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Grünen-Chef Habeck fordert von VW Priorität für günstige E-Autos

Politiker prophezeit dem Hersteller Scheitern seiner Strategie, wenn man sich zuerst auf Premium-Segment konzentriert. Habeck mahnt zudem einen raschen ökologischen Umbau des Steuersystems samt Abschaffung von Diesel- und Dienstwagenprivilegien an.

In Gespräch, aber unterschiedlicher Ansicht: VW-Chef Diess und Grünen-Chef Habeck divergieren in Sachen E-Mobilitätsstrategie. Der Grüne mahnt Priorität für Volks-Autos an. | Foto: VW
In Gespräch, aber unterschiedlicher Ansicht: VW-Chef Diess und Grünen-Chef Habeck divergieren in Sachen E-Mobilitätsstrategie. Der Grüne mahnt Priorität für Volks-Autos an. | Foto: VW
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Johannes Reichel

Grünen-Chef Robert Habeck hat in einem Doppelinterview mit VW-Chef Herbert Diess in der Zeitung Die Welt den Konzern ein Scheitern seiner Elektro-Strategie prognostiziert, sollte sich der Hersteller erst dem Premium-Segment widmen. Die Zahl der Kunden, die sich ein Auto für 100.000 Euro leisten könnten, sei begrenzt. „Die Zeit läuft uns davon. Darum bin ich für eine klare strategische Entscheidung“, so der Grünen-Politiker weiter.

"Wenn Sie 2025 kein E-Mobil für unter 20.000 Euro anbieten, dann werden Sie - so fürchte ich - im Markt scheitern", erklärte der Politiker.

In dem Fall werde sich VW konzentrieren auf Porsches und SUV und sei nicht mehr Volkswagen im eigentlichen Sinne. "Dann bieten Sie nur noch Premiumwagen an und müssten sich in PW umbenennen", sagte der Grünenpolitiker. Er reagierte damit auf die Aussage von Diess, man rolle die Elektrifizierung im Konzern startend mit dem Audi e-tron sowie dem Porsche Taycan aus, weil das Autos im Segment 80-100.000 Euro seien, die die teurere Batterie gut verkraften würden. Vor allem setze man außerdem auf Plug-In-Hybrid-Technologie, um die Flottengrenzwerte einzuhalten, erklärte Diess. Die CO2-Vorgaben und die Flottenziele würden also erst einmal nicht dazu führen, dass die Fahrzeuge kleiner würden, meinte Diess weiter.

„Wir sollten da, wo es um politische Förderung geht, die Priorität auf die elektrische Mobilität setzen, und zwar aus pragmatischen Gründen“, ergänzte Diess.

Die Entwicklung mehrerer Ladeinfrastrukturen für verschiedene Technologien sei zu kostspielig. „Alle Indikatoren sprechen dafür, dass E-Mobilität kurz- und mittelfristig die leistungsfähigste alternative Technologie ist. Es geht darum, die festgelegten Klimaziele zu erreichen. Dafür müssen wir jetzt zielgerichtet handeln“, zog Diess eine relativierende Linie. In diesem Sinne versprach auch VW-Generalbevollmächtigter Thomas Steg in einem weiteren Doppel-Interview mit dem Chef der Deutschen Umwelthilfe Jürgen Resch, man werde Elektrofahrzeuge für 30.000 Euro und weniger anbieten und die E-Mobilität "gewissermaßen demokratisieren". Resch hatte kritisiert, der Volkswagen Konzern setze immer noch viel zu sehr auf schwere SUVs und verschlafe gegenüber der Konkurrenz die Entwicklung zur E-Mobilität.
 

Habeck: Steuersystem ökologisch umbauen

Grünen-Chef Habeck forderte darüber hinaus, Diesel- und Dienstwagenprivilegien in den nächsten Jahren radikal abzubauen und das Steuersystem in Richtung Ökologie umzubauen.

"Die steuerlichen Subventionen für Diesel und für Dienstwagen müssen in den nächsten Jahren rigoros ökologisch umstrukturiert werden", sagte er.

Nach seinem Dafürhalten sollte das Dienstwagenprivileg nur noch für emissionsfreie Fahrzeuge gelten. „Rein elektrische Fahrzeuge zahlen weniger oder keine, Spritschlucker mehr. Ein solches System wäre sozial gerecht und würde ökologisch lenken.“ Damit setze man einen starken Anreiz, die Fahrzeugflotte ökologisch umzurüsten, und würde die Konzerne ermutigen, den Weg zu einer emissionsfreien Mobilität zu gehen, befand der Politiker.
 

Was bedeutet das?

Es klingt fast ein bisschen so, als habe VW-Chef Diess Angst vor der eigenen Courage bekommen: Die radikale Wende zur reinen Elektromobilität, die er vor kurzem noch vollmundig anmahnte und ankündigte, ist mittlerweile zurechtgeschrumpft auf die Linie der Premium-Mitbewerber aus München und Stuttgart sowie des Verbandes VDA: Einstweilen müssen uns Plug-In-Hybride über die Zeit retten. Dass damit die Autos erstmals schwerer, teurer und sicher nicht kleiner werden, ist absurd: Nach dem Motto: Erst muss alles ein bisschen schlechter werden, bevor es endlich besser wird. Aber sei's drum. Der Elektro-Volkswagen im Wortsinne scheint keiner alleroberste Priorität zu haben - und auch nicht so riesen große Eile. Auch wenn man in dieser Woche in das "Pre-Booking" für den ID. Neo starten will. Es sind widersprüchliche Signale, die der Leitkonzern derzeit abgibt. Den agilen und entschlossenen Start-up-Wettbewerbern wie eGo oder Sono Motors kann es nur recht sein, wenn der Großkonzern noch etwas braucht mit volkstümlichen Angeboten. Denn auch sie kommen nicht so schnell wie erhofft aus den Puschen - und gewinnen wertvolle Zeit im Rennen um preissensible Kundschaft. 

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