Greenpeace: CO2-Ausstoß im Verkehr droht weiter zu steigen

Wegen rückläufiger Fahrgastzahlen im ÖPNV sowie verstärkter Nutzung des eigenen Autos drohen die CO2-Emissionen im Verkehr weiter zu steigen, warnt die NGO auf Basis einer Kurz-Studie.

Neuverteilung des Straßenraums: Bisher hat in Deutschland nur Berlin sogenannte Pop-up-Bike-Lanes errichtet, um sicheren Abstand für Radfahrer zu schaffen. | Foto: ADFC
Neuverteilung des Straßenraums: Bisher hat in Deutschland nur Berlin sogenannte Pop-up-Bike-Lanes errichtet, um sicheren Abstand für Radfahrer zu schaffen. | Foto: ADFC
Johannes Reichel

Durch die Corona-Pandemie sinkende Fahrgastzahlen in Bussen und Bahnen könnten die schlechte CO2-Bilanz des Verkehrssektors weiter verschlechtern. Dies befürchtet die Umwelt-NGO Greenpeace auf Basis von Kalkulationen im Rahmen einer heute veröffentlichten Greenpeace-Kurzstudie. Aus Sorge vor Ansteckungen wollen viele Menschen auch mittelfristig öffentliche Verkehrsmittel meiden. Dadurch könnten allein in den deutschen Metropolen die mit dem Auto zurückgelegten Personenkilometer um bis zu 20 Milliarden pro Jahr steigen, warnen die Autoren. Die Folge wären zusätzliche drei Millionen Tonnen an CO2-Emissionen.

"Damit Corona nicht auch die Verkehrswende infiziert, müssen Städte jetzt mehr Platz für Radfahrende und Fußgänger schaffen", sagt Greenpeace-Verkehrsexpertin Marion Tiemann.

Die Städte könnten mit besseren Rad- und Fußwegen verhindern, dass Menschen wieder in ihr Auto gezwungen würden, argumentiert Tiemann weiter. Sie sieht darin eine "riesige Chance, um beim Umstieg auf sichere, saubere und klimafreundliche Verkehrsmittel voran zu kommen."

Chance der Krise: Weltweit wird der Straßenraum neu verteilt

Weltweit würden Städte die Corona-Krise nutzen, um Straßenraum neu zu verteilen. Brüssel erklärte kürzlich die komplette Innenstadt zur Tempo 20 Zone, Fußgänger und Radfahrer haben Vorrang vor Autos. Mailand und Madrid hätten zahlreiche Straßen in Fahrrad- und Fußgängerzonen umgewidmet, um sicheren Abstand zu gewährleisten. Auch Berlin sperrte bereits Autospuren ab, um mehr Platz für Fahrradfahrende zu schaffen. Laut einer ebenfalls heute veröffentlichten Greenpeace-Abfrage unter den zehn größten deutschen Städten, findet das Berliner Beispiel dort bislang allerdings keine Nachahmer.

Bundesweite Demonstration für sichere Pop-up Fahrradwege

Gemeinsam mit anderen Umweltverbänden demonstrieren Ehrenamtliche der NGO am Samstag in über 30 Städten dafür, schnell neue Radwege einzurichten. Die Umweltschützer richten so genannte Pop-up Radwege ein. Dabei wird die rechte Spur einer mehrspurigen Autostraße mit Pylonen abgetrennt und für Radfahrende geöffnet. Städte können auf Basis der bundesweit geltenden Straßenverkehrsordnung solche Umwidmungen vornehmen.

"Die rechtlichen Möglichkeiten für sichere Radwege sind da, der Bedarf auch. Was fehlt ist der politische Wille", meint Tiemann.

Mit seit Jahrzehnten stagnierenden CO2-Emissionen gerate der Verkehr mehr und mehr zum Sorgenkind der deutschen Klimapolitik, urteilt die NGO. Sie verwies in dem Kontext auch auf die Empfehlung des Sachverständigenrats für Umweltfragen von letzter Woche, den Autoverkehr "unattraktiver" zu machen, eine Pkw-Maut sowie höhere Parkgebühren einzuführen, um den CO2-Ausstoß auf den Straßen zu senken.

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