IAA Mobility 2021: Mercedes-Benz stellt Concept EQG vor

Das Concept EQG tritt als seriennahe Studie der vollelektrischen G-Klasse an.

Optisch sofort erkennbar: Der EQG, noch als "Concept" vorgestellt. | Foto: G. Soller
Optisch sofort erkennbar: Der EQG, noch als "Concept" vorgestellt. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Die Spatzen pfiffen es schon lange von den Dächern, jetzt kann man ihn am Odeonsplatz bestaunen: Den Mercedes Benz EQG, der dort im Rahmen der IAA Mobility als (sehr) seriennahes Concept EQG gezeigt wird. Zu erwarten war auch, dass die Designer die Grundform der kastigen Ikone nicht antasten würden und diese um EQ-typische Designelemente erweitern würden. Zur Weltpremiere der aktuellen Modellgeneration im Januar 2018 in Detroit entlockte Hollywood-Ikone Arnold Schwarzenegger als Stargast und glühender „G“-Fan dem damaligen Vorstandsvorsitzenden der Daimler AG, Dieter Zetsche, ein zu jener Zeit für viele unerwartetes Versprechen: Die bevorstehende Elektrifizierung aller Modellreihen werde selbstverständlich auch die G-Klasse einschließen.

Zur IAA 2021 löst Mercedes-Benz nun dieses Versprechen ein und präsentiert mit dem Concept EQG die seriennahe Studie einer vollelektrischen G-Klasse. Markus Schäfer, Mitglied des Vorstands der Daimler AG und Mercedes-Benz AG, verantwortlich für Daimler Konzernforschung und Mercedes-Benz Cars COO, erklärt:

„Überall, wo es die Marktbedingungen zulassen, wird Mercedes-Benz bis zum Ende des Jahrzehnts bereit sein, vollelektrisch zu werden.“

Der G bleibt im Gelände maximal kompetent: Wegen des E-Antriebs

Etwas Angst hatte die Hardcore-Fraktion um die Geländetauglichkeit, doch auch hier gibt es (wie bei elektrifizierten Defenders und Wranglers) Entwarnung: Die Offroad-Qualitäten des „G“ sollen in einigen Bereichen „sogar weiter ausgebaut“ werden. Klar, zumal elektrisches Drehmoment ab praktisch null Umdrehungen verfügbar ist und sich optional sehr fein dosieren lässt. Auch beim EQG bleibt Daimler dem robusten Leiterrahmen treu – und der Starrachse hinten! Damit bleibt die Fahrwerkkonstruktion extrem geländegängig und konservativ: Mit Einzelradaufhängung an der Vorderachse und mit einer für die Integration des Elektroantriebs neu entwickelten Starrachse hinten.

Vier radnahe E-Motoren sorgen für Kraft und Traktion

Der Clou werden aber die vier radnahen und individuell ansteuerbaren Elektromotoren sein, womit der EQG laut Mercedes-Benz sowohl on- als auch offroad sehr gute Fahreigenschaften bieten soll. In Kombination mit dem schaltbaren Getriebe, womit sich der Concept EQG in den „Low Range Modus“ bringen lässt, erfüllt er laut Hersteller zusätzlich die hohen „G“-spezifischen Performance-Anforderungen im Gelände.

Und natürlich ist auch der EQG „Schöckl-proved“: Damit ist die legendäre Teststrecke auf dem 1445 Meter hohen Grazer Hausberg gemeint, auf dem mittlerweile auch der Ineos Grenadier seine finalen Abstimmungsrunden drehte. Gespickt mit bis zu 60 Grad steilen Steigungen gilt die 5,6 Kilometer lange Route in der internationalen Offroad-Szene seit jeher als eine der weltweit größten Herausforderungen für Mensch und Technik. Wie seine konventionell angetriebenen Brüder wird auch der elektrische 463er-G mit einer Steigfähigkeit von bis zu 100 Prozent bei entsprechendem Untergrund glänzen.

Die Akkus senken den Schwerpunkt

Zusätzlich in die Karten spielen ihm die konstruktionsbedingen Vorteile des Elektroantriebs, die ihn bestens für ambitionierte Offroad-Einsätze geeignet machen. So sorgen die im Leiterrahmen integrierten Batterien für einen tiefen Schwerpunkt. Da die Elektromotoren zudem praktisch mit der ersten Umdrehung ihr maximales Drehmoment bereitstellen, glänzt ein vollelektrischer Geländewagen prinzipbedingt mit enormer Durchzugskraft und Dosierbarkeit – was sich etwa an steilen Hängen und auf tiefem Geläuf ebenso als Vorteil erweist.

Optisch beließ man es bei geänderten Details

Der Concept EQG rollt auf 22 Zoll großen Leichtmetallrädern aus poliertem Alu in einem speziellen Design. Statt der Reserveradabdeckung findet sich an der Hecktür eine verschließbare Box mit weiß beleuchteten Akzenten, deren Gestaltung an eine Wallbox erinnert. Hierin könnte beispielsweise das Ladekabel bequem erreichbar untergebracht werden. Dazu kommt ein flacher Dachträger in Schwarz hochglänzend. Zentrales Element seines minimalistischen Designs ist das mittig ausgeformte „G“, das in der Draufsicht erkennbar ist. Die in der vorderen Kante des Dachträgers integrierte weiße LED-Leiste ist eine moderne Interpretation des für anspruchsvolle Offroad-Abenteuer unentbehrlichen Suchscheinwerfers – und unterstreicht somit die Ernsthaftigkeit des Concept EQG in diesem Bereich. Eine weitere LED-Leiste in roter Ausführung bildet den hinteren Abschluss des Dachträgers.

Dr. Emmerich Schiller, Geschäftsführer Mercedes-Benz G GmbH und Leiter Produktbereich Geländewagen der Mercedes-Benz AG erklärt stolz:

„Die Elektrifizierung dieser Geländewagen-Legende ist vor dem Hintergrund unserer ‚Electric only‘-Strategie schlicht und ergreifend der logische nächste Schritt – und ein absolut faszinierendes Projekt. Unsere Ikone ist und bleibt damit in jeder Hinsicht ‚stronger than time‘.“

Was bedeutet das?

Auch der G kann nur elektrisch überleben. Er wird ganz sicher maximal stark und geländekompetent sein, aber sicher nicht billig und sparsam. Weshalb sich Daimler sicherheitshalber noch nicht zu Preisen, Akkugröße und Verbräuchen geäußert hat. Als Markenikone neben der SUV-Welle ist der EQG unverzichtbar. Und sollte trotzdem nur ein Übergangsmodell sein – bevor ein Nachfolger auf den Plan tritt, der vor allem leichter und effizienter sein sollte – notfalls gar ohne Leiterrahmen, vielleicht wieder etwas schmaler, kürzer und ein paar Zentimeter flacher – und schon hätte man viel Material und Gewicht gespart. Nur die Optik samt der Türgriffe sollte sich bitte eher nicht ändern!

 

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