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IAA 2019: Conti fährt mit 48 Volt elektrisch

Der Technologiekonzern gibt sich offensiv und will mit Innovationen wie einem elektrischen Achsantrieb, der in Serie geht, einem 48-Volt-System, das auch rein elektrisches Fahren ermöglicht, dem Serienstart des autonomes Shuttles und Sicherheitsfeatures wie vorausschauendem ESP die Zukunft sichern.

Braucht kaum Raum: Der High-Power-48-Volt-Antrieb ist ähnlich kompakt wie die Standard-Version, kann aber kurze Strecken rein elektrisches Fahren ermöglichen. | Foto: Conti
Braucht kaum Raum: Der High-Power-48-Volt-Antrieb ist ähnlich kompakt wie die Standard-Version, kann aber kurze Strecken rein elektrisches Fahren ermöglichen. | Foto: Conti
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Johannes Reichel

Im Vorfeld der IAA im September 2019 in Frankfurt hat das Technologieunternehmen Continental unter dem Motto „Mobility is the Heartbeat of Life“ einen ersten Ausblick auf seine Neuheiten gegeben, mit denen man die drei großen Trends Elektrifizierung, Autonomes Fahren sowie Vernetzung abdecken will. Dafür habe das Unternehmen im vergangenen Jahr mehr als drei Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung investiert, wie es weiter heißt.

„Unsere alternativen Antriebe und Technologien für das automatisierte und autonome Fahren sowie für das vernetzte Fahrzeug sind die entscheidenden Zutaten für das gesunde Ökosystem der Mobilität. Wir zielen dabei auf neue Technologien, die sowohl ökoeffizient als auch gesellschaftlich akzeptiert sind“, erklärte  Elmar Degenhart, Vorstandsvorsitzender von Continental.

Konkret präsentiert man im Bereich der Elektrifizierung den jetzt serienreifen elektrischen Achsantriebs, für den man bereits Kunden in Europa und China gewonnen habe. Das Modul wiegt weniger als 80 Kilogramm und beinhaltet Elektromotor, Getriebe, Leistungselektronik und Motorsteuerung. Diese Integration erspart nicht zuletzt zahlreiche Kabelverbindungen und Stecker. So reduziert der voll integrierte Achsantrieb das Gewicht von Elektrofahrzeugen um rund 20 Kilogramm.

Auch mild rein elektrisch fahren: Neuer 48-Volt-Hybrid

Die Systemkompetenz im Bereich der elektrischen Antriebe untermauern will man neben dem voll integrierten Hochvolt-Achsantrieb für die Großserie mit einer neuen Technologie für Hybridfahrzeuge. Der 48‑Volt-High-Power-Antrieb mit einer Leistung von 30 Kilowatt soll es erstmals ermöglichen, auch über längere Strecken rein elektrisch zu fahren. Bislang war dies nur mit Hochvolt-Antriebssystemen möglich, nicht jedoch mit 48-Volt-Technologie. Dies eröffne Fahrzeugherstellern weltweit die Möglichkeit, neue, preislich besonders attraktive Hybridfahrzeuge anzubieten, wirbt der Anbieter. Das System aus E-Maschine mit integrierter Leistungselektronik sowie einer Batterie soll den Spritverbrauch gegenüber vergleichbaren Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor um rund 20 Prozent senken. Zugleich sei die neue Technologie auf 48-Volt-Basis deutlich günstiger als Hochvoltsysteme.

„Unser Entwicklungsziel war es, mit 48-Volt-Technologie eine Fahreffizienz zu erreichen, wie sie bislang nur Hochvoltsystemen vorbehalten war. Das haben wir jetzt erreicht“, sagt Stephan Rebhan, Leiter Technology & Innovation Powertrain.  

