Hyundai Ioniq 5: Alles ganz neu!

Der Ioniq 5 ist das erste Modell der neuen elektrischen Hyundai-Submarke und startet bei 41.900 Euro brutto, das sind gut 35.210 Euro netto.

Der Hyundai 5 wurde auf einer neuen Plattform gebaut. | Bild: Hyundai
Der Hyundai 5 wurde auf einer neuen Plattform gebaut. | Bild: Hyundai
Gregor Soller

Der Ex-British-Leyland-Designer Harris Man dürfte sich freuen: Erinnert der neue Ioniq 5 doch optisch stark an den Leyland Princess, der 1975 in all seiner Kantigkeit das Licht der Welt erblickte und dank quer eingebauter Motoren auch schon als Raumwunder galt.

Das und viel mehr dürfte der erste Hyundai auf der „Electric Global Modular Platform“ (E-GMP) auch werden, der ab Frühsommer 2021 auf den Markt kommen und acht Jahre Garantie bieten soll. An den Seiten sorgen bündig abschließende Türgriffe, die auf Wunsch automatisch herausfahren, für ein klares Oberflächendesign und verbessern die Aerodynamik. Außerdem unterstützen seitliche Sicken die charakteristische Optik. Ein weiteres Highlight dieses auffälligen Exterieurs ist die markante Form der C-Säule, die wie die auf der IAA 2019 vorgestellte Konzeptstudie 45 einen 45-Grad-Winkel bildet.

Starke Ansage: Der Ioniq 5 ist das erste Modell auf der neuen „Electric Global Modular Platform“ (E-GMP)

Mit E-GMP setzt Hyundai auf 800-Volt-Technologie für besonders schnelle Ladevorgänge. Dazu kommt die Vehicle-to-Load-Funktion, mit der der Fahrer den Batteriestrom inner- und außerhalb seines Fahrzeugs nutzen kann.

Mit einer Länge von 4.635 Millimetern, einer Breite von 1.890 Millimetern und einer Höhe von 1.605 Millimetern bei einem üppigen Radstand von 3.000 Millimetern ist das Platzangebot des E-CUV vergleichbar mit einem Fahrzeug aus dem D-Segment, das der eingangs erwähnte, 4,46 Meter kurze Leyland Princess übrigens auch war. Im Kofferraum stehen bis zu 531 Liter zur Verfügung, die sich bei vollständig umgeklappten Rücksitzen auf fast 1.600 Liter vergrößern lassen. Zusätzlichen Stauraum bietet ein Fach unter der Motorhaube (Frunk) mit bis zu 57 Litern (28 bei Allrad) Fassungsvermögen für kleinere Gepäckstücke, Kabel oder Geräte.

Hyundai verwendet bei der Haube vorn erstmals eine sogenannte „Clamshell“-Motorhaube. Sie zieht sich über die Kotflügel bis zu den Radhäusern und erstreckt sich wie eine Muschelschale über die gesamte Fahrzeugbreite. In Kombination mit den dadurch geringen Spaltmaßen soll sich so ein formschönes, hochwertiges Gesamtbild mit optimalen aerodynamischen Eigenschaften bieten. Außerdem hilft eine solche (teurer herzustellende) Haube auch beim Fußgängerschutz. Typisch für die neuen Hyundai: In den V-förmigen vorderen Stoßfänger sind markante Tagfahrleuchten, sogenannte „Parametric Pixels“, integriert. Sie beruhen auf der kleinsten Einheit der digitalen Bildgebung und verleihen dem Ioniq 5 seine unverwechselbare Lichtsignatur, die sich zugleich auch in den Heckleuchten wiederfindet. Mit dem Ioniq 5 verfügt zudem erstmals ein elektrisches Modell von Hyundai über 20-Zoll-Räder, die hinsichtlich ihrer aerodynamischen Eigenschaften optimiert wurden.

