Grüne fordern Förderung auch für private Lastenräder

Um eine Parität mit der Förderung von E-Autos sicherzustellen, schlagen die Grünen eine Kaufprämie von 1.000 Euro für Cargobikes vor. Bisherige Bundesförderung kaum gefragt.

Auch der Versender fahrrad.de trägt dem Boom bei Lastenrädern Rechnung und bietet neben dem Versand bald ein eigenes E-Cargobike an. | Foto: Internetstores
Auch der Versender fahrrad.de trägt dem Boom bei Lastenrädern Rechnung und bietet neben dem Versand bald ein eigenes E-Cargobike an. | Foto: Internetstores
Johannes Reichel

Die Grünen haben im Bundestagswahlkampf eine Förderung von 1.000 Euro für die Anschaffung von Lastenrädern als Autoersatz auch für den Privatsektor vorgeschlagen. Es solle keine "Ungleichheit" zu der Förderung von E-Autos in Höhe von 6.000 Euro geben, bekräftigte Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock im ARD-Sommerinterview. Mit einem Lastenrad könnten auch Menschen ohne Führerschein oder Auto etwa ihre Einkäufe transportieren, so die Grünen-Co-Chefin.

Die bisherige Förderung des Bundes für gewerblich genutzte Lastenräder durch Unternehmen, Kommunen oder Vereine ist dagegen kaum gefragt, wie eine Anfrage des Grünen-Haushaltpolitikers Sven-Christian Kindler ergeben hatte. Demnach seien lediglich 887 Räder in den letzten drei Jahren vom Bund gefördert worden. Allerdings gibt es auch zahlreiche lokale und regionale Förderprogramme, meist für gewerblich genutzte Cargobikes. "Saubere Mobilität gibt es nicht zum Nulltarif", erklärte Kindler gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Lastenrädern, insbesondere mit E-Antriebsunterstützung, kommt aus seiner Sicht eine zentrale Rolle bei der Verkehrswende zu, etwa bei Handwerker*innen und Kleinunternehmer*innen. Auch Verleihsysteme für E-Cargobikes, die Förderung der Anschaffung für Familien würden zu wenig gefördert.

"Der Bundesverkehrsminister kümmert sich in seiner Amtszeit viel lieber um das Mautdesaster, das Chaos bei der Autobahn GmbH und den Bau von bayerischen Straßen" kritisiert Kindler.

Familien, die sich ein Lastenrad anschaffen wollten, lasse er dagegen im Regen stehen. Eine neue Bundesregierung müsse das ändern und ab Herbst deutlich stärker investieren in die Verkehrswende.

Kritik an dem Vorschlag kam erwartungsgemäß von der CDU/CSU, aber auch von der FDP und der Linken. CSU-Fraktionsvize Ulrich Lange verwies darauf, dass die Mehrheit der Menschen auf dem Land lebten und von dem Vorschlag nichts hätten, allenfalls innerstädtisch seien Cargobikes eine Lösung. FDP-Verkehrspolitiker Oliver Luksic verwies auf die nach seinem Wissen etwa 100 Fördertöpfe von Bund, Ländern und Kommunen und mahnte eine gezieltere Förderung an. Auch Linken-Fraktionschefin Amira Mohamed Ali hält nicht viel von dem Vorstoß und meint, in ländlichen Regionen helfe eine solche Förderung praktisch niemandem. Die Verkehrswende mit einer Lastenradförderung einleiten zu wollen, sei ein Holzweg. Sie plädierte stattdessen für Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und günstigere Tickets. In jedem Fall erfreuen sich speziell E-Lastenräder derzeit größter Beliebtheit, zahlreiche auch namhafte Hersteller sind in die Produktion eingestiegen, die Lieferzeiten sind lang.

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