Hyundai: Europa-Fertigung für E-Kona soll "Jahr der E-Mobilität" einläuten

Mit Start der Produktion im Werk Nosovice verdreifacht man die Kapazität, verkürzt die Lieferzeit und legt bei der Reichweite nochmal nach: auf 484 km nach WLTP. Regionale Lieferkette ermöglicht trotz Corona Stückzahlen bis 150 Fahrzeuge täglich.

Da geht noch mehr: Hyundai launcht die europäische Fertigung des Kona Electric und will damit der hohen Nachfrage nachkommen. | Foto: J. Reichel
Da geht noch mehr: Hyundai launcht die europäische Fertigung des Kona Electric und will damit der hohen Nachfrage nachkommen. | Foto: J. Reichel
Johannes Reichel

Hyundai hat die Produktion des Kona Electric mit 64 kWh-Batterie und 150 kW-Antrieb in seinem einzigen europäischen Werk im tschechischen Werk Nosovice gestartet. Der Hersteller will damit die hohe Nachfrage nach dem vollelektrisch angetriebenen Kompakt-SUV bedienen und die Lieferzeiten deutlich verkürzen. Diese lägen dann laut der Aussage von Hyundai-Deutschland-Geschäftsführer Jürgen Keller nicht länger als bei normalen Fahrzeugen, zwischen drei und vier Monaten, falls ein komplett individuelles Fahrzeug konfiguriert wird. Bei Standardmodellen soll die Lieferzeit sogar noch kürzer sein. Generell hilft hier auch die Verkürzung der Transportwege, die normalerweise aus dem koreanischen Werk etwa vier Wochen ausmacht.

„Die verringerten Lieferwege sparen nicht nur Zeit ein, sondern verringern auch den CO2-Ausstoß immens. Zugleich wird der Standort Europa gestärkt", erklärt Keller.

Neues Feature für den Kunden: Er kann dank eines sogenannten ETA-Tools (Estimated Time of Arrival) den gesamten Produktionsweg verfolgen. Dank einer regional ausgerichteten Zulieferkette lief die Produktion trotz der weltweiten Verwerfungen im Zuge der Corona-Virus-Krise mit normalem Tempo. 

Zellen von SK Innovation aus Ungarn, paketiert in Tschechien

So stammen etwa die Zellen der Batterien nicht wie in Korea von LG Chem, sondern vom in Ungarn mit einer Zellfertigung ansässigen koreanischen Spezialisten SK Innovation. Sie werden im Werk von der Hyundai-Tochter Mobis paketiert, etwa mit einem Blech- und Akugehäuse versehen und in den Produktionsprozess eingesteuert. Um die gesamte Fertigung für die Produktion des BEV-Modells zu ertüchtigen, hat der Hersteller 72 Millionen Euro investiert. Etwa in ein spezielles Batterielager, das mit Thermosensoren überwacht wird und in sogenannte AGVs, die die 450 Kilo schweren Lithium-Polymer-Akkus automatisiert ans Band transportieren. Außerdem wurde neben Änderungen an der Fertigungslinie eine neue Fertigungsstufe für den Einbau der elektrischen Batterie installiert, die die gesamte Produktionslinie um 15 Meter verlängert. Zudem ergänzte man in der Lackiererei ein neues System, um das beim Kona verfügbare Feature der Zweifarblackierung realisieren zu können.

Am gleichen Band mit konventionellen Modellen

In Nosovice können bis zu 150 Kona Electric täglich am gleichen Band mit den konventionellen Modellen i30 sowie Tuscon gefertigt werden. Geplant sind für dieses Jahr 30.000 Einheiten, ab nächstem Jahr sollen es dann die kompletten 35.000 Exemplare sein. In Europa wird einstweilen nur die Top-Variante des Kona gebaut, die Version mit 39 kWh-Akku sowie 100-kW-Motor kommt weiterhin aus Korea. Dort wurde die Kapazität jetzt ebenfalls aufgestockt. "Sollten wir feststellen, und das ist durchaus denkbar, dass die Nachfrage nach der kleineren Version zunimmt, wäre der Konzern so flexibel, das an den Bedarf anzupassen", meint Keller.