Die Kunden können aus insgesamt neun Außenfarben wählen, darunter fünf von der Natur inspirierte, neue Farbtöne, die exklusiv für den Ioniq 5 angeboten werden: Dazu gehören die zwei Optionen mit mattem Finish Gravity Gold und Shooting-Star Grey sowie die Mineraleffekt-Lackierungen Digital Teal (blaugrün), Mystic Olive, Lucid Blue und Phantom Black. Weitere verfügbare eher langeilige Außenfarben sind neben Atlas White die Metallic-Lackierungen Galactic Grey und Cyber Grey. Für den Innenraum stehen die Farboptionen schwarz, hellgrau sowie hellgrau mit blaugrünen Akzenten zur Wahl.

Jetzt auch bei Hyundai: Interieur mit Wohnraumcharakter

Bei der Gestaltung des Interieurs war es den Hyundai-Designern besonders wichtig, dem Fahrzeug einen Wohnraumcharakter zu verleihen. Dessen Herzstück stellt eine innovative Mittelkonsole dar, die als eine Multifunktions-Insel fungiert. Sie lässt sich um bis zu 140 Millimeter zurückschieben. In Kombination mit dem flachen Boden soll diese ein flexibles Ein- und Aussteigen der Insassen ermöglichen, zudem mehr Bewegungsfreiheit und ein hohes Maß an Komfort. Dazu kombiniert Hyundai sehr flexibel einstellbare, beheizbare Vordersitze mit ausklappbarer Beinauflage und Relax-Funktion. Fahrer und Beifahrer können sich in einem ergonomisch optimalen Winkel zurücklehnen, beispielsweise um sich während eines Ladevorgangs auszuruhen. Auch die Passagiere in der zweiten Reihe profitieren von den dünnen Vordersitzen, bei denen Hyundai das Volumen der Lehnen um 30 Prozent reduziert hat. Der dadurch gewonnene Raum kommt der Beinfreit der Fondpassagiere zugute. Die Rücksitzbank lässt sich umklappen und ebenfalls elektrisch um bis zu 135 Millimeter verschieben.

Umweltfreundliche, nachhaltig gewonnene Materialien innen sollen den ganzheitlich ökologischen Leitgedanken des Ioniq 5 konsequent fortsetzen. Die Sitze sind mit einem Leder verkleidet, das mit Pflanzenölextrakten aus Leinsamen gefärbt und behandelt wurde. Weitere Polsterungen bestehen aus Textilien, die aus nachhaltigen Fasern wie Bio-Zuckerrohr, Wolle und Garnen auf Pflanzenbasis hergestellt werden. Hyundai verwendet dabei auch Stoffe, die aus Fasern recycelter PET-Plastikflaschen gewebt sind. Oberflächen wie das Armaturenbrett, die Schalter, das Lenkrad und die Türverkleidungen sind mit einem Polyurethan-Biolack beschichtet, der aus Raps- und Mais-Öl gewonnen wird.

Ein optionales Solardach soll jährlich bis zu 2.000 km Reichweite im Jahr bringen

Der Ioniq 5 kann neben einem optionalen Panoramaglasdach auch mit einem umweltfreundlichen Solardach ausgestattet werden, das über die Solarzellen Energie aufnimmt. Unter optimalen Bedingungen soll so eine zusätzliche Reichweite von bis zu 2.000 Kilometern im Jahr generiert werden.

Beim Ioniq 5 kann der Kunde zwischen mehreren elektrischen Antriebskonfigurationen wählen. Dank der neuen E-GMP stehen je nach Leistungsstufe bis zu zwei Elektromotoren, Heck- oder Allradantrieb zur Verfügung. Zusätzlich hat der Kunde die Wahl zwischen einer 58-kWh- oder einer stärkeren 72,6-kWh-Batterie. Alle Varianten werden 185 km/h abgeregelt. Topmotorisierung ist ein 155-kW-Heckmotor und ein 70-kW-Frontmotor. Beide zusammen bieten mit einem dynamischen Allradantrieb 225 kW respektive mit 306 PS. Erstaunlicherweise erreicht Hyundai hier exakt den Wert vieler Marktbegleiter. In Verbindung mit der 72,6-kWh-Batterie soll diese Variante eine Reichweite von rund 480 Kilometern nach WLTP-Norm (vorläufiger Wert) erreichen und beschleunigt in 5,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h. In Kombination mit der 58-kWh-Batterie leisten die E-Motoren 120 kW an der Hinter- und 53 kW an der Vorderachse (zusammen 235 PS). Die 100-km/h-Marke durcheilt diese Konfiguration nach 6,1 Sekunden.  

