Hyundai Kona Elektro schafft über 1000 Kilometer Reichweite

Theoretisch kommt ein Hyundai Kona e ohne Ladestopp über 1000 Kilometer weit – was die Marke in einer geschlossenen Versuchsanordnung auf dem Lausitzring bewies

Auf geschlossenem "Versuchsterrain" - in dem Fall dem Lausitzring - kamen die Kona Elektro je über 1.000 Kilometer weit. | Foto: Hyundai
Auf geschlossenem "Versuchsterrain" - in dem Fall dem Lausitzring - kamen die Kona Elektro je über 1.000 Kilometer weit. | Foto: Hyundai
Gregor Soller

Hyundai wollte es wissen: Auf dem Tri-Oval des Dekra Lausitzring traten drei Hyundai Kona Elektro an, um im Rahmen der Hyundai Reichweiten-Mission einen Effizienz-Rekord für Elektro-Pkw aufzustellen. Ziel der Mission: Mit einer einzigen Akkuladung sollte jedes Auto weiter fahren als 1.000 Kilometer. Diese im Englischen „Hypermiling“ genannte Herausforderung schafften die batterieelektrischen Konas souverän und blieben erst nach exakt 1018,7, 1024,1 und 1026,0 Kilometern stromlos stehen.

Bezogen auf die Akkukapazität von 64 Kilowattstunden (kWh) stellt jeder einzelne Wert einen echten Rekord dar, denn der Stromverbrauch der Autos lag mit 6,28, 6,25 und 6,24 kWh/100 km deutlich unter dem nach WLTP ermittelten Normwert von 14,7 kWh/100 km.

Alle Kona Elektro befanden sich bei der Ankunft am Lausitzring im Serienzustand, was einer Reichweite von 484 Kilometern nach WLTP-Norm entspricht. Zudem wurden die drei 150 KW/204 PS starken City-SUV während ihres dreitägigen Einsatzes von wechselnden Fahrern gesteuert, wobei fast alle den Tempomat nutzten. Dass beim erfolgreichen Effizienz-Rekord alles mit rechten Dingen zuging, gewährleistete die Sachverständigenorganisation Dekra, die seit 2017 den Lausitzring betreibt. Dekra-Ingenieure stellten sicher, dass alles korrekt ablief, überwachten die eingesetzten Fahrzeuge und führten Protokoll über jeden einzelnen der 36 Fahrerwechsel – eine wichtige Voraussetzung für die Seriosität und Aussagekraft der Hyundai Reichweiten-Mission.

Da so ein Praxistest bei keinem Volumenhersteller je unternommen worden ist, waren die Einschätzungen im Vorfeld entsprechend vorsichtig. Die Hyundai Techniker um Thilo Klemm, Leiter Aftersales Trainingszentrum, hatten eine theoretische Reichweite zwischen 984 und 1.066 Kilometer errechnet, wenn eine Fahrt simuliert würde, die mit Durchschnittsgeschwindigkeiten des innerstädtischen Verkehrs gefahren wird. Das war dann auch eine Herausforderung für die Teams, denn das stromsparende Fahren erforderte Konzentration und Geduld bei hochsommerlichen Temperaturen.

Drei Teams traten am Lausitzring gegeneinander an, wobei die alle „Autoerfahren“ sind: Ein Team aus Testfahrern der Fachzeitschrift ‚Auto Bild‘, eines mit Technikern aus dem Aftersales der Hyundai Motor Deutschland GmbH und ein weiteres Team, bestehend aus Mitgliedern der Hyundai Pressestelle und des Produktmanagementes der Marke. Der Einsatz von Klimaanlage war zwar nicht untersagt, aber keines der Teams wollte das Risiko eingehen, dass eine klimatisierte Fahrt bei bis zu 29 Grad Außentemperatur möglicherweise die entscheidenden Kilometer an Reichweite gekostet hätte. Aus demselben Grund blieb auch das Entertainmentsystem des Hyundai Kona Elektro stumm, der verfügbare Strom sollte allein dem Antrieb dienen. Lediglich das Tagfahrleicht blieb eingeschaltet, um den im Straßenverkehr gesetzlichen Vorgaben zu genügen. Als Bereifung kamen die serienmäßigen Leichtlaufreifen Nexen Nfera SU1 in der Dimension 215/55R17 zum Einsatz.

Die Durchschnittsgeschwindigkeit der Teams lag nach der Distanz von über 1.000 Kilometer bei immerhin zwischen 29 und 31 km/h. Das hört sich zunächst langsam an, muss aber auf der anderen Seite erst einmal im typischen innerstädtischen Verkehr mit Rush Hour und Ampelschaltungen sowie in den Tempo-30-Zonen der Wohngebiete erzielt werden. Am frühen Nachmittag des dritten Tages gab es dann erste Warnmeldungen der Elektrofahrzeuge im Display: Fällt die Kapazität der Akkus unter acht Prozent, empfiehlt der Bordcomputer des Hyundai Kona Elektro, eine Stromquelle aufzusuchen. Bei einer Restkapazität von nur noch drei Prozent des Akkus schaltete die Elektronik in den Notlaufmodus, sodass die volle Motorleistung nicht mehr abgerufen werden kann. Für die Fahrer gab es dadurch aber keine spürbaren Auswirkungen – sie sahen nur ein Schildkrötensymbol im Zentraldisplay aufleuchten. Und es zeigte sich, dass mit der dreiprozentigen Restkapazität die Fahrzeuge auf ihrer Effizienzfahrt immerhin noch rund 21 Kilometer weit kamen.

Was bedeutet das?

Tatsächlich sind innerstädtisch kaum 30 km/h Schnitt zu erreichen – auf der Runde er Vision mobility erreichen wir meist Schnitte zwischen 24 und 25 km/h, was hier den 30 Stopps geschuldet ist. Doch genau die kosten Strom, weshalb die Konas in der City unter Realbedingungen nicht so weit gekommen wären, denn das ständige Stopp-and-go kostet viel Strom. Trotzdem wurde klar: Wer viel in der Stadt mit niedrigen Geschwindigkeiten unterwegs ist, kommt im E-Auto sehr weit, während Verbrenner hier wegen des meist ungünstigen Lastbereiches hohe Verbräuche aufweisen. Wenn man dann davon ausgeht, dass in der Energiedichte der Akkus nochmal 30 Prozent Steigerung möglich sind, dürfte Reichweitenangst im Alltag tatsächlich eines Tages nicht mehr existieren.  

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