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IAA 2019: Daimlers Begrünungs-Maßnahmen und die Vision EQS vom nachhaltigen Luxus

Daimler-Chef Ola Källenius sieht den Konzern mitten drin in der Transformation und sieht bei allem Wandel eines bleiben: Den Bedarf nach individueller Mobilität. Den will man zunehmend elektrifiziert und nachhaltiger decken. Doch reine Stromer bleiben erstmal eine Randnotiz, der Smart allenfalls ein "Side-Kick".

Nachhaltiger Luxus für Selbstfahrer: So stellt sich Daimler-Chef Ola Källenius die Zukunft der Marke vor - wie den Vision EQS. | Foto: Daimler
Nachhaltiger Luxus für Selbstfahrer: So stellt sich Daimler-Chef Ola Källenius die Zukunft der Marke vor - wie den Vision EQS. | Foto: Daimler
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Johannes Reichel

Bis irgendwann eine Vision EQS vielleicht Wirklichkeit wird, kann es natürlich noch dauern. Doch Daimler-CEO Ola Källenius versichert, nicht nur manche NGOs seien ungeduldig und es gehe ihnen nicht schnell genug. "Wir sind auch ungeduldig". Er sieht den wichtigsten Baustein zur Reduktion des CO2-Ausstoßes im technologischen Fortschritt und betont: Bei allem Wandel werde eines bleiben - der Bedarf an individueller, selbstbestimmter Mobilität. Nur will man die künftig mit Nachhaltigkeit koppeln, sowohl in der Produktion als auch im Betrieb. Man will hin zum Wertschöpfungskreislauf inklusive Batterieproduktion und Grünstrom im Betrieb und weg von der bisherigen Wertschöpfungskette. Bis 2022 soll gemäß Daimlers-"Ambition 2039"-Programm die Produktion an den deutschen Standorten CO2-neutrla sein, bis 2039 die Flotte.

Die Speerspitze für diese ambitionierten Ziele fahrzeugseitig bilden Plug-In-Hybride wie der wuchtige 5-Meter-Diesel-Hybrid GLE 350 de als Topmodell der sogenannten EQ-Reihe, der dank 31 kWh-Akku nach WLTP knapp 100 km rein elektrisch fahren soll. Oder der GLC 300 e, der es auf knapp 50 elektrische Kilometer bringt. Vereinzelt bleiben die Vollstromer wie der geliftete Smart EQ, der SUV EQC oder die zur IAA im Serientrimm präsentierte Großraumlimousine EQV. Mittelfristig soll die neue Elektroplattform die E-Fahrzeuge auf ganz andere Räder stellen, eine dedizierte Basis, wie der Daimler-Chef formuliert.

Selbstbestimmt ist der Fahrer: Daimler Idee vom nachhaltigen Luxus

Darauf basiert schon mal virtuell Daimlers Idee von der nachhaltigen Luxuslimousine, die so aussehen könnte, wie die gezeigte Studie EQS. Die sieht man als ein klares Statement für das "Fortbestehen hochwertiger Fahrzeuge und selbstbestimmten Fahrens", wobei man vor allem letzteres betont. Dabei sollen "handwerkliche Perfektion, emotionales Design, luxuriöse Materialien und individueller Fahrspaß werden auch in Zukunft begehrenswert bleiben", wie man vorsichtshalber versichert.

Unter der eleganten, mit einem umlaufenden Lichtband versehene Hülle, die man als "One-Bow-Design" bezeichnet, schlagen die Daimler-Visionäre zwei Elektromotoren, an Vorder- und Hinterachse, und eine in den Fahrzeugboden integrierte Batterie als ausbalanciertes Fahrzeugkonzept  vor. Der elektrische Allradantrieb mit achsvariabler Momentenverteilung und die tief im Fahrzeugboden zwischen den Achsen installierte Batterie sollen für hohe Fahrdynamik und Sicherheit sorgen. Dank mehr als 350 kW Leistung und ansatzlos verfügbarem Drehmoment von ca. 760 Newtonmeter beschleunigt der schwäbische Visionär in unter 4,5 Sekunden von 0-100 km/h.

Schnell und effizient: 700 km Reichweite, 350 kW Ladeleistung

Er soll aber nicht nur schnell beschleunigen, sondern auch weit reichen, dank "intelligenter Betriebsstrategie" bis zu 700 km nach WLTP. Dabei lädt das Showcar bei einer angenommenen Ladeleistung von 350 kW die Batterie auf 80% in deutlich weniger als 20 Minuten nach. Mit dem Technologieträger setzt der Hersteller zudem auf eine völlig neue, vollvariable batterieelektrische Antriebsplattform. Diese soll in vieler Hinsicht skalierbar und modellübergreifend einsetzbar sein. Radstand und Spurweite sowie alle übrigen Systemkomponenten, insbesondere die Batterien, seien dank des modularen Systembaukastens variabel und damit für unterschiedlichste Fahrzeugkonzepte geeignet.

Man schöpft hier aus der Entwicklungs- und Produktionskompetenz der konzern- und baureihenübergreifenden Modulstrategie für alternative Antriebe und dem direkten Zugriff auf Schlüsselkomponenten für die Elektromobilität. So stammt beispielsweise die hocheffiziente Lithium-Ionen-Batterie von der Daimler-Tochter Accumotive. Die Fahrzeugstruktur baut – ähnlich wie bei modernen Serienmodellen von Mercedes-Benz – auf einen intelligenten Multi-Materialmix aus Stahl, Aluminium und Carbon und nachhaltigen Materialien aus Rezyklaten.

Ola Källenius jedenfalls ist sicher: "Das Beste kommt noch". Entgegen allgemeiner Annahmen glaubt er auch, dass die Bindung an das Automobil eher noch enger werde, wenn Systeme wie das hauseigene MBUX dem Fahrer immer mehr Wünsche erfülle und Dienste und Apps anbiete, vom jüngst eingeführten Amazon Music bis hin zum scherzhaft gemeinten, per Clip vorgeführten "Baby Protocol" mit Schlafschunkel. Källenius will auch das "Auto als emotionales Erlebnis" erhalten, das Auto sei mehr als ein Transportmittel.

Zudem sprach sich der Daimler-Chef für eine Bepreisung von CO2 aus. Das könne ein starker Anreiz sein. Er lobte zudem die gute Zusammenarbeit mit der Regierung und den Landesregierungen. Die "Mammutaufgabe der Klimawende" könne man nur gemeinsam bewältigen. Was Källenius aber auch für eine "erneuerbare Ressource" hält ist: Der menschliche Erfindergeist. Das stimme ihn optimistisch für die Zukunft.

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