Darunter rangieren die Hecktriebler: Mit der großen Batterie und Heckantrieb leistet der Elektromotor 160 kW/218 PS. Bei allen Ausführungen des Ioniq 5 liefert der Heckmotor 350 Nm, der Frontmotor 255 Nm. In Verbindung mit der kleinen Batterie leistet das Elektrotriebwerk 125 kW/170 PS. Der Preis für diese Einstiegsvariante startet bei 41.900 Euro (Der neue Hyundai Ioniq 5 steht noch nicht zum Verkauf. Die Homologation und die Kraftstoffverbrauchsermittlung der deutschen Länderausführung erfolgen unmittelbar vor der Markteinführung).

Bis zu 1,6 Tonnen Anhängelast

Dafür erhält der Kunde unter anderem die 800-Volt-Technologie, Voll-LED-Scheinwerfer, LED-Rückleuchten, 19-Zoll-Leichtmetallfelgen, zwei 12,25-Zoll-Bilschirme für das Cockpit und das Navigationssystem, eine Rückfahrkamera, beheizbare Vordersitze sowie umfangreiche Sicherheitssysteme, darunter eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage und eine intelligente Verkehrszeichenerkennung serienmäßig. Als einer der wenigen Elektro-Pkw kann der Ioniq 5 Anhänger mit einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 1.600 Kilogramm ziehen.

Laden: Mit 400 oder 800 Volt in zwei Richtungen – samt Außensteckdose!

Der Ioniq 5 lädt sowohl an 400-Volt als auch an 800-Volt-Ladepunkten, ohne dass zusätzliche Komponenten oder Adapter erforderlich sind. Bei diesem Multi-Ladesystem handelt es sich um eine von Hyundai entwickelte und patentierte Technologie für hohe Ladekompatibilität.

An einer 350-kW-Schnellladesäule lädt die Hochvoltbatterie laut Hyundai in nur 18 Minuten von 10 auf 80 Prozent ihrer Kapazität. Eine Ladedauer von fünf Minuten genügt nach Aussage der Koreaner für eine Reichweite von 100 Kilometern nach WLTP-Norm. Darüber hinaus kann der Kunde auf die bidirektionale Ladefähigkeit (Vehicle-to-Load, V2L) zurückgreifen. Hiermit lassen sich während der Fahrt oder im Stand beliebige elektrische Geräte wie E-Bikes, E-Scooter oder Notebooks mit bis zu 230-Volt-Wechselstrom speisen. Die V2L-Funktion liefert eine Leistung von bis zu 3,6 Kilowatt. Um Strom zu beziehen, verfügt der Ioniq 5 über zwei V2L-Anschlüsse: Einer befindet sich unter den Sitzen der zweiten Reihe, ein weiterer am Ladeanschluss an der Fahrzeugaußenseite, der mithilfe eines Adapters für 230-Volt-Endgeräte genutzt werden kann.

Auch bei Konnektivität und Infotainment fährt Hyundai groß auf

So verfügt das breite digitale Cockpit serienmäßig über ein 12,25-Zoll-Display, dessen Anzeigen der Fahrer nach seinen individuellen Wünschen anpassen kann. Ergänzt wird es ab Werk durch ein ebenfalls 12,25 Zoll großes Touchscreen-Display für das Infotainment-System inklusive Apple CarPlay und Android Auto. Als erstes Hyundai Fahrzeug wartet der Ioniq 5 mit einem um Augmented-Reality-Funktionen erweiterteten Head-Up-Display (AR HUD) auf. Es verwandelt die Windschutzscheibe auf Wunsch in einen überdimensionalen Bildschirm mit einer Diagonalen von 44 Zoll, auf dem die wichtigsten Fahr- und Fahrzeuginformationen direkt in das Sichtfeld des Fahrers projiziert werden. Ein Premium-Audiosystem von Bose mit acht Lautsprechern, einschließlich eines Subwoofers, soll für ein hochwertiges Klangerlebnis sorgen.

