Hypermotion THINK TANK: Start-ups nach dem Shutdown – es lebe die Revolution!

Neue Ideen und Geschäftsmodelle jetzt wichtiger sind denn je – müssen aber flexibel geplant werden.

VISION MOBILITY-Chefredakteur Gregor Soller mit Patrick Seidel, Director Strategy and Business Developement der Bio-Hybrid GmbH, Sascha Koberstaedt, Geschäftsführer von evum Motors GmbH und Jörg Hofmann, CEO von LEVC (v.l.) | Foto: Hypermotion
VISION MOBILITY-Chefredakteur Gregor Soller mit Patrick Seidel, Director Strategy and Business Developement der Bio-Hybrid GmbH, Sascha Koberstaedt, Geschäftsführer von evum Motors GmbH und Jörg Hofmann, CEO von LEVC (v.l.) | Foto: Hypermotion
Gregor Soller

Der zweite THINK TANK von VISION Mobility auf der Hypermotion in Frankfurt lief unter dem Motto Start-ups nach dem Shutdown – es lebe die Revolution! Warum neue Ideen und Geschäftsmodelle jetzt wichtiger sind denn je – und wie die Kunden davon profitieren können. Die hochkarätigen Speaker kamen in dem Fall alle aus dem Umfeld der Mobilität und hatten allesamt revolutionäre Fahrzeuge im Gepäck. Man begann muskelbetriebenen Bio-Hybrid, einem vierrädrigen elektrisch unterstützten, wettersicheren „E-Bike“ und gingen über das Leichtfahrzeug von Evum Motors zum LEVC VN5, einem elektrischen van mit Range-Extender, der aus einem Taxi heraus entwickelt wurde.

Forsche Forschertruppe bei Schaeffler ersinnt den Bio-Hybrid

Die Diskussion eröffnete Patrick Seidel, Director Strategy and Business Developement der Bio-Hybrid GmbH. Einst eine forsche Forschertruppe des Zulieferers Schaeffler, die bein ihren Recherchen sehr schnell entdeckte, dass zwischen Lastenrad und van eine unbefriedigende Lücke klaffte: Ein kompaktes, muskelbetriebenes Fahrzeug, das, elektrisch unterstützt einen ordentlichen Wetterschutz bietet, aber viel kompakter baut und günstiger zu betreiben ist als ein Van.

Und schon sehr bald kam man bei Schaeffler darauf, dass es diese Fahrzeuggattung auch deshalb nicht existiert, da es keine wirklich stimmigen Komponenten dafür gibt. Also entwickelte man das Produkt von Grund auf neu mit Automotive-Ansprüchen, bevor es 2020 im Zuge der Covid-19-Krise zu einem Management-Buyout kam und die Bio-Hybrid-GmbH aus Schaeffler herausgelöst wurde. Was dem Nürnberger Start-up keine Probleme bereitete, da man ohnehin in einer kleinen Einheit flexibel agiert und durch Covid-19 nur an den vielen geplanten Auftritten in der Öffentlichkeit gehindert wurde. Doch laut Seidel, sei man guter Dinge, ab 2021 wie geplant den nächsten Schritt bei der Passenger- und Cargo-Variante gehen zu können, die dann marktreif sein sollten und bereits in diversen Fuhrparks getestet werden.

Evum: Ein Uni-Projekt wird Realität

Einen Schritt weiter ist man da bei Evum Motors, wie der Geschäftsführer Sascha Koberstaedt berichtet. Einst wurde der „A car“ genannte leicht-Elektrolieferwagen an der TU München als Mobility-Projekt geplant – Koberstaedt war seit 201 Projektleiter und hängte dann noch eine Doktorarbeit an. Derweil wurde aus einem geländegängigen einfachst gebauten Nutzfahrzeug, das weltweit – notfalls auch im Dschungel oder in der Steppe produziert und gewartet werden sollte, ein veritabler Pritschenwagen, für den sich plötzlich sehr viele Kommunen, Gartenbauer und Gewerke auch in Europa interessierten. So dass man die Pilotfertigung kurzerhand nach Niederbayern verlegte, wo momentan ständig neue Anfragen und Einsatzfelder hinzukommen. Ganz wichtig sei hier laut Koberstaedt ebenfalls die maximale Flexibilität, gerade in Zeiten von Covid-19. Den Plan, das Nutzfahrzeug künftig auch weltweit vor Ort für kleines Geld mit einfacher technik zu produzieren steht – auch wenn man erste Erfahrungen jetzt nicht in Neuguinea oder Nigeria, sondern in Niederbayern sammelt.

LEVC: Flexibilität für Jungunternehmen essentiell

Wie wichtig Flexibilität gerade bei Start-ups ist, weiß auch Jörg Hoffmann, CEO von LEVC: Zwar reichen die Wurzeln der London Electric Vehicle Company bis zurück ins Jahr 1908, aber erst 2018 startete man mit dem aktuellen Produkt, dem elektrischen Taxi TX, das mit Verbrenner-Range Extender weit über 400 Kilometer Reichweite bietet. Dass selbst eine revolutionäre Fertigung und ein moderner Antrieb des neuen Black Cabs trotzdem nie die nötige Stückzahlen bringen würden, war Hofmann klar, weshalb auf der Basis des Cab von Anfang an eine Shuttle-Version und ein Van geplant wurde. Und Weitere Versionen, zu denen sich Hofmann aber nicht dezidiert äußert, wohl aber zu den Stückzahlen.

Denn nur maximale Flexibilität und eine innovative Fertigung und Planung ermöglicht es, schnell in profitable Bereiche zu kommen – die Maximalkapazität bei LEVC liegt bei bescheidenen 20.000 Einheiten im Jahr, doch auch mit dem bisherigen Rekordjahr von 2.500 Einheiten ist der Oberfranke, der jetzt in den Midlands aktiv ist, schon hoch zufrieden. Trotzdem erhofft er sich, dass Covid-19 dann nicht Covid 20 oder 21 folgen – oder dass man dann wenigstens gelernt hat, mit solchen Pandemien umzugehen.

Denn eines gilt für alle Vortragenden aller Think Tanks: Weitere Shut downs dürften selbst die flexibelsten Unternehmungen, Projekte und Pläne an ihre Grenzen bringen. Dafür hat man den ganz großen Stresstest schon jetzt zu bestehen und dürfte umso kreativer und vielleicht auch noch flexibler und innovativer aus der Krise hervorgehen!

Was bedeutet das?

In einer Umfrage, die wir im Think Tank gestellt haben, ob die klassische Fahrzeugindustrie oder Start-ups die besseren Innovationstreiber seien, fiel eindeutig aus – mit 100 zu 0 Prozent für die Start-ups. Und auch der Anteil der Shared Mobility, der bei allen Dreien eine große Rolle spielt, wird nach Ansicht des Publikums trotz Covid-19 steigen: das fanden 73 Prozent. Insofern dürfte selbst Covid-19 gut geplante Start-ups nicht aus dem Tritt bringen, denn wenn in „nachpandemischen“ Zeiten wirklich Einiges so ganz anders werden sollte als heute, dürften die Start-ups gute Chancen haben, diese Transformation mit zu gestalten!

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