IAA Mobility 2021: Renault stellt Tochter Mobilize vor

Am 8.9. hat Renault über Nacht den ganzen Stand umgebaut: R5 und Mégane E-Tech mussten den orangefarbenen Mobilize-Modellen weichen. Und man präsentierte eine Kooperation mit betteries für Second-Life-Akus.

Zum 8.9. hat Renault den Messestand nochmal komplett umgebaut. | Foto: G. Soller
Zum 8.9. hat Renault den Messestand nochmal komplett umgebaut. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Dass Renault mit der Tochter Mobilize noch großes vorhat, zeigte sich am 8.9.2021: Über Nacht verschwanden die Pkw R5 und Mégane E-Tech zugunsten der orangen Mobilize-Flotte, Wägen mit Second-Life-Akkus und dem schwarzen Modell „Limo“, einem Pkw für den individuellen Personentransport durch Ridehailing- und Taxidienste. Die viertürige, rein batteriebetriebene Limousine soll in ausgewählten internationalen Märkten zu Flextarifen als komplettes Mobilitäts- und Dienstleistungspaket gewerblichen und privaten Fahrdiensten angeboten werden. Optisch und in den Abmessungen fährt sie mit gut 4,6 Metern exakt in die (Taxi-)Mittelklasse, verzichtet aber unverständlicherweise oder aus Kostengründen auf eine große Heckklappe. Ein Verkauf des Modells ist nicht geplant.

Das gilt auch für die drei vollelektrische Shared-Mobility-Fahrzeuge Duo, Bento und Hippo, die vor einigen Jahren teils schon in Paris präsentiert wurden. Auch diese Mobilize Modelle lassen sich nicht kaufen. Nutzer zahlen lediglich für den Gebrauch entsprechend der genutzten Zeit oder den zurückgelegten Kilometern. Darunter ist auch das Nachfolgemodell für den „Twizy“, der im Gegensatz zu seinem designierten Nachfolger noch regulär verkauft wurde.

Weiterhin präsentierte Mobilize am aktuelle und künftige Projekte, so zum Beispiel die neue Partnerschaft mit dem deutschen Start-up betteries für ein Second-Life-Batterieprojekt. Mobilize- CEO Clotilde Delbos erläutert in dem live gestreamten Talk ihre Vorstellungen für eine Energiewende.

Neue Pässe und Zertifikate

Dazu kommt ein neues Batteriezertifikat, das für  mehr Transparenz beim Verkauf gebrauchter Elektrofahrzeuge sorgen soll. Der Mobilize Charge Pass ermöglicht den nutzerfreundlichen Zugang zu 260.000 Ladepunkten in Europa und mit Mobilize Smart Charge können Kunden die Stromrechnung für ihr E-Fahrzeug optimieren. Dazu kommen Energiespeicherlösungen mit Hilfe von Batterien aus Elektroautos, die zu einem ausgewogenen Gleichgewicht von Energieerzeugung und -verbrauch beitragen sollen. Clotilde Delbos, CEO von Mobilize, erklärt dazu:

„Mit dem stetigen Zuwachs von Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeugen ist der Mobilitätsmarkt immer enger mit dem Energiemarkt verknüpft. Dank eines umfassenden integrierten Angebots bietet Mobilize den Kunden konkrete Lösungen und trägt dazu bei, dass Null-Emissionen-Ziel der Renault-Gruppe zu erreichen". 

Akkuzertifikat soll für Transparenz im Handel sorgen

Wichtiger Baustein für die flächendeckende Umsetzung der Elektromobilität ist das neue Mobilize Batteriezertifikat, das für mehr Transparenz im Handel mit gebrauchten Elektrofahrzeugen sorgt. Der neue Pass eröffnet den Besitzern von Renault und Dacia Elektroautos ein digitales Zertifikat über die verbleibende Energiekapazität ihrer Antriebsbatterie. Dies erleichtert die Restwertkalkulation der Fahrzeuge, trägt zum leichteren Wiederverkauf bei und gibt dem Käufer Sicherheit über die verbleibende Batteriekapazität seines Fahrzeugs.

Das Batteriezertifikat ist bereits auf MY Renault für Privatkunden und über das Easy Connect for Fleet-Angebot für Unternehmen verfügbar und steht zukünftig über MY Dacia für Dacia Spring-Kunden zur Wahl. Die Daten für das Zertifikat werden direkt aus dem Batteriemanagementsystem der Fahrzeuge ausgelesen. Die detaillierten Informationen über das Verhältnis zwischen der ursprünglichen und der aktuellen Kapazität der Batterie wird in Prozent ausgegeben. Erreicht die Kapazität einer 40-kWh-Batterie beispielsweise noch 94 Prozent, beträgt die Restkapazität demnach noch 37,6 kWh. Das Zertifikat ist für verschiedene Renault Elektromodelle erhältlich und kommt auch für zukünftige Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeuge von Renault und Dacia.

