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IAA 2019: VDA-Präsident stellt in einer spannenden Rede das neue Konzept vor

Die IAA wird 2019 komplett umgestrickt: Die beiden Hauptblöcke sind die IAA Conference mit 200 internationalen Speakern und die IAA Experience mit starkem Erlebnis-Charakter.

Über der Messestadt Frankfurt und der IAA ziehen Wolken auf, was der VDA als Chance und Herausforderung sieht. Die Kräne auf dem Bild könnten symbolisch für den Umbau der IAA stehen. | Foto: Hans Martin/Unsplash
Über der Messestadt Frankfurt und der IAA ziehen Wolken auf, was der VDA als Chance und Herausforderung sieht. Die Kräne auf dem Bild könnten symbolisch für den Umbau der IAA stehen. | Foto: Hans Martin/Unsplash
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Gregor Soller

Auf der IAA 2019 stehen einmal mehr Elektromobilität und Digitalisierung im Fokus. Mehr denn je betont der VDA, dass die Messe eine Plattform für die gesamte Wertschöpfungskette der Mobilität ein soll, außerdem plant man auch einen öffentlichen Dialog mit IAA-Kritikern.

Bei der Auftaktpressekonferenz gab Präsident Bernhard Mattes einige interessante Statements ab, denn schon das gesellschaftlich-politische Umfeld habe sich massiv geändert. Außerdem sind erstmals große Demonstrationen im Umfeld der IAA angekündigt, denen man im Dialog begegnen möchte. Keine leichte Zeit also für eine Veranstaltung, die lange Zeit als Selbstläufer galt. Entsprechend musste man die Messe – oder nennen wir es jetzt besser Veranstaltung - umfassender konzipieren. Wie die gesamte Automobilindustrie wandelt sich auch die IAA: von einer Ausstellung hin zu einer umfassenden Plattform, auf der alle relevanten Akteure nachhaltiger, individueller Mobilität dieses Jahr noch vielfältiger präsent sein werden.

Das Leitmotiv “Driving tomorrow“ will man trotz aller Widrigkeiten mit Inhalten füllen, wie Mattes erklärt. Denn die ganze Transformation habe auch Auswirkungen auf die IAA als Spiegelbild der Automobilindustrie:

„Eine klassische Automobilmesse allein genügt nicht mehr den Ansprüchen, die Aussteller, Besucher und Gesellschaft an einen solchen Event stellen. War in den vergangenen Jahrzehnten eine Ausstellung ein Ort, der zu Marketingzwecken genutzt wurde und an dem Unternehmen die gesamte Bandbreite ihrer Produkte präsentiert haben, so wird sie heute immer stärker zu einem Treffpunkt für Dialog, Networking, Integration, Kooperation, neuen Verbindungen und Zukunftsgedanken.“

Es sei laut Mattes nicht mehr entscheidend, alles zu präsentieren, sondern die richtigen Anstöße zu geben und alle relevanten Akteure der jeweiligen Branche zusammenzubringen. Dabei geht es um das gesamte neue Ökosystem der Mobilität. Und um eine neue Qualität der IAA, was der VDA-Präsident gut zusammenfast:

„Wir erleben derzeit eine Transformation vom weltweit größten Autohaus zur relevantesten Plattform.“

Denn ein Trend sei bei allen großen Ausstellungen erkennbar: Es gehe nicht mehr um Quadratmeter, sondern um mediale Reichweite. Interessant ist die gestiegene Beteiligung der Chinas: Aktuell stellen rund 800 Aussteller aus 30 Ländern aus. Bei den internationalen Ausstellern ist China mit 79 Unternehmen auf Platz 1 noch stärker präsent als 2017 (73).Die angekündigten Demonstrationen sieht Mattes als Chance: Denn damit stehe die IAA im Fokus der gesellschaftlichen Diskussion. Die individuelle Mobilität werde im Zusammenhang mit Klimawandel und Nachhaltigkeit in der ganzen Breite diskutiert.

