IAA Mobility 2021: BMW verpackt die CO2-Reduktion spannend

BMW tritt mit zwei kompakten Pkw- und mehreren Zweiradstudien zur IAA an: Circular Economy und nachhaltige urbane Mobilität sind das Leitmotiv.

Die Kreislaufwirtschaft ist das zentrale Thema der Studie i circular. | Foto: BMW
Die Kreislaufwirtschaft ist das zentrale Thema der Studie i circular. | Foto: BMW
Gregor Soller

Den Kampf gegen den Klimawandel hat die BMW Group sich groß auf die Fahnen geschrieben – und präsentiert deshalb nur kompakte Modelle zur IAA. Bei der beschleunigten CO2-Reduzierung liegt der Fokus laut BMW „auf der Nutzungsphase der Fahrzeuge, die mit mehr als 70 Prozent den bei weitem größten Anteil in der weltweiten CO2-Bilanz der BMW Group ausmacht“. Bis 2030 soll der CO2 Ausstoß je Fahrzeug und gefahrenem Kilometer gegenüber dem Jahr 2019 laut BMW jetzt „mindestens halbiert“ werden. Und dafür greift man tief in den Gesamtzyklus ein, der auch die Produktion samt der vorgelagerten Lieferkette umfasst – eine klassische BMW-Stärke. Hier plant die BMW Group bis 2030 eine Reduzierung der CO2 Emissionen je Fahrzeug um mindestens 40 Prozent gegenüber 2019. Oliver Zipse, Vorsitzender des Vorstands der BMW AG, erklärt dazu:

„Der Umgang mit CO2-Emissionen ist zu einem zentralen Bewertungsfaktor für unternehmerisches Handeln geworden. Dabei ist die entscheidende Währung für den Klimaschutz: Wie stark können wir den CO2-Abdruck von Fahrzeugen über ihren gesamten Lebenszyklus verringern? Dazu setzen wir uns transparente und ambitionierte Ziele zur substanziellen Reduzierung von CO2-Emissionen, die von der Science Based Targets Initiative validiert sind und einen wirksamen und messbaren Beitrag liefern.“

Mit der „Neuen Klasse“ verschärfe man seinen eigenen Anspruch deutlich und verpflichte sich selbst, das 1,5 Grad Ziel einzuhalten.

Der stärkste Treiber ist auch für BMW der Hochlauf der E-Mobilität: In den nächsten „rund zehn Jahren“ – hier äußert sich BMW ungewöhnlich schwammig -  plane man, „etwa zehn Millionen vollelektrische Fahrzeuge auf die Straße“ zu bringen. 2030 soll bereits mindestens die Hälfte des weltweiten Absatzes aus vollelektrischen Fahrzeugen bestehen. Die Marke Mini werde bereits Anfang der 2030er Jahre ausschließlich vollelektrische Fahrzeuge anbieten.

Alle Marken machen mit – inklusive Mini und Motorrad

Dem iX und dem i4 sollen bald vollelektrische Versionen der volumenstarken BMW 5er Reihe und des BMW X1 folgen. Hinzu kommen die BMW 7er Reihe sowie der Nachfolger des MINI Countryman. So will die BMW Group bereits 2023 in rund 90 Prozent ihrer heutigen Marktsegmente jeweils mindestens ein vollelektrisches Modell auf der Straße haben. Aber auch BMW Motorrad führt die Elektromobilitätsstrategie für urbane Ballungsräume konsequent fort. Unter anderem mit dem Scooter BMW CE 04. Mit elektrischem Antrieb, zukunftsweisendem Design und innovativen Connectivity-Lösungen vereint der neue Roller laut BMW die Funktionen von Fortbewegungs- und Kommunikationsmittel in Einem. 

CO2-Reduktion durch Kreislaufwirtschaft: Die Studie BMW i Vision Circular zeigt Potenziale auf

Klimafreundliche Mobilität entsteht allerdings nicht automatisch durch einen höheren Anteil an Elektrofahrzeugen. Entscheidend sei laut BMW außerdem, den Einsatz von Primärmaterial und den damit verbundenen umweltschädlichen Abbau von Rohstoffen und deren oftmals energie- und CO2-intensive Verarbeitung zu reduzieren – gerade im Automobilbau als einer der rohstoffintensivsten Industrien. Um die Aspekte einer gesamthaften Nachhaltigkeit zu berücksichtigen, will die BMW Group daher den Anteil von Sekundärmaterial in ihren Fahrzeugen perspektivisch deutlich erhöhen. Aktuell werden Fahrzeuge im Durchschnitt zu knapp 30 Prozent aus recycelten und wiederverwendeten Materialien gefertigt. Mit dem Ansatz ‚Secondary First‘ soll dieser Wert sukzessiv auf 50 Prozent ausgebaut werden.

