Hyundai feiert 30 Jahre Elektromobilität

Die Koreaner sehen sich als Vorreiter: Seit langem investiert man in den Antrieb mit Strom und feiert 30 Jahre Elektromobilität. Doch erst mit dem Ioniq 2016 war der Markt soweit und das E-Geschäft nahm Fahrt auf.

Im Jahr 2000 stelle Hyundai das Santa Fe Fuel Cell Electric Vehicle Konzept vor. Bild: Hyundai
Im Jahr 2000 stelle Hyundai das Santa Fe Fuel Cell Electric Vehicle Konzept vor. Bild: Hyundai
Lydia Hällmeyer

Die Bereitstellung sauberer Mobilität und die Förderung einer nachhaltigen Zukunft des südkoreanischen Automobilherstellers sieht man auch mit dem kürzlich veröffentlichten Electromobility Report 2020 des Center of Automotive Management (CAM) unterstrichen. Er untersucht Markt- und Innovationstrends von Elektrofahrzeugen in Deutschland, der EU, den USA und China. Hier soll Hyundai den dritten Platz belegen und sich im Vergleich zum Vorjahr um zwei Plätze verbessert haben.

1990 – Hyundai beginnt Entwicklung erster elektrifizierter Fahrzeuge

Zu Beginn der 90er Jahre fiel bei Hyundai laut eigenen Angaben der Startschuss zur Entwicklung von elektrifizierten Fahrzeugen und das Unternehmen präsentierte 1991 mit dem Hyundai Sonata sein erstes batteriebetriebenes Elektrofahrzeug. Das auf dem Sonata Sedan basierende Konzept verfügte über eine Blei-Säure-Batterie und bot eine Reichweite von 70 Kilometern sowie eine Höchstgeschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde. In den Jahren danach folgten weitere Hyundai Elektrofahrzeug-Konzepte mit Blei-Säure-Batterie.

Somit erschien im Jahr 1992 ein auf dem Hyundai Excel basierendes Elektrofahrzeug mit einer Reichweite von 100 Kilometern und einer Höchstgeschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde. Ein Jahr später brachte der Automobilhersteller das zweite Elektrofahrzeug auf Sonata-Basis mit einer Reichweite von 140 Kilometern und einer Höchstgeschwindigkeit von 120 Kilometern pro Stunde auf den Markt.

Im Jahr 1995 folgte ein auf dem Hyundai S-Coupe basierendes Elektrofahrzeug mit einer Reichweite von 140 Kilometern und einer Höchstgeschwindigkeit von 120 Kilometern pro Stunde. Die Eröffnung des Forschungs- und Entwicklungszentrums im südkoreanischen Namyang stellte für Hyundai im Jahr 1995 einen besonders wichtigen Schritt in der Weiterentwicklung seiner Elektrofahrzeuge dar. Jetzt kamen erstmals Nickel-Metallhydrid-Batterien zum Einsatz, wie zum Beispiel im Accent Elektro-Konzept. Die Reichweite des Fahrzeuges wuchs auf 390 Kilometer und es fuhr bis zu 140 Kilometer pro Stunde schnell. Zur selben Zeit führte Hyundai die ersten Tests mit Hybridantrieben durch. Das erste Hybrid-Fahrzeug des Unternehmens, das FGV-1-Konzept, wurde 1995 auf der Seoul Motor Show der Öffentlichkeit präsentiert.

2000 – Fortschritte in der Brennstoffzellentechnologie

Im Jahr 1998 begann Hyundai zusätzlich mit der Entwicklung von Brennstoffzellenfahrzeugen. Zwei Jahre später wurde der erste Prototyp eines Brennstoffzellefahrzeuges, das Santa Fe Fuel Cell Electric Vehicle Konzept, vorgestellt. Es war das erste Brennstoffzellenfahrzeug mit einem 350-Bar-Wasserstofftank, das mit einer 75-kW-Brennstoffzelle ausgestattet war und 230 Kilometer mit einer Tankfüllung zurücklegen konnte. Auf dem Genfer Autosalon 2004 kündigte Hyundai mit dem Tucson FCEV sein Brennstoffzellenkonzept der zweiten Generation mit einer neuen Lithium-Polymer-Batterie an.

Darin fanden sich eine Reihe technischer Weiterentwicklungen, darunter ein 80-kW-Brennstoffzellenstapel und ein 152-Liter-Wasserstofftank, wodurch Reichweiten von 300 Kilometern möglich wurden. Darüber hinaus verfügte der Tucson FCEV über eine Kaltstartfähigkeit und konnte auch bei Temperaturen von bis zu -20 Grad Celsius gefahren werden. Bei alternativen Antriebssystemen behauptete sich der Hersteller mit der Einführung des Produktionsmodells Avante LPI Hybrid im Jahr 2009 – das weltweit erste Hybridfahrzeug, das von einem Verbrennungsmotor mit Flüssiggas angetrieben wurde. Der LPI Hybrid war zugleich das erste Serienfahrzeug von Hyundai mit einer Lithium-Polymer-Batterie.