„Wir sehen in dem von uns gestarteten Bürgerdialog eine große Chance. Die breite Diskussion hilft der IAA, die eigene Transformation voranzutreiben und für neue Formen von Begegnungen zu öffnen.“

Anschließend ging der VDA-Präsident auf die Entwicklungen innerhalb der Branche ein, mit dem Scherpunkt auf der Elektromobilität: Hersteller und Zulieferer investieren in den kommenden drei Jahren 40 Milliarden Euro in die Elektromobilität, sie verfünffachen bis 2023 ihr Angebot an E-Modellen auf 150. Allerdings brauche es dazu auch die passenden politischen Rahmenbedingungen, denn Mobilität der Zukunft sei keine Einbahnstraße. Eine schwierige Feststellung, denn die Zukunft entwickelt sich doch immer nur in eine Richtung – nach vorn hoffentlich? Mattes meint wohl eher einspurige Straße, denn anschließend fordert er den weiteren Ausbau der Ladeinfrastruktur im öffentlichen und privaten Raum. Und die müsse rasch, nachhaltig und flächendeckend ausgebaut werden.

„Heute haben wir in Deutschland 20.650 öffentliche Ladepunkte. Das ist zu wenig. Notwendig bis 2030 sind eine Million öffentliche Ladepunkte, zusätzlich 100.000 Schnellladepunkte und mehrere Millionen private Ladepunkte. Einfach ausgedrückt: E-Autos werden nur dann vom Kunden angenommen, wenn die Fahrzeuge auch problemlos geladen werden können. Elektromobilität muss für die Bürger sichtbar sein!“

Gemeinsam mit Politik und Gewerkschaften habe man in der „Konzertierten Aktion Mobilität“ vereinbart, all diese Punkte in einem Masterplan zusammenzufassen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der E-Mobilität. Doch andere Optionen bleiben auf der Agenda. So arbeite man auch weiter an alternativen Antrieben und Kraftstoffen. Dazu gehören klimaneutrale E-Fuels, CNG und Wasserstoff. Fragen hierzu sowie zur Zukunft der individuellen Mobilität und zum Klimaschutz werden wir auch auf einer öffentlichen Dialogveranstaltung mit IAA-kritischen NGO am 5. September in Berlin diskutieren. Wir haben den NGO das Dialogangebot gemacht, es wurde angenommen.

„Ich finde es richtig, miteinander statt übereinander zu sprechen.“

Außerdem lädt der VDA am 13. September in Frankfurt – außerhalb des IAA-Geländes – zu einem öffentlichen Bürgerdialog ein, um über die ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekte einer nachhaltigen individuellen Mobilität zu diskutieren.

Zuletzt ging Mattes noch auf die Wirtschaft ein, die sich abkühlt – das gilt nicht nur für die Autoindustrie. Von den großen drei Märkten (Europa, USA, China) gingen derzeit keine Wachstumsimpulse aus – auch wenn sich alle drei weiterhin auf einem im längerfristigen Vergleich hohen Niveau bewegen.

„Berücksichtigen wir die Handelskonflikte USA-China sowie USA-EU und den Brexit, dann wird für alle deutlich: Der Automobilstandort Deutschland mit seiner hohen Exportquote steht vor erheblichen Herausforderungen.“

Was bedeutet das?

Auch die IAA spürt den Umbruch und versucht, sich darauf einzustellen. Ob man den Industriestandort Deutschland mit geringeren Energiekosten und Sozialabgaben „wetterfest“ machen kann, sei einmal dahingestellt, wenn selbst Länder, in denen das schon „umgesetzt“ wurde, wie China, kein Wachstum mehr generieren können. Denn irgendwo scheint die Welt langsam an den Grenzen des Wachstums angekommen und trotz himmelschreiender Armut und zahlreichen schwelenden Konflikten weltweit ein bisschen „satt“ zu sein.  Mag sein, dass der „Peak Auto“ bereits überschritten wurde – aber wie gesagt: Man kann das als Bedrohung oder Chance sehen – und hier stimmen wir dem VDA-Präsidenten zu und wählen klar die Chance!

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