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IAA 2019: Die Proteste

Am vergangenen Wochenende war viel Trubel in Frankfurt. Immer ging es dabei um das Auto – mal in den Messehallen und mal davor.

Während in den Messehallen die Hersteller ihre neuen Modelle vorstellten, machten sich die Kritiker draußen bemerkbar.(Foto: L. Harttmann)
Während in den Messehallen die Hersteller ihre neuen Modelle vorstellten, machten sich die Kritiker draußen bemerkbar.(Foto: L. Harttmann)
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Christine Harttmann

Noch bis Sonntag bleiben die Tore der IAA in Frankfurt geöffnet und die Aussteller laden Besucher ein, zum Feiern und Staunen. Mit ihrem Motto „Driving tomorrow“ beansprucht die große internationale Autoshow dabei in diesem Jahr für sich eine Rolle als „Plattform für die Zukunft der Mobilität“. Doch in der Öffentlichkeit sehen das nicht Alle so. Im Umfeld der Messe sieht sich der VDA als Veranstalter mit so heftigen Protesten konfrontiert, wie noch nie in der Geschichte des großen Auto-Events.

In den Hallen war es eine Gruppe Greenpeace-Aktivisten, die den Ausstellern buchstäblich aufs Dach stiegt. Während des Eröffnungsrundgangs, an dem Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnahm, forderten sie medienwirksam eine schnelle Verkehrswende – heißt deutlich weniger motorisierten Individualverkehr und wenn dann kleinere, rein elektrisch angetriebene Pkw.

Am Samstag versammelte sich der Protest dann vor den Toren der Messe. Das Bündnis #aussteigen aufgerufen, in dem sich ADFC, BUND, Campact, Deutsche Umwelthilfe, Greenpeace, Naturfreunde Deutschlands und VCD engagieren, hatte zu einer Fahrrad-Sternfahrt aufgerufen. Laut den Veranstaltern waren es mehr als 25.000 Menschen, die zu Fuß oder per Rad vor den Toren der Messe ihren Unmut über eine nach ihrer Meinung verfehlte Verkehrspolitik kundtaten. Zu viele „Spritfresser“ machten sie in den Messehallen aus und warnten, dass sich mit der aktuellen Verkehrspolitik das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaschutz-Abkommens nicht einhalten lasse.

Der VDA wiederum betonte schon im Vorfeld der Messe, dass er „das Anliegen, das Klima zu schützen“, grundsätzlich teilt und er lud die Kritiker ein, sich am Dialog zu beteiligen. Die Vision Mobility hat den Dialog gesucht und einige der Demo-Teilnehmer um ihr ganz eigenes Statement gebeten. Und die Antworten wir dabei bekommen haben, waren gar nicht Autofeindlich, ehr nachdenklich und ein Ruf nach mehr Bescheidenheit.

Susanne Triesch

Warum sind Sie hier auf der Demo?

Susanne Triesch: Ich bin hier auf der #Aussteigen-Demo, um für eine Verkehrswende zu demonstrieren, bei der nicht immer das Auto im Mittelpunkt der Verkehrsplanung steht, sondern der Mensch. Ich demonstriere dafür, dass der Verkehr in den Straßen künftig so verteilt ist, dass der Mensch, das Fahrrad und der öffentliche Nahverkehr viel wichtiger sind, als das Auto.

Was erhoffen Sie sich von dieser Demonstration?

Susanne Triesch: Ich erhoffe mir, dass wir hier mit vielen tausend Menschen sind, unsere Forderungen gehört und von der Politik umgesetzt werden.

Können Sie Ihre Vision für eine Mobilität der Zukunft beschreiben?

Susanne Triesch: Meine Vision der Zukunft ist, dass nicht mehr jeder sein eigenes Auto besitzen muss, sondern dass wir mit dem öffentlichen Nahverkehr überall hinkommen, wo wir hinmöchten und dass es mehr Sharing-Angebote gibt. Außerdem wünsche ich mir, dass Fuß- und Radwege gegenüber dem Auto gestärkt werden.

 

Warum sind Sie hier auf der Demo?

Julia Raser: Ich bin hier, um für eine Verkehrswende und für Gleichberechtigung auf unseren Straßen zu demonstrieren. Außerdem will ich mich gegen die Klimakiller stellen, die auf der IAA ausgestellt werden.

Was erhoffen Sie sich von dieser Demonstration?

Julia Raser: Ich hoffe, dass wir mit den tausenden Menschen, die hier zusammengekommen sind ganz viel Aufmerksamkeit erregen können. Ich hoffe, dass wir schnell zu einer Mobilitätswende kommen, um der Klimakrise, die durch diesen Sektor mit verursacht wird, begegnen zu können.

Können Sie Ihre Vision für eine Mobilität der Zukunft beschreiben?

Julia Raser: Ganz klar brauchen wir eine Umstrukturierung der aktuellen Verkehrssituation. Das bedeutet: besser ausgebaute Radwege, besser ausgebauten ÖPNV und mehr Platz für Fußgänger. Wir müssen weg vom Autoverkehr und hin zu den drei anderen Sektoren.

 

 

Warum sind Sie hier auf der Demo?

Christoph Brade: Weil es immer eine sehr schöne Erfahrung ist, auf einer Demo zu sein und mit anderen Menschen gemeinsam etwas einzufordern. Es ist schön, wenn man gemeinsam etwas organisiert, demokratisch und politisch aktiv wird.

Was erhoffen Sie sich von dieser Demonstration?

Christoph Brade: Indem wir hier in einer größeren Gruppe unterwegs sind, hoffe ich, dass wir in der Politik und in den Unternehmen eher wahrgenommen werden, damit die dann auf die Forderungen eingehen.

Können Sie Ihre Vision für eine Mobilität der Zukunft beschreiben?

Christoph Brade: Ich hoffe, dass wir irgendwann weniger bis gar keine fossilen Brennstoffe mehr brauchen um uns fortzubewegen. Grundsätzlich ist Mobilität ja eine ganz, ganz tolle Sache. Man hat damit die Chance, mehr zu sehen, als nur sein kleines Dorf, wie vor 500 Jahren. Aber wenn man dadurch die Welt kaputt macht, bringt einem das natürlich nichts. Deswegen müssen wir Mobilität umgestalten, so dass die schönen Seiten für alle Menschen möglich sind, aber auf eine Art und Weise, die die Welt nicht kaputt macht.

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