Hybrid mal anders: ConnX

Eine Gondel koppelt sich vom Seil ab und wird zum autonomen Fahrzeug. Was wie eine verrückte Idee klingt wird bei dem Südtiroler Unternehmen Leitner gerade Wirklichkeit. ConnX, der Hybrid aus Seilbahn und bodengebundenem Fahrzeug, soll die Verkehrsprobleme in Ballungszentren lösen.

Die Gondel auf dem autonomen Fahrgestell.| Foto: Leitner
Die Gondel auf dem autonomen Fahrgestell.| Foto: Leitner
Thomas Kanzler

In den vergangenen Jahren wurden immer wieder Projekte angedacht, bei denen Seilbahnen einen Teil des Verkehrskonzeptes sein sollen. In Europa ist die Seilbahn im urbanen Umfeld kaum existent, in Mittel- und Südamerika ist sie in manchen Gegenden ein selbstverständliches Verkehrsmittel.

Mal über dem Stau schweben

Seilbahnen sind relativ schnell aufgebaut und günstiger als zum Beispiel der Bau von U-Bahnen. Ihre Stärke liegt in der Überwindung weiter Täter oder großer Höhenunterschiede. Bisher werden Seilbahnen daher in Europa fast ausschließlich in Bergsportgebieten eingesetzt.

In München wurde zuletzt eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, um die Chancen einer Seilbahn als zusätzliche Verbindung zwischen dem Münchner Norden und einer U-Bahn Station zu erkunden. Die Studie kam hier letztlich zu dem Schluss kam, dieselbe Strecke sei mit Expressbussen günstiger zu bedienen. Als leider unbeachtet kritisierten allerdings Fachleute die Tatsache, dass die Seilbahn völlig unabhängig von Verkehr auf der Straße wäre, und somit dem im Stau stehenden Express-Bus überlegen.

Das Beste aus zwei Welten?

Mit dem Prototyp von ConnX geht der Südtiroler Hersteller Leitner jetzt einen Schritt weiter und sorgt mit einer einzigartigen „Hybrid-Lösung“. Ziel sei es, nach Herstellerangabe, eine „noch nie dagewesene Flexibilität bei der Weiterentwicklung öffentlicher Verkehrsmittel“ zu erreichen.

Bisher konnten Seilbahnen in den Bergen nur an der Talstation angefahren werden, und das vornehmlich mit dem Auto. Um diesen Individualverkehr zu vermeiden soll sich die Gondel der Südtiroler vom Seil entkoppeln und aus ein Fahrgestell abgesetzt werden. Dieses Fahrzeug kann dann auf eigenen Straßen mit bis zu 40 km/h autonom zu weiteren Haltestellen fahren und die Passagiere zum Beispiel bis direkt vors Hotel bringen.

"Wir wollen das Problem der letzten Meile angehen", sagt Firmensprecher Maurizio Todesco.

Bei der Umsetzung noch einige Fragen offen

Vorerst ist nur der Prototyp auf dem abgeschlossenen Produktionsgelände des Unternehmens in Sterzing unterwegs. Das An- und Abkuppeln der Kabine muss bei jedem Wind und Wetter sicher funktionieren. Die Stromversorgung der autonomen Fahrzeuge ist noch nicht letztlich geklärt. Soll das Fahrzeug über einen Akku betrieben werden oder doch über eine stromführende Schiene? Das Konzept sieht außerdem vorerst eigene Straßen für die Gefährte vor, was für manche Gemeinde oder Stadt zu einer Herausforderung werden könnte.

Berlin, Bozen und New York

Vor fünf Jahren hat die Firma Leitner im Rahmen der Internationalen Gartenausstellung eine Seilbahn im Bezirk Marzahn-Hellersdorf gebaut, die auf das Hybrid-System umgerüstet werden könnte. In Bozen soll die Rittner-Seilbahn mit ConnX an den Bahnhof angebunden werden. Und die Roosevelt Island Tramway, eine Seilbahn, die Manhattan mit Roosevelt Island im East River verbindet, könnte mit der Hybrid-Gondel mit der Universität Cornell Tech und einem Park verbunden werden.

Was bedeutet das?

So verlockend das Konzept klingt, die Vorstellung einer Gondel, die nicht fest mit dem Seil verbunden ist, dürfte so Manchen abschrecken. Den Platzbedarf der Stationen, in denen die Gondeln auf den fahrbaren Untersatz gestellt werden, und das eigene Trassensystem der autonomen Fahrzeuge werden die meisten Städte und Gemeinden nicht bereitstellen können. Dieses System wird am ehesten in China zur Verwirklichung kommen können, da man dort die Städte auf dem Reißbrett planen kann.

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