Nach seinem Dafürhalten könnte auch die Variante mit kleinerem Antriebsset und 289 km Reichweite nach WLTP für die meisten Nutzer genügen. Zumal man mit einem attraktiven Einstiegspreis für das üppig ausgestattete Sondermodell Advantage lockt, der abzüglich 8.000 Euro Prämie bei 30.400 Euro liegen soll. In den höheren Ausstattungspaketen und bei der 64 kWh-Version ist generell jetzt auch ein 11-kW-Bordlader verbaut, der die Ladezeit im AC-Modus um 50 Prozent verkürzen soll.

Mehr Komfort und mehr Reichweite dank Michelin-Reifen

Darüber hinaus wertet der Hersteller zum neuen Modelljahr und mit dem europäischen Start den Kona Electric weiter auf: Dank einer neu abgestimmten Hinterachsfederung soll das Fahrzeug jetzt komfortabler und leiser fahren. Vor allem will man durch den Wechsel des Reifenanbieters von Nexon zu Michelin weitere 35 Kilometer an Reichweite erzielen, womit das Fahrzeug im WLTP 484 km mit einer Batterieladung weit rollen soll.

Hyundai wird durch die Erhöhung der Kapazitäten in diesem Jahr über 80.000 emissionsfreie Fahrzeuge an Kunden in Europa ausliefern können. Damit will man 2020 zum größten Anbieter von umweltfreundlichen Fahrzeugen in Europa aufzusteigen, wie es heißt. Bis 2025 wollen die Koreaner 670.000 BEV und FCEV produzieren. Für 2021 kündigte Keller ein weiteres rein batterieelektrisches Fahrzeug an. In Deutschland verzeichnete 2019 man einen steilen Anstieg der Nachfrage nach rein elektrisch angetriebenen Modellen um 140 Prozent und habe 5.000 reine BEV bei 10.000 alternativ angetriebenen Modellen und gesamt 129.500 vertriebenen Fahrzeugen verkauft, berichtete Keller weiter. Drei Viertel dieses Volumens würden im Übrigen auch in Europa produziert, wie der Geschäftsführer betonte.

Alleinstellung: 8 Jahre Garantie auf das Gesamtfahrzeug

Aufgrund der erhöhten Umweltprämie von 8.000 Euro, für die der Hersteller schon vor dem offiziellen Start des staatlichen Förderprogramms in die Vorleistung gegangen war, habe man bereits 2.000 zusätzliche Aufträge in 2020 verzeichnet. Dazu kommt eine 8-Jahres-Garantie über 160.000 Kilometer auf das Gesamtfahrzeug und den Akku: "Das ist eine absolute Alleinstellung im Markt und ein wichtiges Kritierium beim Wiederverkauf", ist sich Keller sicher. Zudem bietet man ein festes Wartungspaket für fünf Jahre an.

Man wolle 2020 zum "Jahr der Elektromobilität" machen, kündigte der Manager weiter an. Dazu zählt auch die weitere Ertüchtigung des Handels, der mit speziellen Trainings und Beratung sowie Werkstattausrüstung für die E-Mobilität qualifiziert werden soll. Den Kunden will man den Einstieg mittels einer Wallbox-Flatrate erleichtern, die auch die Installation beeinhaltet und fest in die Leasingrate mit aufgenommen werden kann, für etwa 40 bis 50 Euro Mehrpreis monatlich, wie Keller ankündigte. 

Innovativ: Digitaler Showroom mit individuellem Berater

Zudem liegt jedem Fahrzeug eine Ladekarte von EnBW bei, mit der sich an 95 Prozent der Ladesäulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz Energie beziehen lässt. Zum Vorzugspreis, wie Keller betont: Ohne Grundpreis könnten Hyundai-Fahrer für 29 ct/kWh im AC-Bereich laden, bei DC ist es ein Fixpreis von 39 ct/kWh. Zudem stehe die bereits avisierte Beteiligung am Ionity-Ultraschnellladenetzwerk vor dem Start. Neue Wege beschreitet man auch im Vertrieb. Hier richtete man einen digitalen Showroom ein, in dem Kunden per Einrichtungs-Kameraverbindung mit einem der sechs Berater in Kontakt treten und sich einer Live-Schaltung individuell beraten lassen können.

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