Holcim und KIBAG wollen Elektromischer einsetzen

Designwerk, Futuricum und Liebherr haben einen elektrischen Fünfachsmischer entwickelt, der ab dem vierten Quartal 2020 in den Praxiseinsatz gehen soll.

Die Futuricum-Fünfachs-Fahrmischer sollen im vierten Quartal in den Einsatz gehen. | Foto: Holcim
Die Futuricum-Fünfachs-Fahrmischer sollen im vierten Quartal in den Einsatz gehen. | Foto: Holcim
Gregor Soller

Die Schweiz macht nicht nur bei Brennstoffzellen-Lkw, sondern auch bei der Elektrifizierung von Fuhrparks. Darunter auch bei Betonfahrmischern. Diese sollen jetzt in den Praxiseinsatz gehen. Ihre Namen leiten sich von den Trommelinhalten ab, die zehn respektive zwölf Kubikmeter fassen: Sie heißen ETM 1005 und 1205, ruhen auf einem Futuricum-Chassis und haben einen von Liebherr und ZF gemeinschaftlich entwickelten Trommelantrieb. Das interessante daran:  Erstmals wird sowohl der Lkw als auch der Fahrmischer-Aufbau gemeinsam von der Traktionsbatterie gespeist. Dadurch entfielen laut Liebherr unter anderem kostspielige Komponenten bei der Leistungselektronik.

Das Futuricum-Chassis nutzt als Basis den jetzt auslaufenden FM von Volvo Trucks, ebenso dessen Kabine. Künftig wird man auf die Nachfolgekabine, die vom FH abgeleitet ist, umstellen. Optional kann man die Futuricum-Chassis auch mit FH-Hütte ordern. Der E-Motor bietet üppige 500 kW Leistung. Der Trommelantrieb nutzt einen weiteren Elektromotor und ein Mischergetriebe, wodurch jegliche Hydraulik überflüssig wird, was dem Betreiber Kosten spart. Die Akkus bieten je 170 kWh Kapazität und können folglich 170, 340 oder 510 kWh Gesamtkapazität bieten. Bei den Mischern entschied man sich für das 340-kWh-Doppelpack.

Ein Vorteil bei Müllsammlern oder den Betonmischern ist, dass sich diese Fahrzeuge deshalb gut elektrifizieren lassen, da die Wege vom Betonwerk zur Baustelle oder von der Abfallabladestelle und den Sammelrouten im Vergleich zum Güterverkehr überschau- und planbar seien. Im Betonwerk, wohin die Fahrzeuge stets zurückkehrten, könne Ladeinfrastruktur installiert und zur Ladung über Nacht genutzt werden.

Als weltweit erster Baustoffhersteller setzt Holcim Schweiz bald drei vollelektrische Betonfahrmischer auf fünf Achsen ein. Der Pilottest des Fahrmischers findet in Zusammenarbeit mit den Firmen Designwerk, Avesco und Liebherr statt und ist auf Ende 2020 angesetzt. Beton hat aufgrund seiner lokalen Verfügbarkeit kurze Transportwege, ist sehr langlebig und fast vollständig rezyklierbar. Das macht ihn laut Holcim zu einem nachhaltigen Baustoff. Nachdem Holcim vor Kurzem mit EvopactZERO den schweizweit ersten ressourcenschonenden und klimaneutralen Beton lancierte, unternimmt das Unternehmen mit der Bestellung der drei vollelektrischen Betonfahrmischer einen weiteren Schritt, um die Dekarbonisierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette des Bauens voran zu treiben, wie Nick Traber, CEO von Holcim Schweiz und Italien erklärt:

„Elektromobilität für die Betonlieferung ist für uns ein wichtiger Meilenstein, damit wir die Klimaneutralität erreichen und Kreisläufe schliessen können.”

Den Strom für die Fahrzeuge bezieht Holcim nach eigenen Angaben ausschließlich aus erneuerbaren Energiequellen. Die drei vollelektrischen Betonfahrmischer kommen ab dem vierten Quartal 2020 zum Einsatz, erstmals als 5-Achs-Fahrgestell mit 40 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht, wie es nur in der Schweiz zulassungsfähig ist. Bernhard Kunz, Leiter Vertrieb Futuricum, erläutert:

„Die Betonfahrmischer von Holcim werden weltweit die ersten vollelektrischen Nutzfahrzeuge dieser Art und Grösse sein. Wir bauen dafür zwei modulare Batteriepacks ein, welche den Strom für den Betrieb liefern. Da die Batterien über Nacht geladen werden können, ist kein Netzausbau oder eine externe Schnellladeinfrastruktur erforderlich.”

Um während des Betriebs einen Vergleich anstellen zu können, hat Holcim die Trommellieferanten Avesco und Liebherr beauftragt, gemeinsam mit Designwerk unterschiedliche Lösungen für die Nebenantriebe der Trommeln zu entwickeln.

Gabriel Mateescu, Performance Manager Logistics Beton bei Holcim Schweiz, erklärt:

„Zusammen mit Designwerk, Avesco und Liebherr verfolgen wir das Ziel, so viel Erfahrung wie möglich zu sammeln. Aus diesem Grund führen wir gleichzeitigen zwei verschiedene Trommeltypen ein. Damit wollen wir weitere Innovationen fördern und die Entwicklung der vollständig elektrisch betriebenen Fahrzeuge beschleunigen.”

Was bedeutet das?

40 Tonnen mit einer drehenden Zehn- respektive Zwölf-Kubikmeter-Trommel am Laufen zu halten, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Dafür fallen die 340-kWh-Akkus vergleichsweise bescheiden aus. Man darf gespannt sein, welche Erfahrungen Holcim mit den Fahrzeugen macht, denn der Betonbusiness braucht absolute Zuverlässigkeit und viel Nutzlast.

 

Printer Friendly, PDF & Email