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IAA 2019: Daimlers dezente Eröffnung

Mercedes-Benz-Cars-Chefin Britta Seegers "eröffnete" die Pressekonferenzen der IAA und stellte dabei den Kunden in den Fokus  dessen Wünsche aktuell scheinbar schwerer denn je zu greifen sind ...

Tradition und Moderne: Der erste Autohersteller der Welt hält die erste IAA-Pressekonferenz - und präsentiert sich selbst zwischen Tradition und Moderne. | Foto: G. Soller
Tradition und Moderne: Der erste Autohersteller der Welt hält die erste IAA-Pressekonferenz - und präsentiert sich selbst zwischen Tradition und Moderne. | Foto: G. Soller
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Gregor Soller

Unter der Überschrift „Customer Experience 4.0“ eröffnete Daimlers Pkw-Chefin die IAA und sprach nur vom Kunden, der sich aktuell genauso in Transformation zu befinden scheint wie die Industrie. Diesen Eindruck hinterließ jedenfalls ihre Rede, denn: Bis 2025 sollen 25 Prozent aller Mercedes-Benz-Pkw online verkauft werden. Nur 25 Prozent? Ja, denn der Kunde will bei einem so teuren Produkt nach wie vor einen Handel, in dem man von Mensch zu Mensch spricht.

Oder auch nicht. Denn andererseits, das zeige das Gebrauchtwagengeschäft, seien die Kunden bereit, ihr Fahrzeug online zu ordern, nur müsse das halt ein bisschen einfacher gehen. Auch dieser Wunsch wird beispielsweise mit den neuen Smarts erfüllt, die sich einfacher denn je konfigurieren lassen: Basismodell wählen, Paket draufpacken, Farbe auswählen - fertig.

Und weil der Kunde zu 90 Prozent die angebotene Mercedes-me-App nutzt oder sich zumindest dafür anmeldet, baut man die zig Services, die alle mit Mobilität zu tun haben, weiter aus. Bis Jahresende soll es eine abermals neue umfangreichere Version geben.

Im Vertrieb steht man also aktuell ein bisschen zwischen den Stühlen, was auch fürs Modellprogramm gilt: Das reicht von den rein elektrischen Smarts (die leider nur ein optisches, aber kein Reichweitenupdate bekamen) bis zum Mercedes-Maybach S 650 Pullman, der für solvente (dem Interesse nach zu urteilen vorwiegend asiatische) Kunden bestimmt ist und weiter dem V12-Verbrenner frönt. Dazwischen gibt es mittlerweile alle Spielarten, die König Kunde wünscht. 

Interessant ist, was man zwischen den Zeilen von Insidern hört: Nämlich, dass diese breite Diversifizierung an der Börse eben gar nicht mehr honoriert werde und dass man doch bitte die SUV, die die Kunden mittlerweile alle haben wollen, nicht verkaufen solle. Auch hier klaffen Anspruch und Realität aller Beteiligten (Kunden, Politik, Umweltverbände) weit auseinander.

Insofern dürfte die diesjährige IAA trotz der Absage vieler Hersteller vielleicht die spannendste jemals werden. Denn die „Customer Experience 4.0“ könnte die vielfältigste und fordernste ever sein – und man wird erst zum Ende dieser IAA ein bisschen genauer wissen, was der Kunde in der „Version 4.0“ eigentlich genau möchte und was nicht.

Was bedeutet das?

Die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Umstände zeigen klar auf, dass wir umdenken müssen: Alles wollen und fordern wie ein Kleinkind kann man schon mal, nur erfüllt werden wird es nicht, denn auch die Kraft des Kapitalismus (und die Kraft der Industrie) ist irgendwo endlich. Und es könnte auch ein Job von den CEOs der Autoindustrie sein, ab 2020 klar zu sagen, welche Wünsche man dem „Kind Kunde" im Hinblick auf die Erfüllung der Klimaziele erfüllen kann und welche eben nicht. Denn einen Wunsch können die Hersteller bei aller technischen Finesse nicht erfüllen: die Physik überlisten. Groß und schwer verbraucht eben mehr.

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