Das übergeordnete Designziel der Studie BMW i Vision Circular war, ein Fahrzeug zu gestalten, das für geschlossene Materialkreisläufe optimiert ist und eine Quote von 100% recycelten Materialien bzw. 100% Recyclingfähigkeit erreicht. Dafür kommen laut BMW neben biobasierten, zertifizierten Rohstoffen vor allem Materialien zum Einsatz, die bereits einen Produktlebenszyklus durchlaufen haben – so genannte Sekundärmaterialien. Das gilt auch für den Energiespeicher: Die Feststoffbatterie des BMW i Vision Circular ist zu 100 Prozent recyclingfähig und nahezu vollständig aus Materialien hergestellt, die aus dem Recyclingkreislauf stammen. Gleichzeitig wird sie mit deutlich weniger der wertvollsten Ressourcen eine deutlich höhere Energiedichte erzielen.

Adrian van Hooydonk, Leiter BMW Group Design, erklärt dazu:

„Im Designprozess des BMW i Vision Circular haben wir Zirkularität von Beginn an konsequent mitgedacht. Daher ist dieses Visionsfahrzeug voller innovativer Ideen, die Nachhaltigkeit mit einer neuen und inspirierenden Ästhetik verbinden – wir nennen diesen Ansatz ‚Circular Design‘“

Das Circular Design umfasse die vier Prinzipien RE:THINK, RE:DUCE, RE:USE und RE:CYCLE – womit BMW wieder an die hohen Ziele anknüpft, die bereits bei i3 und dem i8 einst Pate standen. Dazu kommen vier weitere Konzepte für einen vielseitigen und nachhaltig gedachten Mobilitätsmix auf zwei und vier Rädern. Mit dem BMW i Vision AMBY, dem ersten High-Speed Pedelec, präsentiert das Unternehmen einen visionären zweirädrigen Lösungsansatz für die urbane Mobilität von morgen. Äußerlich ähnelt das BMW i Vision AMBY einem E-Bike, bietet jedoch deutlich mehr Möglichkeiten. Der E-Antrieb besitzt drei Geschwindigkeitsstufen für unterschiedliche Straßenarten: bis zu 25 km/h für den Einsatz auf Radwegen, bis zu 45 km/h auf innerstädtischen Straßen und bis zu 60 km/h Höchstgeschwindigkeit auf mehrspurigen Straßen und außerorts. Welche Geschwindigkeitsmodi dem Fahrer zur Verfügung stehen, ist per App auf dem Smartphone hinterlegt. Eine manuelle Wahl der Fahrstufe ist ebenso denkbar wie die automatische Erkennung von Position und Straßentyp per Geofencing-Technologie und eine damit verbundene automatische Anpassung der Höchstgeschwindigkeit.

Neue Herausforderung für die Gesetzgebung

Einen ähnlichen Ansatz zeigt das BMW Motorrad Vision AMBY– dieses verbindet laut BMW „die Vorzüge eines Motorrads mit den Vorzügen eines Fahrrads“. Auch hier kann der Fahrer durch eine automatisierte Geschwindigkeitsbegrenzung, dank innovativer Geofencing-Technologie, auf Straßen (bis max. 60 km/h) als auch auf Radwegen (bis max. 25 km/h) unterwegs sein. Anders als beim BMW i Vision AMBY beschleunigt das BMW Motorrad Vision AMBY per Gasgriff und besitzt Motorrad-typisch Fußrasten statt Pedalen. Da es die rechtlichen Rahmenbedingungen für derartige Fahrzeuge mit modularem Geschwindigkeitskonzept noch nicht gibt, wollen die AMBY-Visionsfahrzeuge ein Impuls für die Gesetzgebung sein, um derartige Möglichkeiten anzuregen.

Außerdem zeigt BMW Motorrad das Concept CE 02. Dieses stellt weder ein klassisches Motorrad dar noch einen Scooter, sondern ein völlig neuartiges Mobilitätsangebot. Es ist ein leicht zugängliches, elektrisches Zweirad für alle ab 16 Jahren, die mobil und unabhängig sein wollen. Jugendliche Proportionen, unkomplizierte Nutzung und jede Menge Emotionalität stehen im Vordergrund.

Hauptattraktion von Mini ist einmal mehr die Vision Urbanaut, eine innovative und vollelektrische Raumvision für die Mobilität der Zukunft. Dabei werden MINI typische Charakteristika in die Zukunft der Mobilität übersetzt und individuell interpretiert.

Was bedeutet das?

BMW kehrt zurück zu seinen Wurzeln und Stärken: Die nicht nur im Bau sportlicher Autos liegen, sondern auch in der Logistik, der CO2-Reduktion und der Fähigkeit, auch über die Zweiräder quer denken zu können – und damit auch gesetzlichen Vorgaben zu rütteln, indem man Fahrräder zu Motorrädern macht und umgekehrt. Insgesamt ein erfrischender Auftritt!

Printer Friendly, PDF & Email