IAA Mobility 2021: Tatsächlich „ein großer Erfolg"!

Die Messe München und der VDA waren am Sonntagabend einig und zufrieden: Insgesamt wurden laut VDA und Messe München über 400.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gezählt

Bestes Wetter, gute Organisation und keine Eskalation: Die IAA Mobility 2021 darf als Erfolg gesehen werden. | Foto: G. Soller
Bestes Wetter, gute Organisation und keine Eskalation: Die IAA Mobility 2021 darf als Erfolg gesehen werden. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Das neue Messekonzept scheint aufgegangen zu sein: Insgesamt wurden an den sechs Messetagen laut VDA und Messe München mehr als 400.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gezählt. Das ist zwar gegenüber der letzten IAA in Frankfurt 2019 ein massiver Rückgang, als 560.000 Besucherinnen und Besucher gezählt wurden, aber: 2019 dauerte die Messe zwei Wochen. Blickt man in der IAA-Historie weiter zurück, hätte man 2021 kumuliert wieder die 800.000 Besucherinnen und Besucher erreicht, die vor 2019 nach Frankfurt pilgerten. Freilich – von den Millionenständen anno 2007 muss man sich wohl verabschieden. Die Zahlen sind umso höher zu bewerten, als dass diese IAA auch massiven Gegenwind hatte und die Corona-Pandemie vor allem die Gäste aus Asien und dem amerikanischen Kontinent fernbleiben ließ.

Emotional: Endlich wieder viele liebe Menschen persönlich auf einer Messe treffen!

Und nicht nur Messechef Klaus Dittrich spricht von einem „sehr emotionalen Moment“, nach eineinhalb Jahren Stillstand endlich wieder eine große Messe zu veranstalten. Er habe viele positive Rückmeldungen bekommen von der Hotellerie, von der Gastronomie und von der Taxibranche. Auch unser Redaktionsteam der VISUION Mobility, das am 8.9. die Sieger BEST OF MOBILTY kürte, erfuhr Ähnliches: Endlich kann man Menschen wieder live treffen und mal wieder zusammen einen Kaffee oder zu späterer Stunde ein Bier trinken!

In der Innenstadt fand die IAA ein geteiltes Echo: Denn teils wurde die Mobilität und Durchgängigkeit vieler Plätze stark eingeschränkt, andererseits brachte sie laut Dittrich wieder „Leben in die Stadt“. Entsprechend denke die Messeleitung in München darüber nach, auch andere Veranstaltungen zusätzlich zu den Hallenveranstaltungen an mehreren Plätzen in der Stadt durchzuführen. Vor allem Umwelt- oder Sportartikelmessen böten sich an. Auch der VDA bestätigte uns auf Rückfrage, dass dieses Konzept durchaus auch eine Idee für die 2022 stattfindende Nutzfahrzeugmesse in Hannover sein könne. Hildegard Müller, Präsidentin des VDA, erklärte stolz:

„Wir haben einen mutigen Schritt gemacht und wurden von den Besucherinnen und Besuchern belohnt.“

Die IAA Mobility sah sich erstmals auch als Plattform für die Mobilität der Zukunft. Verschiedenste Verkehrsträger vom Auto über Fahrrad bis hin zu digitalen Lösungen und der Urban Air Mobility wurden unter einem „ideellen Dach“ zusammengebracht. Nochmal kurz Zahlen dazu: Es kamen 744 Ausstellerinnen und Aussteller sowie und 936 Rednerinnen und Redner aus 32 Nationen waren vertreten und konnten ihre Innovationen und Visionen für die klimaneutrale Mobilität der Zukunft einbringen. Auch mit den angekündigten Demonstrationen, die durch 4500 Beamte meist friedlich „geregelt“ wurden, war Hildegard Müller im Reinen:

„Wir haben in München ein friedliches Fest der Mobilität erlebt. München und Bayern sind nun das neue Zuhause der weltweit größten Mobilitätsveranstaltung."



Die befürchtete und in einigen Social-Media-Kanälen prophezeite Chaos-IAA blieb aus - dafür hatte aufgrund der massiven Polizeipräsenz zwischenzeitlich subjektiv das Gefühl, es könnte ein Anschlag auf die IAA geplant sein, von dem man vielleicht nichts weiß. 

86 Prozent bewerteten das neue Konzept positiv

Noch ein paar Flächenzahlen: Die IAA Mobility belegte insgesamt 260.000 qm Veranstaltungsfläche, davon 195.000 qm auf dem Messegelände und 65.000 qm in der Münchner Innenstadt. Auf der sogenannten „Blue Lane“ wurden insgesamt 255 Fahrzeuge eingesetzt, die für rund 7.000 Testfahrten gebucht wurden. 67 Prozent der Besucher waren jünger als 40 Jahre. 86 Prozent bewerteten das Konzept als gut und sehr gut. Besonders positiv bewertet wurde die Mischung der Aussteller und die Möglichkeit, Neuheiten direkt testen zu können.

Dittrich ergänzte: Die IAA Mobility habe gezeigt, dass das Schutz- und Hygienekonzept der Messe München auch bei einem hochkomplexen Event funktioniert habe. Auch der befürchtete „Superspreader“-Gau bei den Covid-19-Infektionen blieb aus.

Sehr zufrieden war IAA-Geschäftsführer Damasky auch mit der internationalen Medienreichweite der IAA Mobility 2021. Schon am Mittwoch war er „sehr zufrieden“ mit der medialen Abdeckung, die nach seinen Angaben weltweit höher lag als bei der großen Messe in Shanghai. Sie betrug bei der IAA Mobility mehr als 137 Milliarden Aufrufe weltweit. 140 Millionen Page Impressions verzeichneten die Social Media-Kanäle der IAA Mobility. Allein auf „Youtube“ und „TikTok“ wurden die Beiträge der IAA Mobility mehr als 38 Millionen mal aufgerufen. Länder mit besonders intensiver Berichterstattung waren China, USA, Südkorea, Brasilien, Spanien, Italien und natürlich Deutschland. Die nächste IAA Mobility findet vom 5. bis 10. September 2023 in München statt.

Was bedeutet das?

In Summe darf die IAA Mobility 2021 als Erfolg gewertet werden, wenngleich an vielen Details noch nachjustiert werden kann. Der "Hardcore-Petrolhead-Fraktion" waren es zu wenig Autos, Umweltschützern und dem ADFC ging das Konzept noch nicht weit genug. Die "Wahrheit" liegt wohl in der Mitte: Der VDA musste reagieren und hat im Rahmen der Möglichkeiten geliefert. Es bleibt Optimierungspotenzial im Detail – vor allem bei den Open Spaces, die in der Innenstadt nicht allen gefielen und die Mobilität dort für Nicht-Interessierte weitgehend lahm legte. Für andere war die IAA dafür ein veritabler Oktoberfest-Ersatz. Weshalb man auf die nächste IAA 2023 gespannt sein darf.

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