbonisierten Transportsektor notwendig sind. Die drei Metriken, die die Säule der strategischen Vision bilden, zeigen das Engagement jedes Unternehmens für seine eigene ZEV-Zukunft. Die endgültigen Bewertungsergebnisse sind eine in sich konsistente Sicht auf den aktuellen Stand des ZEV-Übergangs, erläutern die Analysten weiter.

Werbung
Werbung