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Hyundai Blue Link: Großer Schritt in Sachen Telematik und Infotainment

Mit Blue Link führt Hyundai ein Telematiksystem für seine Pkw-Modelle ein, das auch für Flotten interessant werden könnte.

Hyundais Blue-Link-Experte Lars Müller erklärt die neuen Funktionalitäten im Ioniq. | Foto: Thorsten Weigl
Hyundais Blue-Link-Experte Lars Müller erklärt die neuen Funktionalitäten im Ioniq. | Foto: Thorsten Weigl
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Gregor Soller

Im Zuge der Ioniq-Fahrpräsentation in Offenbach demonstrierte Hyundai auch sein neues „Blue Link“-System, das im Prinzip natürlich mit Kias „UVO“ verwandt ist und dessen Kommunikation sich auf eine Vodaphone-Simkarte stützt, wie Lars Müller, Blue Link-Experte bei Hyundai erklärt. Vorreiter ist bei Hyundai einmal mehr der Ioniq, in dem Blue Link ab Sommer 2019 „on air“ geht. Dahinter steckt die vom Konzern entwickelte App für Android- und Apple-Smartphones, die in anderen Märkten (Korea, USA) bereits ausgerollt wurde. Über die App findet der Nutzer alle relevanten Daten zu seinem Fahrzeug: Nachrichten, vorhandene Reichweite, Batterieladezustand, Fahrzeugposition, Fahrtendauer, Status. Blue Link überprüft auch alle Fahrzeugsysteme in Echtzeit und meldet auf Abfrage mögliche Fehler. Zu diesem Fahrzeug-Report gehören beispielsweise der Reifendruck, Airbag, Stoßdämpfer, Bremsen, Lenkung, Antriebs- und Assistenzsysteme und bei Fahrzeugen mit elektrischen Antrieben auch die Batterie. Interessante Daten auch für Flotten- oder Mobilitätsmanager.

Vor allem für den elektrischen Ioniq ist relevant, dass man ihn per Blue Link vorheizen oder kühlen kann, solange er noch am Strom hängt. Diese Funktion gibt es auch nur für batterieelektrische Elektrofahrzeuge. Dazu kommen die üblichen Funktionalitäten wie Scheiben-, Spiegel- und Lenkradheizung einschalten, die Zentralverriegelung ver- und entriegeln, Licht und Hupe aktivieren. Beim neuen Ioniq Plug-in-Hybrid oder dem Ioniq Elektro sowie dem neuen Modelljahr des Kona Elektro überwacht und steuert der Fahrer mit Hyundai Blue Link das Laden der Batterie, außerdem wird der Ladestatus angezeigt. Und das Ganze kann man natürlich von der Wohnzimmercouch respektive vom Bürostuhl aus steuern.

Gleiches gilt für die nächste Route mit unterschiedlichen Zwischenzielen, die man App zusammenstellen und direkt ans Navigationssystem des Ioniq senden kann, das in der Praxis übrigens mit klaren Ansagen und zügigen Rechenzeiten punkten konnte. Alle Ziele können auch per WhatsApp, E-Mail oder Kurznachricht an Freunde oder Kollegen versendet werden. Blue Link liefert im Idealfall aktuelle Stauwarnungen und darauf aktualisierte Routenempfehlungen. Auch beim Parken unterstützt Blue Link: Es zeigt freie Parkmöglichkeiten am aktuellen sowie am Zielort, zeigt Tankstellen und Werkstätten sowie den Wetterbericht am gewünschten Ort. Allerdings nur in der Qualität, indem das System unterstützt wird, heißt: „Smarte“ Parkhäuser können exakte Stellplatzangaben machen, freie Parkplätze werden teils nach „Gefühl“ erhoben: In dem Fall steht meist ein Algorithmus aus verschiedenen Verkehrsdaten bereit, der dann aber eher „Vermutungen“ abgibt, ob noch Parkraum vorhanden sein könnte oder nicht.

Auch Hyundai bringt mit dem Ioniq jetzt (endlich) die automatische Notruffunktion „eCall“, welche die Rettungsleitstelle über den genauen Unfallort, den Unfallzeitpunkt, den Fahrzeugtyp und die Treibstoffart informiert. Hyundai war so intelligent, den roten Notknopf im Dachhimmel eben wie einen typischen Notalarmknopf hinter eine „Sicherheitsscheibe“ zu legen, dass er nicht versehentlich bedient werden kann. Bei manch anderen Fabrikaten kann man den roten Button nämlich gern mit dem Schiebedach oder der Innenbeleuchtung verwechseln.

Für Flotten interessant wäre das Telematiksystem, das jede Fahrt kilometergenau aufzeichnen kann und die dazugehörigen Kalenderdaten speichert. Leider bietet Hyundai hier noch kein Komplettsystem mit hinterlegtem Abrechnungsmodus an, so dass Flotten elektronische Fahrtenbücher extern „organisieren“ müssen. Auf Nachfrage kann sich Blue Link-Experte Lars Müller aber vorstellen, das Thema Telematik für Flotten künftig zu vertiefen.

Auch die Online-Spracherkennung wurde verbessert: Zwar muss man immer noch einigermaßen exakt sagen, was man möchte, wie zum Beispiel „Fahre mich zur nächsten Pizzeria oder fahre mich zum nächsten Hotel“ – doch immerhin versteht einen das System weitestgehend. Die bei vielen Herstellern immer noch typische Antwort „Ich habe sie nicht verstanden“ verkniff sich unser Test-Ioniq. Hyundai wird Blue Link schrittweise einführen. Bereits ab Sommer 2019 ist das System im neuen Ioniq zu haben, ab September im Nexo und ab Oktober im Hyundai Kona Elektro. Weitere Baureihen folgen ab 2020.

Was bedeutet das?

Auch bei der Digitalisierung geht Hyundai einen Schritt nach dem anderen und führt schrittweise ein durchdachtes System ein, dass intuitiv zu bedienen ist, bereits sehr viel kann, den Nutzer aber nicht mit seiner gewaltigen Fülle samt diverser Ebenen überfordert. Auch hier finden sich parallelen zu VW: In Sachen Telematik und Infotainment lassen die Koreaner gern anderen den Vortritt, um dann mit etwas Verzögerung eine durchdachte und ziemlich funktionssichere eigene Lösung anzubieten.

 

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