Charge Pass für Zugang zu 260.000 Ladepunkten

Ein weiteres Modul ist der Mobilize Charge Pass, der das Aufladen von Elektrofahrzeugen per MY Renault-Anwendung an mehr als 260.000 Ladepunkten in 25 europäischen Ländern ermöglichen soll. Zudem können Kunden die nächstgelegene, kompatible Ladestation ausfindig machen, die Tarife vergleichen und sich die Route zur Stromtankstelle anzeigen lassen. Auch die Bezahlung des Ladevorgangs erfolgt mit dem Mobilize Charge Pass, wenn dieser zuvor mit einem Zahlungsmittel verbunden wird. Die Anwendung ist zuerst in Deutschland und Spanien verfügbar und wird in den kommenden Monaten auch in anderen Ländern angeboten.

Mobilze Smart Charge: Günstiger und grüner laden

Mit der vorerst in Frankreich und den Niederlanden verfügbaren Anwendung Mobilize Smart Charge sollen die Besitzer von Renault-Elektrofahrzeugen die Ladekosten zu Hause optimieren und die CO2-Emissionen durch eine intelligente Planung des Ladevorgangs verringern können. Mobilize Smart Charge berücksichtigt dabei Spitzen bei Stromerzeugung und -verbrauch und berechnet auf dieser Grundlage den optimalen Ladeplan. In die Kalkulation fließen zudem die Kapazität des Stromnetzes, die Verfügbarkeit von erneuerbaren Energien, der Strompreis und natürlich die Ladepräferenzen des Nutzers einschließlich gewünschter Ladeleistung und Startzeit ein. Durch die hohe Flexibilität bei den Ladevorgängen können Nutzer die Stromkosten deutlich senken.

Speicher werden auch bei Mobilize Thema

Mobilize führt weiterhin das Projekt Advanced Battery Storage fort und erweitert den derzeit größten stationären Energiespeicher aus Elektrofahrzeugbatterien langfristig auf eine Kapazität von 70 MWh. Neben den aktuellen Standorten im nordfranzösischen Douai und Elverlingsen in Deutschland installiert Mobilize einen Speicher mit 15 MWh-Kapazität auf dem Gelände des Renault-Werks in Flins. 480 neue ZOE-Batterien werden dort nach und nach durch gebrauchte Stromspeicher ersetzt und erhalten somit ein zweites Leben, wenn sie für den Einsatz im Elektroauto nicht mehr geeignet sind. Durch die längere Lebensdauer wird damit der CO2-Fußabdruck der Batterien deutlich verringert.

Neue Kooperationen für die Batterieweiterverwertung

Weiterer Eckpfeiler für klimaneutrale Elektromobilität ist die neue Kooperation von Mobilize mit der betteries AMPS GmbH. Ziel ist es, eine leicht transportierbare, modulare und vernetzte Energiespeicherlösung aus Elektrofahrzeug-Batteriemodulen herzustellen. Mit dem zweiten Leben der Akkus unterstützen Mobilize und betteries die Kreislaufwirtschaft und verringern ihren CO2-Fußabdruck.

Der betterPack, das Kernstück des Speichersystems, kann auf einem betterGen – einem Wagen mit Wechselrichter und Ladegerät – gestapelt werden und so kleine kraftstoffbetriebene Generatoren ersetzen. Das System bietet eine Leistung von zwei bis fünf kW und eine Kapazität von 2,3 bis 9,2 kWh. Der betterPack kann selbst in geschlossenen Räumen verwendet werden, da er im Gegensatz zu einem herkömmlichen Generator keine Abgase ausstößt. Der nutzerfreundliche und geräuscharme Betrieb macht ihn zur idealen Lösung für Ausrüstungsvermieter, Dreharbeiten in der Filmindustrie und Baustellen, die ihre CO2-Emissionen reduzieren wollen. Das betterPack eignet sich auch als schlüsselfertige Lösung für dreirädrige Fahrzeuge wie das Tuk-Tuk und kleine Elektroboote. Dank des geringen Gewichts von weniger als 35 Kilogramm kann der betterPack manuell ausgetauscht werden. Aktuell bereiten Mobilize und betteries die Serienfertigung des betterPacks in der Re-Factory der Renault-Gruppe im französischen Flins vor, die noch vor Ende 2021 erfolgen soll.

Was bedeutet das?

Neben die Pkw stellt Renault seine ganz in orange gehaltene Tochter „Mobilize“. Dabei zielt man vor allem an Last-Mile-Anwendungen und Fahrzeugkonzepte jenseits des üblichen Pkw-Programms. Ein spannender Ansatz, den auf andere Art auch die Marktbegleiter von Renault verfolgen. Man darf gespannt sein, mit welchen Angeboten und wann Mobilize konkret in Deutschland startet. Der Ansatz der neuen Marke ist jedenfalls sehr umfassend.

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