IAA Mobility 2021: BMW stellt E-Cargobike und E-Scooter vor

Mikromobilität mit "Freude am Fahren": E-Bike-Concept Dynamic Cargo soll hohe Variabilität, Alltagstauglichkeit und Fahrspaß vermitteln, der kompakte Scooter Clever Commute mit Falttrick punkten. Und beide könnten in Lizenz gefertigt Realität werden.

Clever & smart: BMW nimmt die Mikromobilität verstärkt auf den Schirm und erwägt zwei leichte E-Fahrzeuge für Privatnutzung. | Foto: BMW
Clever & smart: BMW nimmt die Mikromobilität verstärkt auf den Schirm und erwägt zwei leichte E-Fahrzeuge für Privatnutzung. | Foto: BMW
Johannes Reichel

Auch BMW setzt neben der Auto- zunehmend auf die Mikromobilität und will die Heimbühne der IAA in München auch dafür nutzen, die im Juli erstmals gezeigten Leichtelektrofahrzeuge, ein E-Cargobike und ein E-Scooter als Konzepte zu präsentieren. "Das Mobilitätsbedürfnis ihrer Bewohner bleibt unverändert hoch", konstatiert der Hersteller. Als Anbieter individueller Mobilität gestalte man die lebenswerte Innenstadt der Zukunft aktiv mit und denke Mobilität auch über das eigene Kerngeschäft hinaus. Man verweist auf frühere Konzepte wie das Motorrad X2City, das Personal Mover Concept oder auch das Hochstraßenkonzept Vision E³ Way. Mit dem elektrifizierten Fahrrad „Concept Dynamic Cargo“ und dem E-Scooter „Concept Clever Commute“ wollen die Münchener einmal mehr den Kompetenztransfer aus dem Automobilsektor in Kleinfahrzeugkonzepte geschafft haben.

Im Gespräch für Lizentfertigung

Das elektrisch unterstützte Lastenrad, über dessen Produktion man dem Vernehmen nach im Gespräch mit Lizenznehmern ist, soll Fahrspaß mit Variabilität kombinieren. Viele Lastenrad-Konzepte fielen aufgrund der Anforderungen an Lasten- und/oder Kindertransport breiter und vor allem länger als normale Fahrräder aus. In Verbindung mit dem resultierenden Mehrgewicht sowie der möglichen Zuladung führe dies zu unterschiedlich stark ausgeprägten Einschränkungen insbesondere bezüglich Fahragilität und Handling gegenüber normalen Fahrrädern, argumentiert der Autohersteller.

„Unser Ziel war es, einen Konzeptansatz zu entwickeln, der die Agilität und das Fahrgefühl eines normalen Fahrrades erhält und gleichzeitig um innovative, sichere Transportmöglichkeiten ergänzt“, erklärt Jochen Karg, Leiter Fahrzeugkonzepte im Bereich Neue Technologien und China der BMW Group.

Geneigter Rahmen: Stabil in der Kurve

Die Basis des dreirädrigen Bikes bildet der vordere, sich bei Kurvenfahrt neigende Hauptrahmen, der über eine Schwenkachse mit dem Hinterwagen verbunden ist. Dieser soll auch in jeder Kurve stabil ohne Neigung auf der Straße stabil bleiben. Kombiniert mit einem, nur über den Tretimpuls des Fahrers angesteuerten, elektrifizierten Antriebsstrang soll sich das über die beiden Hinterräder angetriebene Fahrzeug wie ein normales Fahrrad fahren, die an der Hinterachse starr montierten, nicht mitschwenkenden Räder ermöglichen, neben einer gegenüber Zweiradkonzepten deutlich erhöhten Fahrstabilität bei allen Wetterbedingungen, vor allem eine flexibel nutzbare, Pick-up-ähnliche Transportplattform, so der Anbieter. Diese könne mit Aufsätzen zur Mitnahme für Gepäck und/oder Kinder modular bestückt werden.

Einen weiteren Vorteil des nicht mitschwenkenden Transportplattform-Konzepts sehen die BMW-Ingenieure darin, dass das mögliche Zusatzgewicht dem Fahrer kaum auffalle und alle Lasten somit sicher und stabil transportiert werden könnten, verspricht man. Wahlweise gibt es auch einen modularen Wetterschutz, sodass das Bike auch als ganzjähriger Autoersatz taugen könnte.

Private E-Scooter: Viel Potenzial, wenn transportabel

Ein weiteres Element sieht man in privaten E-Scootern. Dieses Verkehrsmittel habe sich vor allem über Sharing Angebote als Baustein im urbanen Mobilitätsmix etabliert, als flexibel einsetzbar, emissionsfrei und schnell. Das Angebot von E-Scootern für den Privatbesitz entwickelte sich bisher relativ langsam. Robuste und sicher fahrbare Konzepte seien aufgrund ihrer Größe kaum für die Mitnahme im ÖPNV bzw. dem eigenen Pkw geeignet, bei transportablen Modellen wiederum leide die Fahrstabilität, argumentiert der Hersteller. Mit dem Concept Clever Commute stelle man einen E-Scooter vor, der sich für die Mitnahme im ÖPNV und/oder im Pkw komfortabel falten lässt und der sich trotzdem stabil fährt.

Ziehen wie einen Koffer-Trolley - mit Schub

Im sogenannten ÖPNV-Modus wird das Trittbrett seitlich hochgeklappt und das Hinterrad über eine Drehachse von unten durch die entstandene Öffnung geschwenkt. Durch diesen Mechanismus verkürze sich der Radstand des  deutlich, das Gefährt wird sogar Rolltreppen-tauglich. Zudem kann der Scooter dann wie ein Handgepäck-Trolley gezogen werden und über dne im Vorderrad integrierten Radnabenmotor sogar einen elektrischen Schub geben. Vollständig gefaltet ergibt sich ein problemlos kofferraumtaugliches Packmaß. Auch hier ist die Ansage, dass die BMW Group das Concept nicht selbst produzieren will, aber Gespräche zur Lizenzfertigung führe. Beide Konzepte seien so ausgelegt, dass sich die elektrische Reichweite im Hinblick auf den jeweiligen Einsatzzweck skalieren lasse und der herausnehmbarer Akku in der Wohnung geladen werden könne.

 

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