Werbung
Werbung
Werbung

IAA 2017: Microlino - die Knutschkugel kehrt zurück

Das 2016 erstmals gezeigte Kabinenrollerkonzept Microlino biegt auf die Zielgerade Richtung Serie, die schon 2018 starten soll. Der knuffige Stromer könnte das Kultgefährt für urbane Hipster, aber auch pragmatische Pendler werden.

Klein, aber oho: Der Microlino peilt die Serie an und paart Ideen der Vergangenheit mit E-Technik von heute. | Foto: J. Reichel
Klein, aber oho: Der Microlino peilt die Serie an und paart Ideen der Vergangenheit mit E-Technik von heute. | Foto: J. Reichel
Werbung
Werbung
Johannes Reichel

Diese elektrische Knutschkugel wird keiner bremsen: Auch ein Transportunfall der neuesten, fast serienreifen Generation des Microlino nicht. Den wollten die Verantwortlichen eigentlich auf die kleine Messe in der Messe, die New Mobility World, stellen. Doch es kam anders. Aber um einen Eindruck zu bekommen von dem fantastischen Comeback des Kabinenrollers in modernem Gewand genügt das Ausstellungsstück, das in Genf 2016 für Furore sorgte, völlig. Wieso da nicht schon früher jemand drauf gekommen ist, fragt man sich: Die Idee der BMW Isetta aus den 50er-Jahren wiederaufleben zu lassen. Eine Zeit, als die automobilen Bäume noch nicht so krass in den Himmel wuchsen und an monströse SUVs noch nicht im entferntesten zu denken war - sondern preiswerte, raumeffiziente und wendige Mobiltät gefragt war. So wie heute wieder. Nur knattern und stinken, das tut die "Isetta reloaded", der Microlino, gewiss nicht.

Der Name "Microlino" deshalb, weil niemand geringerer hinter dem Projekt steckt, als der Schweizer Klapproller-Pionier Wim Ouboter. Klapproller und Kabinenroller, das passt bestens zusammen - beide sind auf ihrem Feld wahre Effizienzmeister. Auch Oubouters Söhne Oliver und Merlin waren begeistert nach den ersten Fahrten mit der elektrifizierten Isetta, die man zu Testzwecken aufgebaut hatte und um ein Gefühl für das Konzept zu bekommen. "Wir wussten in dem Moment, das könnte etwas wirklich großes werden. Also beschlossen wir, einen ersten echten Prototypen zu bauen", erzählt Oliver Ouboter.

Die gewaltige Resonanz der Genfer Motorshow mit 200 Millionen Mediakontakten und 500, bis dato sogar 3.500 Blindbestellungen motivierte den Famlilienbund, weiter voranzuschreiten. Mit den italienischen Elektro-Auto-Spezialisten Tazzari bildete man ein Joint Venture, der nächste Level war genommen. Tazzari die Technik, Micro kümmert sich um Design, Marketing und Vertrieb. Die Produktion soll im Frühjahr 2018 im Motor Valley in Italien starten.

"Wer braucht schon 200 PS außerhalb einer Rennstrecke", fragten sich die Microlino-Macher. "Wir haben uns die Autos am Markt angesehen und festgestellt: Jedes einzelne von ihnen war komplett 'over-engineered'", urteilen die Ouboter-Brüder. In der Stadt tun es doch auch: Zwei Sitze, eine Reichweite von 120 Kilometern, ein Höchsttempo von 90 km/h. Dann kommt man auch auf ein Gesamtgewicht von 450 Kilo für die nur 2,40 Meter kurze Knutschkugel mit dem charakteristischen Frontportal.
 

Im Inneren übernimmt heute statt Analogtacho das Smartphone das Regiment, mittels dem Navigation, Ladestatus und die obligatorischen Stream-Medien kontrolliert werden. Keine festen Lautsprecher sind hier verbaut, sondern mitnehmbare Bluetooth-Boxen. Ebenfalls mitnehmbar und obligatorisch: Der Micro-Roller für die "letzte Meile". Ansonsten ist alles "reduced to the max",

Nicht ganz so cool ist der Preis: Satte 12.000 Euro soll das kultige Gefährt kosten. Dafür kriegt man auch schon einen Ford Fiesta. Aber freilich keinen im Kultfaktor vergleichbaren Mini ... Der Microlino peilt zwischen Motorrad und Kleinwagen. Überhaupt: Der Microlino gilt als "Quad", ist also voraussichtlich mit dem Rollerschein zu fahren. Nachteil dabei: Die Elektroauto-Förderung entfällt, ein seltsames Kuriosum des Gesetzes. Denn gerade die Nische der Light Electric Mobility boomt und ist im Hinblich auf die Entlastung der Städte vielversprechend.

Aufgeladen sind die Lithium-Ionen-Akkus binnen vier Stunden an jeder beliebigen Haushaltssteckdose. Es soll auch eine "Extended Version" mit bis zu 215 km Reichweite geben. Obendrein versprechen die Macher ein nicht nur extrem umweltfreundliches, sondern auch ein spaßiges Gefährt mit exzellenter Wendigkeit. Im Sommer lässt sich das Dach öffnen, im Winter sorgt eine Heizung für Wärme. Und die Sicherheit? In Crashtests mit 50 km/h soll der Elektro-Zwerg alle gängigen Normen erfüllt haben, verspricht der Hersteller.

Was bedeutet das?

Wieder ein interessanter Quereinsteiger nach dem Vorbild des Eidgenossen Nicolas Hayek (Smart), der den großen Beine oder besser Räder macht. Der Microlino könnte ein absolutes Kult-Objekt werden, das die Freude am Fahren mit der Freude am Sparen vereint und vor allem noch umweltfreundlich ist. BMW dürfte vor Neid erblassen, während der "Mini" immer mehr "Maxi" wird. Knutschkugel reloaded, wir freuen uns schon drauf!

Printer Friendly, PDF & Email
Werbung