IAA Mobility 2021: Nachhaltige Mobilitätswirtschaft fordert echte Wende weg vom Verbrenner

Ein breites Bündnis unter anderem aus VDV, bcs, RLVD und Allianz Pro Schiene und zahlreichen Fahrradadakteuren verlangt zum Auftakt der Messe eine wirkliche Wende hin zu emissionsarmen Mobilitätsformen.

Mehr Bikes statt Diesel-Trucks: Ein breites Bündnis setzt vor IAA und Bundestagswahl die Politik unter Druck und will eine echte Wende. | Foto: RLVD
Mehr Bikes statt Diesel-Trucks: Ein breites Bündnis setzt vor IAA und Bundestagswahl die Politik unter Druck und will eine echte Wende. | Foto: RLVD
Johannes Reichel

Das breite "Bündnis nachhaltige Mobilitätswirtschaft Deutschland" hat von der Bundesregierung zur Eröffnung der IAA Mobility 2021 in München und kurz vor der Bundestagswahl eine Verkehrswende mit einer deutlichen Verlagerung vom privaten Auto und vom Lkw hin zu klimaschonenden Verkehrsträgern gefordert. Das bisherige Verkehrssystem mit seiner Fokussierung auf den motorisierten Individualverkehr trage weder zum Klimaschutz bei noch werde es den wachsenden Anforderungen an Mobilität gerecht, heißt es in einem gemeinsamen Positionspapier. Die nachhaltige Mobilitätswirtschaft biete hingegen schon heute umweltfreundlichen Verkehr und sichere, zukunftsfähige Arbeitsplätze.

"Schon heute sichern wir rund 820.000 Arbeitsplätze. Die nachhaltige Mobilitätswirtschaft ist ein schnell wachsender Wirtschaftszweig", wirbt das Bündnis.

Unter dem Titel „Vielfältig, klimagerecht und flexibel - Die nachhaltige Mobilitätswirtschaft bietet mehr!“ hat sich erstmals ein breites Bündnis der nachhaltigen Mobilitätswirtschaft versammelt und die Politik zu einem entschiedenen Umsteuern in der Verkehrspolitik aufgerufen. Initiiert wurde das Bündnis vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), der Allianz pro Schiene (ApS), dem Bundesverband Zukunft Fahrrad (BVZF) und dem Bundesverband CarSharing (bcs). Zahlreiche weitere Verbände und Unternehmen unterstützen die Initiative.

Schon heute ist nachhaltiger Mobilität möglich

Der Verkehrssektor ist laut dem Papier weiterhin ein Problembereich des Klimaschutzes, seine Treibhausgasemissionen sind zu hoch und sinken bisher nicht. Dabei ermöglichten schon heute ressourcenschonende, flächeneffiziente und smarte Verkehrsmittel CO2-arme bis CO2-freie Mobilität: Bus, Bahn, Fahrrad, „Shared Mobility“ mit Elektrofahrzeugen (CarSharing, Ride Pooling, Bikesharing und Mikromobilität) böten viele Vorteile gegenüber dem motorisierten Individualverkehr, werben die Akteure.

"Die passenden Angebote für unterschiedliche Menschen und Bedürfnisse gibt es schon. Sie müssen jetzt konsequent finanziert, gefördert und umgesetzt werden. Davon profitieren alle, denn eine nachhaltige Verkehrswende eröffnet Chancen sowohl für einen konsequenten Umweltschutz als auch für sichere und zukunftsfähige Arbeitsplätze in Deutschland und eine höhere Lebensqualität", befinden die Stakeholder.

Das Bündnis spricht sich für einen Gipfel für nachhaltige Mobilität innerhalb der ersten 100 Tage der neuen Bundesregierung aus, um endlich den Startschuss für eine echte Verkehrswende zu geben.

„Die zugestellten Waren nehmen von Tag zu Tag zu. Dies findet auf den Straßen fast ausschließlich durch LKW und Leichte Nutzfahrzeugen mit Verbrennungsmotor statt. Für effektiven Klimaschutz müssen bis 2030 mindestens 30 Prozent der Zustellungen per Lastenrad erfolgen", erklärt exemplarisch für andere Bereiche der Vorsitzende des Radlogistikverbandes Deutschland (RLVD) Tom Assmann.

Radlogistik sei der Klimaschützer in der urbanen Logistik. Dafür brauche es Kostengerechtigkeit im Verkehr, deutlich mehr, bezahlbare Mikro-Hubs und bessere Förderung von Lastenrädern, fordert Assmann weiter. Die aktuelle Bundesregierung habe etwa mit dem „Zukunftsbündnis Schiene” oder dem „Nationalen Radverkehrsplan 3.0“ programmatisch vorgelegt. Für andere Bereiche steht eine systematische Förderung noch aus.

"Es ist entscheidend, dass die Politik in Bund, Ländern und Kommunen den eingeschlagenen Weg konsequent fortführt, dafür muss investiert und entschieden gesteuert werden", fordert das Bündnis.

Konkret müsse die Verkehrsfinanzierung muss an die Erfordernisse der Gegenwart angepasst werden:

  • Der öffentliche Verkehr und seine Infrastruktur müssen ausgebaut und die Finanzierung und der Personalbedarf langfristig gedeckt werden. Gleiches gilt für den Radverkehr. 
  • Clevere und am Gemeinwohl orientierte „Shared Mobility“ muss als Ergänzung zum öffentlichen Verkehr möglichst flächendeckend ausgebaut werden.
  • Geschlossene Finanzierungskreisläufe („Straße finanziert Straße“) müssen auf die Verkehrswende ausgerichtet werden („Verkehr finanziert Verkehr“).
  • Umweltfreundliche Verkehrsmittel sollten begünstigt werden. Finanzierungsme- chanismen entfalten ihre Wirkung, wenn sie Anreize setzen CO2 einzusparen, klimaschädliche Regelungen sollten parallel abgeschafft werden.

Zudem müssten die rechtlichen Rahmensetzungen klimagerechte und flächeneffiziente Mobilität fördern, um es Menschen leicht zu machen, mobil zu sein. Konkret fordert das Bündnis:

  • Das Straßenverkehrsgesetz und besonders die Straßenverkehrs-Ordnung bedürfen weiterhin grundlegender Modernisierung.
  • Begrenzte Verkehrsflächen sollten gerecht verteilt und flächeneffiziente, emissionsarme Verkehrsmittel dabei bevorzugt werden.
  • Der Infrastrukturbau muss generell auf Nachhaltigkeit ausgerichtet werden. Für nachhaltige Verkehrsmittel muss er beschleunigt und vereinfacht sowie finanziell priorisiert werden.

 

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