Hyundai Smart City: Grünes Stadtkonzept verbannt Straßen nach unten

Stadt und Natur sollen koexistieren – so lautet die Vision hinter dem Modell, das die Hyundai Motor Group in Singapur präsentierte. Autonome Mobilität unterirdisch, fortschrittliche Luftfahrt, Robotik und Wasserstoff-Brennstoffzellen-Technologie prägen das Konzept. 

Grünes Herz: Um die Parkanlage herum sind Gebäude verschiedener Größe sortiert. Oberirdisch räumt man kaum noch Platz für Autos oder Straßen ein. | Foto: Hyundai
Grünes Herz: Um die Parkanlage herum sind Gebäude verschiedener Größe sortiert. Oberirdisch räumt man kaum noch Platz für Autos oder Straßen ein. | Foto: Hyundai
Christine Harttmann

Auf dem „World Cities Summit 2022“ in Singapur hat die Hyundai Motor Group eine Vision für moderne Städte vorgestellt. Das Smart City Model ist geprägt von nachhaltigen und intelligenten Mobilitätslösungen. Hyundai wollte damit eine Richtlinie zur Entwicklung intelligenter Mobilitätslösungen auf der ganzen Welt präsentieren. Youngcho Chi, Präsident und Chief Innovation Officer der Hyundai Motor Group, beschrieb das Modell auf einer Podiumsdiskussion des World Cities Summit als Vision einer auf den Menschen ausgerichteten Stadt:

„Unser Ziel ist es, dass die Menschen in den künftigen Smart Cities mit der Natur leben und gleichzeitig moderne Technologien nutzen. Unsere Mobilitätslösungen in der Luft und am Boden werden die Grenzen der Städte neu definieren, die Menschen auf sinnvolle Weise verbinden und die Städte neu beleben. Wir werden weiterhin mit Regierungen auf der ganzen Welt zusammenarbeiten, um unsere Vision einer intelligenten Stadt in die Realität umzusetzen und gleichzeitig die Fähigkeiten zukünftiger Mobilitätslösungen schnell voranzutreiben.“

Das Smart City Konzept ist – inspiriert von einem Wabenmuster – eine sechseckige Stadt mit einer auf den Menschen ausgerichteten oberirdischen Schicht und einer funktionszentrierten unterirdischen Schicht. Auf der oberirdischen Ebene umrahmen die Gebäude die Natur in Form von Parks und Wäldern, die sich im Zentrum der Stadt befinden. Dabei wird die vom Menschen bebaute Bruttofläche im Stadtkern auf ein Minimum reduziert.

Gebäude mit Blick in die Natur, Straßen unterirdisch

Die Gebäude sind nach der Bevölkerungsdichte in drei Abschnitte unterteilt – hoch, mittel und niedrig. In der Nähe der Parks und Wälder im Stadtzentrum gibt es nur eine geringe Dichte an Gebäuden, sodass die Menschen von jedem Teil der Stadt aus einen ungehinderten Blick auf die Natur haben. Zudem werden die Gebäude innerhalb der einzelnen Abschnitte entsprechend ihrer Funktion angeordnet. So befinden sich beispielsweise die Wahrzeichen der Stadt in der Zone mit hoher Dichte, während die Sicherheitsinfrastruktur in der Zone mit mittlerer Dichte angesiedelt ist. Die Bereiche sind so angeordnet, dass sie von jedem Punkt aus mühelos erreicht werden können.

Die gesamte Straßeninfrastruktur der Stadt ist, ähnlich wie bei dem in der Nähe von Dubai begonnenen Projekt Masdar City, unterirdisch angesiedelt. Alle Waren und Dienstleistungen werden unterirdisch und autonom zu den automatisierten Logistikzentren der einzelnen Regionen transportiert, wo Roboter die endgültige Auslieferung vornehmen.

Autonome Mobilität statt Individual-Stau

Die Bewohner werden zwischen den Städten mithilfe von Advanced Air Mobility (AAM) reisen. Die AAM-Fahrzeuge werden auf sogenannten Hub 2.0-Türmen landen und starten. Die AAM-Anschlüsse befinden sich also oberhalb der Wohn- und Bürobereiche, direkt auf den Gebäuden.

Das Konzept der Smart City sieht auch eine nachhaltige grüne Stadt vor, in der große Naturflächen erhalten bleiben. Im Stadtzentrum wird es Erholungswälder, Parks und ein Reservoir zur Wasserversorgung der Stadt geben. Um den CO2-Wert neutral zu halten, wird die primäre Energiequelle der Stadt Wasserstoff sein, der über das intelligente Leitungsnetz zu den Wasserstoff-Brennstoffzellen-Generatoren der einzelnen Gebäude transportiert wird.

Weiterentwicklung seit der CES 2020

Die Hyundai Motor Group hat auf der CES im Jahr 2020 ihre Vision für die Städte der Zukunft und die Unterstützung intelligenter Mobilitätslösungen vorgestellt. Seitdem hat der Konzern die Entwicklung intelligenter Mobilitätslösungen weiter vorangetrieben. Der Konzern stellte Elektrofahrzeuge wie den Hyundai Ioniq 5 und den Kia EV6 vor und kündigte an, in Zukunft zweckgebundene Spezialfahrzeuge (Purpose Built Vehicles, PBV) und Robotaxis produzieren zu wollen.

Motional, ein Joint Venture der Hyundai Motor Group, zuständig für Technologien des autonomen Fahrens, entwickelt derzeit Robotaxis. Sie sollen 2023 auf den Markt kommen. Die AAM-Tochter der Gruppe, Supernal, hat kürzlich ein eVTOL Vehicle Cabin Concept vorgestellt. Darunter werden elektrisch betriebene Kleinflugzeuge verstanden, die senkrecht starten und landen und als Lufttaxis eingesetzt werden können. 2028 sollen sie Hyundai zufolge auf den Markt kommen. ha/jr

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