IAA 2017: ZF will leichte Maßstäbe setzen

ZF engagiert sich auch im Bereich der vierrädrigen Leichtelektromobile (LEM oder Quadricycles genannt).

Fünf Sterne im Euro-NCAP will ZF nicht nur im Standard-Pkw (vorn), sondern auch bei den Leichtmobilen (hinten) schaffen. | Foto: G. Soller
Fünf Sterne im Euro-NCAP will ZF nicht nur im Standard-Pkw (vorn), sondern auch bei den Leichtmobilen (hinten) schaffen. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Nicht nur bei ZF stand ein Leichtfahrzeug am Stand: Eine neue Fahrzeuggattung, die den Zulieferern zusätzliches Geschäft generiert. In dem Fall ging es ZF um die Sicherheit der Insassen. Darum hat sich  ZF als Systempartner für den Insassenschutz im EU-Projekt BEHICLE beteiligt. Die Abkürzung steht für BEst in class veHICLE – ein Anspruch, den der gleichnamige, dreisitzige Elektroflitzer einlösen soll.

Daran hatte auch ZF großen Anteil: Die Sicherheitsexperten entwickelten und integrierten ein innovatives Vierpunkt-Gurtsystem und Airbagsysteme in das Fahrzeug. Ebenso wirkte ZF bei Simulation und Erprobung mit. Das Ergebnis: Als erster seiner Kategorie ist das BEHICLE drauf ausgelegt, 5 Sterne im Euro NCAP zu erreichen. Vergleichbare Fahrzeuge dieser Klasse erhielten bislang maximal zwei Sterne.

Hintergrund: Am gefragtesten im Wachstumsmarkt der Mikromobilität sind laut ZF City-Stromer der Kategorie L7e, die maximal 15 kW bereitstellen und leer höchstens 400 Kilo (ohne Batterien) wiegen. Doch den Vorzügen dieser ultra-leichten Fahrzeuge stehen Herausforderungen im Insassenschutz gegenüber: Im Euro NCAP ist laut ZF bislang kein Serienmodell mit mehr als zwei Sternen gelistet. Konstruktiv entfernen sich die leichten Zwerge weit von den Standard-Pkw: Sie haben teils mittige Fahrersitze oder keine B-Säulen. ZF löste diese mit innovativen passiven Rückhaltesystemen: einem speziellen Vierpunkt-Sicherheitsgurt sowie neuartigen Curtain- und Seiten-Airbags. Wie funktioniert das Ganze? Der als sogenannter „Top Belt“ konstruierte Vierpunkt-Sicherheitsgurt soll besser schützen als konventionellen Dreipunkt-Systeme. Im sind zwei Aufroller mit integriertem Straffer und Gurtkraftbegrenzer im hinteren Dachbereich intergiert. Zum Anschnallen ragen die beiden Schlosszungen seitlich vor dem Fahrerkopf und damit griffgünstig aus dem Dachhimmel. Die entsprechenden Gurtschlösser sitzen links und rechts des Fahrersitzes und sind für den Fahrer dank Beleuchtung leicht zu finden. Die Gurte sind zudem mit der aus dem Serieneinsatz bekannten, sogenannten „DLT“ (Dynamic Locking Tongue) ausgestattet: Ein kleines Bauteil in der Gurtzunge koordiniert im Crashfall die Rückhaltekräfte des Gurtes so, dass Brust- und Schulterbereich der Insassen weniger belastet wird als der Beckenbereich. Außerdem sollen neue, verstärkte Seitenairbags und Curtainairbags schützen.

Was bedeutet das?

Die Zulieferer entwickeln komplett neue Fahrzeugkonzepte mit – und das in kompletter Bandbreite.

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