2010 – Hyundai wird zum Vorreiter bei der Mobilität der Zukunft

Nach zwei Jahrzehnten umfangreicher Forschung und neuer Konzepte lief bei Hyundai ab dem Jahr 2010 die Serienfertigung von Elektrofahrzeugen an. Im September desselben Jahres enthüllte Hyundai in Seoul den BlueOn, sein erstes rein elektrisches Serienfahrzeug, das ausschließlich für den südkoreanischen Markt vorgesehen war. Es basierte auf dem i10 Modell und bot eine Reichweite von 140 Kilometern sowie eine Höchstgeschwindigkeit von 130 Kilometer pro Stunde. Im Fahrzeug war ein 16,4 kWh Lithium-Polymer-Akku verbaut, der sich in sechs Stunden wieder vollständig aufladen ließ.

Im Jahr 2011 begann der Verkauf des Hyundai Sonata Hybrid, der bereits auf der Los Angeles Auto Show 2008 angekündigt worden war. Der Sonata Hybrid war nicht nur das erste konventionelle Vollhybrid-Fahrzeug mit Lithium-Ionen-Polymerbatterien, sondern auch das erste Hybrid-Fahrzeug mit der Hyundai Blue-Drive-Technologie, die den Kraftstoffverbrauch verbessern, und die Abgasemissionen verringern sollte.

Mit dem ix35-Brennstoffzellenfahrzeug, dem ersten in Serie hergestellten Brennstoffzellenfahrzeug der Welt, setzte Hyundai im Jahr 2013 einen wichtigen Meilenstein in seiner Unternehmensgeschichte. Der ix35 hatte eine Leistung von 100 kW und war mit einem 5,64 kg Wasserstofftank sowie einer 24 kWh Lithium-Polymer-Batterie ausgestattet. Das Fahrzeug überzeugte durch eine schnelle Betankungszeit sowie eine Reichweite von 600 Kilometern.

Im Jahr 2016 stellte Hyundai mit dem Ioniq das weltweit erste Fahrzeug vor, das für den Einsatz von drei alternativen Antriebssystemen entwickelt wurde. Die elektrische Version des Ioniq wartet mit einer 28 kWh Lithium-Ionen-Polymer-Batterie und einer Reichweite von 200 Kilometern auf (Stromverbrauch in kWh/100 km kombiniert: 13,8; CO2-Emissionen in g/km kombiniert: 0). Leichtbau soll ein weiteres charakteristisches Merkmal des neuen Hyundai Ioniq darstellen. Bei der Karosserie sind Stahl und Aluminium kombiniert, um das Fahrzeuggewicht und damit den Verbrauch zu senken. Zudem kommen laut Hersteller recycelte und organische Materialien zum Einsatz.

Mit dem Hyundai Nexo brachte der Konzern im Jahr 2018 sein Brennstoffzellenfahrzeug der zweiten Generation auf den Markt (Kraftstoffverbrauch (Wasserstoff) in kg H2/100 km: innerorts 0,77; außerorts 0,89; kombiniert: 0,84; CO2-Emissionen in g/km kombiniert: 0). Der Nexo bietet eine Reichweite von 666 Kilometern und verbindet saubere Mobilität mit den neuesten autonomen Fahrfunktionen sowie intelligenten Fahrassistenzsystemen. Im gleichen Jahr kündigte Hyundai mit dem Kona Elektro das weltweit erste elektrische SUV in Serie an. Das vollelektrische Fahrzeug ist in zwei Batterieversionen mit 39,2 kWh und 64 kWh erhältlich und ermöglicht mit einer einzigen Ladung eine Reichweite von bis zu 484 Kilometern.

2020 – Das Jahr der Elektromobilität

Nach 30 Jahren in der Entwicklung alternativ angetriebener Fahrzeuge ist Hyundai laut eigenen Angaben der weltweit einzige Hersteller, der mit Hybrid, Plug-in-Hybrid, 48 Volt-Hybrid, Elektro und Brennstoffzelle alle wichtigen alternativen Antriebsarten in Serie anbietet. 2020 ist für Hyundai das Jahr der Elektromobilität. Bis Ende des Jahres plant der Autohersteller, mehr als drei Viertel seiner Produktpalette in Europa zu elektrifizieren. In Deutschland nimmt das Interesse an umweltfreundlichen Modellen kontinuierlich zu. So konnte der Hersteller in Deutschland im vergangenen Jahr mehr als 10.000 Fahrzeuge mit alternativen Antrieben verkaufen. Darüber hinaus bringt das Unternehmen auch die Elektrifizierung von Rennwagen und Nutzfahrzeugen voran und will bis 2025 zu einem der drei größten Anbieter von Elektrofahrzeugen in Europa werden.

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