Greenpeace-Studie: Ölkonzerne verdienen üppig an hohen Spritpreisen

Ölkonzerne verdienten etwa 3,3 Milliarden Euro an den gestiegenen Kraftstoffpreisen, besonders in Deutschland und am Diesel. Spritpreisbremse kein Schutz. NGO fordert Verbrennerausstieg bis 2028.

Einfach mehr drin: Die Ölkonzerne kassierten offenbar heftig mit, als die Spritpreise in Folge der russischen Invasion in der Ukraine in die Höhe schnellten. | Foto: J. Reichel
Einfach mehr drin: Die Ölkonzerne kassierten offenbar heftig mit, als die Spritpreise in Folge der russischen Invasion in der Ukraine in die Höhe schnellten. | Foto: J. Reichel
Johannes Reichel

Laut einer von Greenpeace beauftragten Analyse haben die Mineralölkonzerne massiv an den hohen Spritpreisen in Europa verdient. Die Berechnung des Hamburger Energieexperten Steffen Bukold, aus der der Spiegel vorab berichtet, ergab eine Summe von 3,3 Milliarden Euro für die Konzerne, täglich im Schnitt 107 Millionen Euro seit Beginn der russischen Invastion in der Ukraine. Die mit Abstand höchsten Profite strichen die Unternehmen demnach in Deutschland ein, mit im Schnitt 38,2 Millionen Euro, dahinter folgen Frankreich (13,3 Mio.), Italien (12,5 Mio.) sowie Spanien (7,6 Mio.) und Österreich (4,3 Mio.).

Vor allem der heftige Aufschlag beim Diesel bescherte den Konzernen zusätzliche Einnahmen von 94 Millionen Euro täglich, beim Ottokraftstoff sind es "nur" 13 Millionen Euro. Aktuell ist Diesel noch immer über fünf Cent/Liter teurer als Benzin E10. Die zusätzlichen Erträge würden sich in Gewinnsteigerungen der Unternehmen niederschlagen, auch wenn Erdgas in den Raffinerien teurer geworden ist. Im Gegenzug sei russisches Öl mit deutlichen Preisabschlägen gegenüber der Nordseesorte Brent zu bekommen.

Die von der Bundesregierung auf Drängen der FDP und mit Billigung von SPD-Bundeskanzler Olaf Scholz beschlossene Spritpreisbremse mit Steuerermäßigung von 14 Cent auf Benzin und 30 Cent auf den Diesel würde die Gewinne der Branche nicht reduzieren. Die Studie warnt, es könne im Gegenteil passieren, dass die Preise nicht sänken, aber die Marge steige.

"Die Ölindustrie bereichert sich seit Jahrzehnten auf Kosten des Klimas. Nun zeigt sich, dass uns die Ölkonzerne mitten in einem furchtbaren Krieg auch noch schamlos über den Tisch ziehen", erklärte der geschäftsführende Vorstand von Greenpeace Deutschland, Martin Kaiser gegenüber dem Medium.

Die NGO appellierte, die Regierungen Europas sollten mittels einer kurzfristigen Steuer die Profite der Unternehmen abschöpfen und das Geld zur Förderung sozial schwacher Haushalte für die gestiegenen Energiekosten verwenden. Darüber hinaus müsse die EU-Kommission die Dekarbonisierung des Verkehrssektors forcieren. Das Ziel müsse es sein, schon ab 2028 keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr zu verkaufen. Das ist bisher erst für 2035 geplant.

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