IAA Mobility 2021: Misereor fordert klima- und rohstoffgerechte Mobilitätswende

Der Rohstoffrucksack von Autos ist zu groß: Ob elektrisch oder konventionell, benötigen immer schwerere Fahrzeuge immer mehr Material wie Bauxit und Erze. Das verursacht massive soziale Verwerfungen in den Produktionsländern. Das katholische Hilfswerk Misereor fordert ein Umdenken und legt eine Studie vor.

Kleiner, leichter, weniger: Die Hilfsorganisationen weisen in einer Studie auf die Rohstoffimplikationen schwerer Autos hin und fordern ein komplettes Umdenken in einer neuen Studie. | Foto: Misereor/Screenshot
Kleiner, leichter, weniger: Die Hilfsorganisationen weisen in einer Studie auf die Rohstoffimplikationen schwerer Autos hin und fordern ein komplettes Umdenken in einer neuen Studie. | Foto: Misereor/Screenshot
Johannes Reichel

Das katholische Hilfswerk Misereor hat kurz vor dem Start der IAA Mobility 2021 in München mit einer Studie auf den immensen Rohstoffverbrauch bei der Produktion von immer schwereren Autos hingewiesen, unabhängig davon, ob diese elektrisch oder konventionell angetrieben sind. Um Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung beim Rohstoffabbau zu verhindern, sei eine rohstoffgerechte Mobilitätswende notwendig, fordert die Hilfsorganisation und legt dazu eine Neuauflage der Studie „Weniger Autos, mehr globale Gerechtigkeit“ vor. Diese will man gemeinsam mit Brot für die Welt und PowerShift zur am 7. September beginnenden Internationalen Automobilausstellung (IAA) veröffentlichen.

Schnelles Ende des Verbrenners - und leichtere Autos

Die Herausgeber fordern ein zügiges Ende des Verbrennungsmotors, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens noch erreichen zu können. Ein Fünftel der deutschen CO2-Emissionen stammte im Jahr 2019 aus dem Verkehrssektor, davon entfielen allein 94 Prozent auf den Straßenverkehr. Trotz verbesserter Technik seien die Emissionen in den vergangenen Jahrzehnten kaum zurückgegangen. Eine reine Antriebswende werde jedoch nicht ausreichen, um Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden beim Rohstoffabbau entgegenzuwirken. In vielen Fällen geht der Rohstoffabbau mit gravierenden Folgen für Menschen und Umwelt einher, mahnen die Organisationen. Die deutsche Automobilindustrie sei hierzulande Hauptabnehmer von metallischen Rohstoffimporten. Mit der Elektromobilität werde die Nachfrage nach Metallen wie Lithium, Kobalt, Grafit und Nickel in den nächsten Jahren massiv ansteigen.

„Trotz Klimakrise und Rohstoffkonflikten produziert die deutsche Autoindustrie immer mehr und immer schwerere Autos. Zur Schaffung von mehr Gerechtigkeit muss die Anzahl der Autos in Deutschland deutlich reduziert werden. Im Rahmen einer Mobilitätswende brauchen wir weniger, kleinere, leichtere und in der Nutzung geteilte Autos“, fordert die Hauptautorin der Studie, Merle Groneweg, von PowerShift.

Immer wieder würden Menschenrechtsverletzungen beim Rohstoffabbau in der Lieferkette der Automobilindustrie dokumentiert. So brach zum Beispiel am 25. Januar 2019 ein Rückhaltedamm im brasilianischen Brumandinho, 271 Personen verloren ihr Leben. Das Eisenerz des Betreiberkonzerns Vale wird auch für Autos Made in Germany genutzt, fügt Armin Paasch von Misereor an.

„Das im Juni 2021 beschlossene deutsche Lieferkettengesetz ist ein wichtiger erster Schritt in die richtige Richtung, muss in der kommenden Legislaturperiode aber nachgebessert und durch eine ambitionierte EU-Regulierung ergänzt werden“, fordert Paasch.

Wenn deutsche Unternehmen im Ausland zu Menschenrechtsverletzungen beitragen, müssten sie dafür auch vor deutschen Zivilgerichten haften, findet Paasch.

„Die Elektromobilität erhöht den Druck auf rohstoffreiche Regionen. Unsere Partner berichten beim Abbau von Kupfer, Lithium oder Kobalt immer wieder von Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden", kritisiert Teresa Hoffmann von Brot für die Welt.

Auf europäischer Ebene sollte sich daher die Bundesregierung für umfangreiche menschenrechtliche und umweltbezogene Sorgfaltspflichten zum Beispiel im Rahmen der europäischen Batterien-Verordnung einsetzen. Nur eine umfassende europäische Regelung werde hier helfen, die zukünftige Mobilität nachhaltiger zu gestalten, mahnt Hoffmann an.

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