Green Shipping: Mit E-Fuel acht Cent mehr für ein Paar Turnschuhe

Eine Studie der Umweltdachorganisation T&E zeigt, dass selbst mit klimaneutralem Schiffstransport ein paar Sportschuhe lediglich acht Cent mehr kosten würden, ein Kühlschrank gerade mal acht Euro. Und: Hier ergibt der Einsatz E-Fuels wirklich Sinn. Warum machen wir's nicht einfach?

Für eine Handvoll Cent: Die Transportkosten spielen bei Konsumgütern eine marginale Rolle, die Umstellung auf Green Shipping mit E-Fuels fiele kaum ins Gewicht. | Grafik: T&E
Für eine Handvoll Cent: Die Transportkosten spielen bei Konsumgütern eine marginale Rolle, die Umstellung auf Green Shipping mit E-Fuels fiele kaum ins Gewicht. | Grafik: T&E
Johannes Reichel

Würden Schiffe ausschließlich mit umweltfreundlichen, wasserstoffbasierten Kraftstoffen (E-Fuels) betrieben, würde sich der Preis für ein Paar Turnschuhe um weniger als 0,10 Euro und der für einen Kühlschrank um bis zu 8 Euro erhöhen, wie eine neue Studie der Umweltdachorganisation Transport&Environment (T&E) über die Kosten der Dekarbonisierung der europäischen Schifffahrt zeigt. Die Analyse der Sendungen von Shenzhen in China nach Europa entkräftet aus Sicht der NGO die Behauptungen der Schifffahrtsindustrie, dass ehrgeizige Maßnahmen zur Ökologisierung der Branche unerschwinglich wären und zu exorbitanten Preissteigerungen für die Verbraucher führen würden.

"Ein Paar Nikes würde weniger als 10 Cent teurer werden. Das ist ein winziger Preis für die Sanierung einer der schmutzigsten Industrien der Welt. In einem Jahr, in dem die Schifffahrtsunternehmen größere Gewinne machen als Facebook, Google, Amazon und Netflix zusammen, ist es richtig zu fragen, ob die Schifffahrtsunternehmen genug tun", meint Faig Abbasov, Versanddirektor bei T&E.

Die Schifffahrtsindustrie ist das Rückgrat des globalen Handels. Bislang habe die Branche jedoch nur langsam auf eine Dekarbonisierung hingearbeitet und gehöre nach wie vor zu den Branchen mit der höchsten Umweltverschmutzung weltweit, kritisiert die Organisation. Ein zentrales Argument gegen ehrgeizige grüne Maßnahmen sei, dass sie die Preise für die Verbraucher in die Höhe treiben würden. Die Studie zeige aber, dass selbst im extremsten Fall eines Schiffes, das zu 100 Prozent mit umweltfreundlichen Kraftstoffen betrieben wird, die Preise nicht wesentlich steigen würden, wenn Frachtunternehmen die Kosten an die Verbraucher weitergeben würden.

 

Dies spiegele die Größenvorteile globaler Lieferketten wider, die nicht übermäßig empfindlich auf die Treibstoffkosten reagierten, so die NGO weiter. Die europäischen Entscheidungsträger, die derzeit über zwei wichtige Vorschläge zur Sanierung des Seeverkehrs abstimmen, sollten dadurch ermutigt werden, findet T&E. Der erste Vorschlag ist eine historische Ausweitung des Kohlenstoffmarktes auf die Schifffahrt, die letzte Woche vom Europäischen Parlament befürwortet wurde und nun in den Händen der nationalen Regierungen liegt. Das zweite ist ein Gesetz über Schiffskraftstoffe, über das im Juli abgestimmt werden soll, skizziert die Organisation weiter.

Transportkosten sind marginal: Maximal 1,7 Prozent mehr

Anhand des bestehenden Vorschlags der EU, die Kohlenstoffverschmutzung durch Schiffe in Rechnung zu stellen, und des Vorschlags, bis 2030 den Einsatz von umweltfreundlichen E-Kraftstoffen in geringem Umfang vorzuschreiben, analysierte T&E, welche Auswirkungen dies auf die Preise für Containerschiffe und Konsumgüter aus China haben würde. Im schlimmsten Fall würden sich die Transportkosten für Frachtunternehmen um 1 % bis 1,7 % erhöhen. Im Einzelnen würden sich die Preise für Konsumgüter jedoch kaum verändern. Ein Paar Turnschuhe würde nur 0,003 € mehr kosten, ein Fernseher 0,03 € und ein Kühlschrank bis zu 0,27 € mehr.

"Vor einem Jahrzehnt bestand die einzige Hoffnung auf eine Dekarbonisierung der Schifffahrt darin, den Welthandel selbst zu stoppen. Jetzt haben wir die Technologie, aber was fehlt, ist ein Marktsignal für die Hersteller von grünem Wasserstoff. Als Weltmarktführer in der Schifffahrt sollte die EU ein ehrgeiziges Mandat für grüne E-Kraftstoffe festlegen, das den Anbietern von Wasserstoffkraftstoffen einen Markt garantiert. Grüne Schifffahrt ist möglich. Es ist eine Frage des politischen Willens", appellierte Faig Abbasov.

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