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IAA 2019: Pininfarina, Bosch und Benteler entwickeln Premium-Elektroplattform

Im Umfeld der IAA und auf der be.connected wird eine erstaunliche Kooperation zwischen dem italienischen Design-Haus, Bosch und Benteler bekanntgegeben. Pininfarina sucht damit sein Heil im Angriff und forciert seine Wandlung zum Hersteller von "Upper-Premium"-Sportwagen.

Schneller sein als ein Ferrari: Die E-Plattform für Supersportwagen soll zügig entwickelt werden. | Foto: Pininfarina
Schneller sein als ein Ferrari: Die E-Plattform für Supersportwagen soll zügig entwickelt werden. | Foto: Pininfarina
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Johannes Reichel

Im Umfeld der IAA haben Automobili Pininfarina sowie die Zulieferer Bosch und Benteler die Zusammenarbeit bei der Entwicklung einer Hochleistungs-Elektroplattform für Premium-Fahrzeuge bekannt gegeben. In Frankfurt kündigten Michael Perschke, Geschäftsführer der Automobili Pininfarina GmbH, Johannes-Jörg Rüger, Geschäftsführer der Bosch Engineering GmbH, und Ralf Göttel, Vorstandsvorsitzender der Benteler International AG, eine strategische Partnerschaft zur gemeinsamen Entwicklung "einer hoch leistungsfähigen Plattform für Elektrofahrzeuge" an, wie es hieß. Man werde das beste technische Konzept sowie das Marktpotenzial für die Plattform untersuchen, die zum Fundament der geplanten Automobili Pininfarina-Fahrzeuge wird.

Prognose: Wachstum im Luxus-Automarkt

Die Partner verständigten sich zudem darauf, die Gelegenheit zu prüfen, diese Plattform als Basis für die Elektrosportwagen anderer Fahrzeugmarken anzubieten, um daraus zusätzliche Synergien zu schöpfen und eine schnellere Verbreitung der Elektromobilität über alle Marktsegmente hinweg zu ermöglichen. Vor allem den Luxus- und Sportwagenbereich sieht man als schnelles Wachstumsfeld an. Die Italiener bestätigten kürzlich die Strategie, eine Reihe hoch leistungsfähiger Sportwagen und Luxusfahrzeuge auf den Markt bringen zu wollen, die auf das hoch gelobte elektrische Hypercar Battista folgen sollen. Dessen Serienproduktion ist für Ende 2020 in Italien vorgesehen. Einen ersten Einblick in diese Strategie gewährt Designdirektor Luca Borgogno mit seinem PURA Vision-Designmodell.

"In der Elektromobilität lässt sich ein eindeutiger Trend feststellen: Die Nachfrage nach Systemlösungen steigt. Mit unserer Technologie und unserer umfassenden Expertise in der Systemintegration sind wir in der Lage, eine entscheidende Rolle darin zu spielen, hochwertige Elektrofahrzeuge auf den Markt zu bringen - auch im Bereich der Supersportwagen", meinte Johannes-Jörg Rüger, Geschäftsführer der Bosch Engineering GmbH.

 

Bosch will Hersteller unterstützen, an der E-Mobilität teilzuhaben

Der schwäbische Zulieferer bringe dabei Teilsysteme wie Bremsen, Lenkung, Steuergeräte und Fahrerassistenz ein und sein Know-how in den Bereichen Elektrisch/Elektronische Architektur sowie bei den Sicherheitskonzepten. Benteler trägt seine Erfahrungen bei elektrifizierten Fahrgestellen, Batteriespeichersystemen und dem Electric Drive System 2.0 ein, ergänzte Marco Kollmeier, Vizepräsident der Abteilung Elektromobilität bei dem Zulieferer hinzu. "Damit unterstützen wir Fahrzeughersteller, die wachsenden Möglichkeiten sinnvoll umzusetzen, die sich aus der Elektromobilität ergeben", so Kollmeier.

"Das Schöne an der Elektrifizierung ist, dass die Kombination von Batterien, Motoren und Fahrgestell ein modulares Konzept bietet, aus dem eine Reihe von Fahrzeugen entwickelt werden kann. Die größte Herausforderung liegt darin, dieses Konzept in die Realität umzusetzen", resümierte Christian Jung, dem technischen Leiter von Automobili Pininfarina.

Pininfarinas Ziel: Schneller sein als Bugatti und Ferrari

Auch auf der be.connected-Konferenz stellte Pininfarina seine Pläne vor: Man wolle eine Vision vom nachhaltigen Sportwagen umsetzen, erläuterte Martin Lischka die Idee der Marke. Im Gegensatz zu Tesla oder anderen neuen Anbietern sei die Marke Pininfarina, zu hundert Prozent im Besitz des indischen Mahindra-Konzerns, seit fast 90 Jahren im Markt und habe bereits ein Image. Man glaube auch daran, dass über elektrische Supersportwagen ein Imagetransfer für die Elektromobilität auch ins Volumensegment stattfinden werde. Mit dem bereits für 2020 angekündigten Battista, der auf dem Chassis von Rimac basiert, und den folgenden Projekten auf der neuen Plattform wolle man vor allem Ferrari oder Bugatti zuvorkommen. Bisher sei die Zahl der reinen Elektrofahrzeugplattformen noch überschaubar, nebem dem MEB von VW zählte er noch die PPE-Plattform von Porsche sowie künftig die E-Architektur von Daimler auf, die mit dem EQS angedeutet wurde. Für Lischka ist es nur eine Frage der Zeit, wann etwa Ferrari mit einem vollelektrischen Sportwagen an den Markt geht. Und von der Positionierung sieht man Pininfarina "deutlich" oberhalb von Porsche, "upper premium" eben.

Was bedeutet das?

Angriff ist die beste Verteidigung: Das ist wohl die Maxime des Handelns bei Pininfarina - aber auch bei den anderen Partnern des überraschenden Dreibunds zur Entwicklung einer originären Supersportwagen-Elektroplattform. Bevor einem also die Felle der etablierten Hersteller davonschwimmen, die eigene Elektro-Architekturen ersinnen, macht man lieber etwas neues. Wobei das eine das andere nicht ausschließt. Für die Italiener ist das aber ein kompletter Reset: Vom Designbüro und Zulieferer wird man zu einer eigenen "Brand". Und die birgt durchaus Potenzial bei den oberen 10.000 dieser Welt. Denn man hat schon einen klangvollen Namen in der Welt des Luxus. Wie meinte Firmengründer Battista Pininfarina: Vor allen Dingen muss es schön sein. Und schön schnell und schön nachhaltig, könnte man jetzt ergänzen.

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