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IAA 2019: VW erfindet sich neu

Mit dem ID.3 startet VW seine Elektrifizierung und spricht selbst von einer „dritten Ära“ nach Käfer und Golf.

Der ID.3 war der Star in Halle drei | Foto: G. Soller
Der ID.3 war der Star in Halle drei | Foto: G. Soller
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Gregor Soller

Endlich sieht man ihn komplett ungetarnt: Den neuen VW ID.3, mit dem sich der Konzern neu erfindet. Nochmal schnell die wichtigsten Eckdaten: Bruttopreise starten unter 30.000 Euro, Reichweite bis zu 550 Kilometer und schnellladefähig und er kommt als erstes Auto komplett CO2-neutral auf den Markt. Heißt: VW gibt sich größte Mühe bei der Produktion und was man da nicht an CO2 sparen kann, wird mit Projekten kompensiert – unter anderem in Regenwäldern, die nach jüngsten Attacken in Brasilien besonders bedroht scheinen. Die wichtigste Message aber: VW will Verantwortung übernehmen, wozu der Dieselskandal vielleicht auch ganz nützlich war.

Und das kann man den Wolfsburgern sogar abnehmen. Denn mit Jochen Sengpiehl trat ein neuer Marketing-Chef an, der neben dem Auftritt auch gleich das Logo änderte, das sich jetzt wieder stark Zweidimensional (wichtig für digital) an der Urfassung orientiert und auch vor 70 oder 80 Jahren schon genau so hätte aussehen können. Sengpiehl spricht jedenfalls auch davon, dass es jetzt an der Zeit ist, Verantwortung zu übernehmen und auch dem CEO Herbert Diess nimmt man das ab. Der kantige Münchner, der man durchaus auch harte Töne zutraut, kann jetzt bei VW komplett umsetzen, was ihm bei BMW verwehrt blieb: Elektromobilität konsequent gedacht und gemacht.

Interessant sind hier allerdings die Zwischentöne und Gesten bei der ID.3-Präsentation, die teils etwas langatmig und bemüht, aber trotzdem herzlich wirkte. Denn zwischen Sengenpiehl und Diess erklärte Silke Bagschik, ihres Zeichens Head of Marketing & Sales den neuen ID.3 und wurde dabei von ihrem Sohn gefilmt. Der durfte dann spontan zu Mama auf die Bühne, wo er stolz und trotzdem bescheiden stand und nicht ganz zu wissen schien, wie ihm geschah. Dann Auftritt Diess und „der Chef“ ließ es sich nicht nehmen, den Teil der Familie Bagschik, der auf der Bühne stand, kurz zu drücken, bevor er mit seiner Präsentation begann. Auch davor und danach mäandert der Bayer meist zwischen dem Publikum umher, steht meist im Off und tritt erst nach vorn, wenn er dran ist.

Das Gleiche nach der Präsentation, wo er dann die Konzernstände ablief und hier und dort mit den Vorstandskollegen der Marken „ratschte“, mit Luco de Meo, dem Seat-CEO auch mal ein paar Takte auf spanisch. Man spürt eine neue Kultur bei VW, die deutlich lockerer und „süddeutscher“ ist als einst (obwohl auch Diess` Vorgänger aus Leonberg respektive Salzburg stammten) ohne das eine große Ziel aus den Augen zu verlieren – falls das geschieht, kann Diess durchaus zum deftigen Münchner Grantler werden, der sich nicht viel um Befindlichkeiten schert. Trotzdem hat er VW auf einen neuen und guten Kurs gebracht und mit dem ID.3 tatsächlich eine neue „Ära“ eröffnet.

Und wie sitzt es sich im neuen VW-Stromer? Gut – man findet sich abermals sofort zurecht und kann ihn trotz kaum noch vorhandener Knöpfe gut intuitiv bedienen. Das Platzangebot ist für die Größe zwischen Polo und Golf üppig, auch wenn wir es eher auf dem Niveau des letzten 3er-BMW oder einer Alfa Giulia als auf dem des aktuellen VW Passat verorten würden. Auch der Kofferraum ist kompakt, aber groß genug auch für Familienausflüge oder Wochenendeinkäufe. Die Haptik setzt auf teils neue, umweltfreundliche Materialien, weist aber nicht mehr über das der Nicht-Premium-Konkurrenz hinaus: Viel hartes Plastik und unverkleidete Blechfensterrahmen in den Türen zeigen, wo VW den Rotstift ansetzen musste. Dafür spart auch der Kunde: Strom ist in der Regel billiger als Sprit und die Wartung genügt alle zwei Jahre, egal wie viele Kilometer man da gefahren ist! Die E-Maschine im Heck bietet 310 Newtonmeter und 150 oder über 200 PS und sorgt für GTI-Erlebnisse.

Keine Frage: Das Warten hat sich gelohnt und den 30.000 Erstbestellern dürften bald weitere folgen – und ja, der Golf acht wird es viel schwerer haben, denn Argumente für ihn zu finden, ist schwer geworden…

Was bedeutet das?

Aufschlag gelungen! Wieder war VW nicht der Erste, aber einmal mehr der Konsequenteste bei der Umsetzung einer Idee – wie man an der ID-Familie sehen kann. Die die Verbrenner aller Unkenrufe zum Trotz doch sehr schnell beerben könnte. Jetzt sind die Kunden und Fuhrparks am Zug – VW liefert!

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