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IAA 2017: Ultra-Leicht-Taxi von ACM mit Wechselakkus weist den Weg

Das mit Wechselbatterien nur 550 Kilogramm schwere City eTaxi mit Carbon-Karosseriezelle zeigt den etablierten Herstellern, wie ein konsequent designtes Stadtfahrzeug der Zukunft für Personen- und Güterbeförderung aussehen könnte. Das tollste daran: Es kommt nächstes Jahr auf den Markt.

Reduced to the Max: Das City eTaxi setzt auf Leichtbau, Carbon und Wechselakkus. Es kann so rund um die Uhr betrieben werden. | Foto: J. Reichel
Reduced to the Max: Das City eTaxi setzt auf Leichtbau, Carbon und Wechselakkus. Es kann so rund um die Uhr betrieben werden. | Foto: J. Reichel
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Johannes Reichel

Wow, 550 Kilogramm, bei ACM wiegt das ganze Auto so viel wie bei Tesla allein der monströse Akku. Ein Konsortium von verschiedenen Partnern um den Initiator ACM hatte bereits auf der CeBIT in Hannover das Konzept eines Ultra-Leicht-Elektro-Fahrzeugs vorgestellt. Jetzt setzen die Verantwortlichen mitten im Herzen der weltgrößten Autoschau ein deutliches Ausrufezeichen in Sachen "clevere Mobilität". Das sogenannte "Adaptive City Mobility"-Konzept setzt konsequent auf Elektroantrieb und auf Leichtbau und soll dank Carbon-Komponenten nur auf 550 Kilogramm Gewicht kommen - und dennoch gute Crashsicherheit und hohe Solidität bieten. Im Inneren haben bei der Taxi-Version hinter dem mittig platzierten Fahrer, der dank schwenkbarer Sitzfläche leichter hinter das Steuer kommt, zwei Personen Platz. Hinter ihnen wartet ein erstaunlich üppiger, vor allem hoher Kofferraum von formal 360 Liter Volumen auf Gepäck.

Eine Lieferwagenvariante war von Anfang an mitgedacht und würde nach dem Willen der Schöpfer mindestens Raum für eine Euro-Palette mit 380 Kilo "Nutzlast" bieten. Die muss man allerdings erst einmal unter der weit aufschwingenden Riesenheckklappe platziert bekommen. Doch es geht wohl weniger um die Beladbarkeit per Stapler, als um die generelle Ladefähigkeit des enorm raumeffizienten Fahrzeugs: 3,30 Meter kurz und 1,68 Meter schlank ist der kleine Laderiese. Die Scheiben aus Plexiglas sind mit pragmatischen Scharnieren an die Carbon-Karosserie gefügt, die Türen öffnen gegenläufig, was weitere Teile spart.

Schnellladefähig: Die Akkus in der Schublade sind rasch getauscht

Der Clou befindet sich unter dem Fahrzeug: In einer Art Schublade, ein Batteriewechselsystem, das eigens vom Karlsteiner Spezialisten BMZ entwickelt wurde, reihen sich schnell austauschbare 12-Kilo-Lithium-Ionen-Akkus aneinander. "Dadurch können wir das Fahrzeug rund um die Uhr im Betrieb halten", erklärt ein Verantwortlicher am Stand. In ein paar Minuten sind die acht Energiemodule gewechselt, bei dem Leichtfahrzeug genug Kraft für 120 Kilometer Reichweite. Weiterer Vorteil: Man spart sich dadurch die hohen Kosten für Schnellladesysteme im Fahrzeug und in der immobilen Infrastruktur.

Neu zur Messe mitgebracht haben die ACM-Leute eine Akkuladestation, die ein bisschen aussieht, wie ein elegantes Müllhäuschen - gekrönt von einem Photovoltaik-Paneel auf dem Dach. Mehr als 90 km/h muss das konsequent für die Stadtanwendung gestaltete Auto nicht fahren, da genügt dann auch ein 14-kW-Elektromotor.

Das tollste an dem pragmatisch-sympathisch designten Minimalisten-Vehikel, das sich schon im Prototypenstadium erstaunlich solide anfühlt: Ab 2018 sollen in München erste Fahrzeuge den Testbetrieb aufnehmen. Der Entwickler sieht das ACM aber nicht nur als ein weiteres Fahrzeugkonzept, sondern will damit eine Systemlösung im Feld der Elektromobilität anbieten. "In diesem System bilden die Fahrzeuge mit manuell bedienbarem Batteriewechselsystem, die dazugehörigen Akkuwechselstationen, Betreiber, Energieversorger und Endnutzer zusammen ein eigenständig funktionierendes elektromobiles Gesamtnetzwerk, das über moderne Informations - und Kommunikationstechnologien verknüpft ist und durch die Integration von erneuerbaren Energien emissionsfreie Mobilität ermöglicht", formuliert der ACM-Gründer Paul Leibold. Beteiligte Partner des Projekts sind Ametras rentconcept, das Batteriemontagezentrum BMZ, EuroDesign, Fraunhofer ESK, Green City Projekt, PEM/RWTH Aachen, Roding Automobile, Siemens, Streetscooter und Plexiweiss.

Was bedeutet das?

Das ACM-Projekt zeigt, wie schnell in Zeiten der Elektromobilität alternative Player auf den Markt drängen können. Firmen wie ACM beleben das eingefahrene Geschäft - und zeigen den etablierten Großserienherstellern, wie Autos der Zukunft für die City aussehen könnten. Und nicht nur das: Sie setzen es mittlerweile auch um. Siehe Streetscooter, siehe eGO - und jetzt ACM. 2018 wird hochspannend. Wir drücken dem clever gemachten City eTaxi die Daumen!

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