IAA 2021: Bund Naturschutz will Mobilität jenseits des Autos bündeln

BN legt Alternativkonzept zur IAA vor und will den Schwerpunkt auf den Umweltverbund legen. Verkehrswende soll erlebbar werden - die Rolle von Autos anders definiert. Grüne stellen sich hinter den Plan.

Nachhaltige Mobilität erlebbar machen will der BN mit seinem Konzept des "Living City Lab", das auch Autos vorsieht, ihre Rolle aber anders definiert. | Foto: BN
Nachhaltige Mobilität erlebbar machen will der BN mit seinem Konzept des "Living City Lab", das auch Autos vorsieht, ihre Rolle aber anders definiert. | Foto: BN
Johannes Reichel

Die Diskussion um die Ausgestaltung der IAA 2021 in München bekommt neue Dynamik. Der Münchner BUND Naturschutz (BN) warnt jetzt davor, dass die Verkehrswende in München mit dem Auftritt der IAA im kommenden Jahr ins Stocken geraten könnte. In einem breiten Bündnis aus der Münchner Umwelt-, Natur- und Klimaschutzszene wandte sich die Umwelt-NGO daher bereits in einem offenen Brief an die Stadtspitze. Jetzt legt der Verband ein Konzept mit Empfehlungen vor, wie die Stadt mit dem Auftritt der IAA im öffentlichen Raum umgehen und eine passende Antwort auf die Ansprüche der Automobilkonzerne geben könnte. Mit LIVING CITY LAB wolle man die bestehenden Stadtratsbeschlüsse in einem gemeinsamen Auftritt bündeln und aus vielen punktuellen Maßnahmen ein Konzept werden lassen, das die angestrebte Verkehrswende schon jetzt erlebbar mache.

"Wir zeigen welche Möglichkeiten sich eröffnen, wenn Autos nicht mehr optisch und faktisch das Gesicht der Stadt dominieren. Auch in unserem Konzept kommen noch Autos vor, doch ihre Rolle wird völlig anders als heute definiert. Wir rücken den Mensch in den Mittelpunkt“, skizziert Martin Hänsel, stellvertretender Geschäftsführer des BN in München.

Ein wichtiger Grundsatz des Konzeptes sei es, kein "in die Fläche gedachtes Straßenfest" zu veranstalten, sondern Verkehrsflächen in ihrer Funktion zu belassen. Notwendiger motorisierter Verkehr wie beispielsweise Lieferverkehr bleibe damit weiterhin möglich, wirbt der Umweltverband. Das Konzept teile aber den Verkehrsraum temporär neu auf, "und zwar auf Grundlage bestehender Stadtratsbeschlüsse, aktueller Planungen oder laufender Diskussionen in den Stadtvierteln", wie man betont.

Schwerpunkt Umweltverbund: Alternativen zum Auto

Der Schwerpunkt liegt darauf, den Umweltverbund aus öffentlichen Verkehrsmitteln, Rad- und Fußverkehr zu fördern. Wer nicht zwingend mit einem PKW im Stadtzentrum unterwegs sein muss, sollte alternative Mobilitätsangebote nutzen können, um zum Wechsel motiviert zu werden. Das Stadtzentrum werde auf diese Weise zum Umsetzungslabor für die Politik des Stadtrats, mit dem Ziel, die Aufenthaltsqualität zu verbessern und gleichzeitig die Mobilität der Menschen zu erhalten.

"Wir schlagen der Stadt vor, auf der Grundlage dieses Konzeptes die Verkehrswende hin zu wirklich nachhaltiger Mobilität mit Leben zu füllen. Betroffene sind die Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Folglich muss die Verkehrswende auch von und mit ihnen diskutiert werden", plädierte der Verband.

Es brauche eine Stärkung des Umweltverbundes, auch mit Blick auf den Klima- und Ressourcenschutz. Anforderungen an nachhaltige Mobilitätsformen zu definieren sei ureigenste Aufgabe der Stadt. Sie müsse das Thema selbst in die Hand nehmen, fordert Christian Hierneis, Vorsitzender des BN in München.

"Da jede Verkehrswende zu Änderungen im Mobilitätsverhalten führen wird, müssen die Menschen frühzeitig eingebunden werden. Nicht jeder Einzelne wird sich bei einer Verkehrswende als Gewinner fühlen, doch die Gesellschaft insgesamt würde von weniger Autos in der Stadt enorm profitieren", glaubt der BN.

Grüne stellen sich hinter das Konzept - und wollen "Mobilitätskongress"

Unterdessen haben sich auch die Münchener Grünen, denen nach der jüngsten Kommunalwahl als mit knapp 30 Prozent mit Abstand stärkste Fraktion im Stadtrat neben SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter eine Schlüsselrolle bei der Debatte zukommt, hinter die Pläne des BN gestellt. Fraktionschefin Anna Hanusch schlug vor, man solle das vom BN skizzierte Konzept in den von den Grünen/Rosa Liste bereits zuvor beantragten "Mobilitätskongress" integrieren.

"Über Mobilität lässt sich trefflich steiten. Doch am eindrücklichsten ist das reale ERlebnis in den Straßen und auf den Plätzen. Wir hoffen, dass einige der Projekte des ,Living City Lab' bis zum nächsten Herbst verwirklicht sind", erklärte die Grünen-Politikerin.

Sie sieht das auch als "Kontrapunkt zu vielen Aspekten der IAA", sagte sie weiter im Hinblick auf den Veranstalter VDA. Sie wünsche sich hier eine echte "Transformation", in der Autos "Teil einer zukunftsfähigen Mobilität werden". Derzeit liefe die Produktion weiter mit "fast ausschließlich Autos, die zu viel Energie und Platz verbrauchen und in Design und Technik weder ökologisch noch sozial die Zukunft der Mobilität verkörpern", kritisierte die Lokalpolitikerin.

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