Hypermotion THINK TANK: Warum die Lichter trotz Umstellung auf E-Mobilität nicht ausgehen

Intelligentes Lade- und Lastmanagement sowie eine saubere Vorabplanung kann einen Kollaps des Stromnetzes wirkungsvoll verhindern, selbst wenn man eines Tages den gesamten Verkehr auf Elektromobilität umstellt.

VISION mobility-Chefredakteur Gregor Soller mit Stefan Baumann, Key Account manager von Thev mobility Hous, Christoph erni, Gründer und CEO von Juice Technology und Likas schmitt, Projektentwickler Ladeinfrastruktur bei der MVV Enamic GmbH (v.l.) | Foto: Hypermotion
VISION mobility-Chefredakteur Gregor Soller mit Stefan Baumann, Key Account manager von Thev mobility Hous, Christoph erni, Gründer und CEO von Juice Technology und Likas schmitt, Projektentwickler Ladeinfrastruktur bei der MVV Enamic GmbH (v.l.) | Foto: Hypermotion
Gregor Soller

Der erste THINK TANK von VISION Mobility im Rahmen der Hypermotion in Frankfurt trug den Titel: Warum das Licht trotz Elektrifizierung weiterstrahlt: Wie smartes Lade- und Lastmanagement die Netz- und Anschlussleistung intelligent regeln kann. Dass das problemlos möglich ist, darin waren sich alle drei Teilnehmer einig. Denn Stefan Baumann, Key Account Manager von dem Münchner Technologieunternehmen „The Mobility House“ macht seit Jahren nichts Anderes: Sein Unternehmen unterstützt unterschiedliche Kunden genau dabei: Dabei reicht der Kundenstamm von der kleinen Firmenflotte über Mehrparteienhäuser oder große Fuhrparks bis hin zu Projekten, in denen eine ganze Insel CO2-frei werden soll. Während sich in den ersten Fällen ganz viel über gesteuertes Laden lösen lässt, denkt man bei der CO2-freien Insel auch daran, Autos als Pufferspeicher zu nutzen, ebenso wie deren alte Akkus einem Second-Life-Speicher zugeführt werden, der 132 kWh puffern kann.  

Autos als Pufferspeicher: Wo bleibt die Spontanität?

Interessanterweise war der zweite Sprecher, Christoph Erni, Gründer und CEO der Juice Technology AG bezüglich des smarten Ladens ganz einer Meinung mit Stefan Baumann, zumal Juice genau die dafür benötigten Produkte im Programm hat. Etwas anders sah er aber das Thema „Auto als Pufferspeicher“, denn das nähme gerade dem Individualverkehr die Freiheit und Spontanität, die diesen auszeichnet. Selbst in Flotten sieht er das kritisch, denn erstens werden die Fahrzeuge so mit zusätzlichen Be- und Entladevorgängen „gestresst“ und wenn man sich plötzlich umentscheidet und sein Fahrzeug doch braucht oder weit damit fahren möchte, kann man es nicht nutzen, da man zuvor vielleicht gemeldet hat, auf eine Ladung verzichten zu können oder den Strom gar zur Verfügung zu stellen. Und mit fast leerem Akku fährt es sich schlecht.

Intelligentes Lastmanagement ja, aber auch genug Anschlussleistung

Auch der dritte Proband, Lukas Schmitt, Projektentwickler von der MVV Enamic, rät aus seiner Erfahrung dazu, auf genug Anschlussleistung und Ausbaupotenzial zu achten. Die Mannheimer, die sich vom regionalen Energieanbieter zum deutschlandweiten Dienstleister entwickeln, sind gerade dabei, bei Linde in Pullach aus 22 eine dreistellige Anzahl an Ladepunkten zu machen. Allein über intelligentes Lastmanagement? Nein, das würde laut Schmitt zwar massiv helfen, den Strombedarf zu reduzieren, da man ihn perfekt steuern und zuweisen könne, aber um diesen jetzt großen Schritt zu gehen, müsse man durchaus die Anschlussleistung und das Trafohäuschen in die Planungen einbeziehen.

Was bedeutet das?

Das Fazit war eindeutig: Künftig kommt man um ein intelligentes Last- und Lademanagement nicht herum. Schon allein, um die Anschlussleistung und den Strombedarf nicht ins unendliche wachsen zu lassen, wenn man die Mobilität nach und nach im großen Umfang elektrifiziert. Dabei sollte man die Anschlussleistung samt Trafohäuschen nicht ganz außer Acht lassen. Und könnte auf die Autos als riesiger Pufferspeicher zurückgreifen – oder noch besser: Deren gebrauchte Akkus, die fürs Fahrzeug vielleicht nicht mehr optimal sind, in einem stationären Pufferspeicher aber allemal noch über Jahre einen guten Job machen können. Und wie alle drei Speaker von sich selbst und ihren Kunden gelernt haben: Von dem ganzen Aufwand will am besten niemand etwas mitbekommen!

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