 

In der neuesten Entwicklungsstufe wurde für die Erschließund der elektrischen Fahrfunktion die Position des 48-Volt-Systems im Antriebsstrang verändert. Die E-Maschine wurde nicht mehr vor dem Verbrenner an der Kurbelwelle angeordnet, sondern dahinter – zwischen Verbrenner und Getriebe (P2-Hybrid). Der Effekt: Die Kraftstoffersparnis ließ sich steigern und in bestimmten Situationen, etwa beim Fahren durch eine Tempo-30-Zone, konnte allein die E-Maschine das Fahrzeug bewegen. Aber auch ein Geschwindigkeitsbereich von 80 bis 90 km/h werde abgedeckt. Mit der neuen 48-Volt-High-Power-Technologie ermögliche das Hybridsystem damit die gleiche Funktionalität wie bisherige Voll-Hybrid-Fahrzeuge.

Und man peilt weitere Schritte an: Mit Blick auf die neuen, seit 1. September 2018 gültigen Zulassungsvorschriften nach dem WLTP-Zyklus, könnte durch die Ergänzung einer On-board-Ladetechnik und eine größere Batterie sogar ein Plug-In-Hybrid-Antrieb mit 48-Volt-Technologie Realität werden. Insgesamt soll der Bauraum, den die 48-Volt-High-Power-Technologie beansprucht, nur geringfügig größer sein als der des bisherigen Systems. Auch das Gewicht steige nur minimal.

Autonomer Shuttle von Easy Mile geht in Serie

Im autonomen Shuttlebus EZ10 des französischen Unternehmens EasyMile kommt erstmals ein Radarsystem von Continental zum Einsatz, das speziell für fahrerlose Fahrzeuge bis zur Serienreife entwickelt wurde: Insgesamt sieben Radarsensoren mit einer Reichweite von jeweils bis zu 200 Metern überwachen durchgehend das Fahrzeugumfeld. Mit diesen Daten passt das System seine Fahrstrategie an, umfährt Hindernisse und verhindert so frühzeitig gefährliche Verkehrssituationen auf der vorausliegenden Wegstrecke. Da solche autonomen Shuttlebusse zukünftig vor allem im städtischen Umfeld eingesetzt werden, schützt dies insbesondere Fußgänger und Radfahrer. Darüber hinaus läuft bereits die Serienentwicklung einer ersten weltweiten 5G-Lösung von Continental für einen Fahrzeughersteller.

Das Gegenstück bilden die Möglichkeiten der stärkeren Vernetzung aller Verkehrsteilnehmer untereinander, die der Anbieter derzeit in Pilotstädten in Nordamerika und Asien auslotet. Verkehrsknotenpunkte werden dafür mit smarter Sensorik zu intelligenten Kreuzungen umgebaut. Sensorbestückte Ampeln und Straßenlampen tauschen dann Daten mit Fahrzeugen in der Nähe aus, um insbesondere Fußgänger und Fahrradfahrer zu schützen.

Nächster Schritt: Vorausschauendes ESP

Das Thema autonomes Fahren treibt der Zulieferer mit erweiterten Funktionen für Assistenzsysteme weiter voran. So stellt man eine vorausschauende Stabilitätskontrolle vor, die bereits vor einer Kurve den Fahrer über eine zu hohe Geschwindigkeit für die aktuellen Straßenverhältnisse warnt und gegebenenfalls das Auto automatisch einbremst, um das Tempo anzupassen.

In Sachen Fahrzeugbedieung ist man in der Entwicklung intelligenter Sprachassistenten und dreidimensionaler Anzeigen. Der Assistent soll auf natürliche Sprache reagieren und exakt an die Fahrzeugbedingungen angepasst sein. Zudem stellt man ein Konzept für vernetzte Fensterscheiben im Auto vor. Sie lassen sich gezielt abdunkeln, um etwa Blendeffekte durch eine tief stehende Sonne zu vermeiden. Darüber hinaus will man so den Energieaufwand für die Kühlung des Fahrzeuginnenraums senken und die Privatsphäre der Insassen erhöhen. 

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