Der Ioniq 5 ist auch der erste Hyundai mit dem Autobahnassistenten der zweiten Generation (HDA 2). Mithilfe von Frontkamera- und Radarsensoren sowie Navigationsdaten hält das System das Auto durch gezielten Lenk- und Bremseinsatz sowohl in der Mitte der Fahrspur als auch den vorgewählten Abstand zum vorausfahrenden Wagen. Neu ist beim HDA 2 die Unterstützung des Fahrers auch bei einem Spurwechsel. Weitere Fahrassistenzsysteme sind unter anderem ein autonomer Notbremsassistent, ein aktiver Totwinkelassistent, eine intelligente Verkehrszeichenerkennung, ein Aufmerksamkeitsassistent sowie ein Fernlichtassistent.

Künftig auch Updates Over-the-Air

Außerdem hat Hyundai bei den Telematikdiensten Bluelink nachgelegt. Neben den bekannten Funktionen wie dem Starten des Ladevorgangs aus der Ferne mit der dazugehörigen Smartphone-App sind neue Dienste verfügbar. Dazu gehören beispielsweise eine verbesserte Sprachsteuerung, Connected Routing, Last Mile Navigation und die Speicherung von bis zu drei Benutzerprofilen. Demnächst wird Hyundai im Rahmen der Bluelink Telematikdienste neue cloudbasierte Fahrzeugservices einführen, mit denen sich Funktionen via Softwareupdate (Over-the-Air) freischalten bzw. nachrüsten lassen.

Zwei weitere Ioniq-Modelle bis 2024 geplant

Mit der Submarke Ioniq, die die beiden Begriffe „IonN“ und „Unique“ miteinander verbindet, will Hyundai seine Modellpalette im Bereich der alternativen Antriebe ausbauen. Dafür sind weitere Fahrzeuge geplant: Neben dem Ioniq 5 sollen die Sportlimousine Ioniq 6 und das große elektrische SUV Ioniq 7 die Palette erweitern, womit man auch die Premiummarken angreift.

Für schnell Entschlossene bietet Hyundai ab sofort die Möglichkeit, sich auf der Webseite einen von weltweit auf 3.000 Stück begrenzten Ioniq 5 mit dem exklusiven „Project 45 Paket“ zu reservieren. Das exklusive Sondermodell kostet 59.550 Euro brutto (das sind knapp 50.050 Euro netto), dabei ist im Preis je nach gewählten zusätzlichen Optionen ein Kundenvorteil von rund 5.000 Euro enthalten. Die limitierte Paketvariante Project 45 beinhaltet unter anderem die große 72,6-kWh-Batterie, Allradantrieb, Vordersitze mit Relax-Funktion, eine elektrisch verschiebbare Rücksitzbank, ein Solardach und 20-Zoll-Leichtmetallfelgen. Die IONIQ 5 mit Project 45 Paket werden mit Vorrang ausgeliefert und sind zum Marktstart somit die ersten Fahrzeuge in Kundenhand. Vorbesteller des limitierten E-CUV profitieren neben dem Preisvorteil von weiteren exklusiven Vorzügen wie Produktvideos, Bilder und News-Updates. Noch spannender vor allem für Langstreckenkunden: Frühbesteller des Project 45 Pakets erhalten automatisch zwei Jahre lang Zugang zum Schnelllade-Netzwerk von Ionity ohne Grundgebühr.

Was bedeutet das?

Hyundai meldet sich zurück: Und zwar elektrisch in der (oberen) Mittelklasse, wo man mit dem neuen Ioniq auf einmal nicht nur eine starke Alternative zum Ford Mustang Mach-E, Nissan Ariya, VW ID.4 oder Tesla Model 3 bietet, sondern auch einen interessanten Gegenspieler für Audi A4, BMW Dreier respektive i4 oder Daimlers C-Klasse.

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