Green Fuels: Uniper, Siemens, Airbus und Sasol starten Großprojekt

Die vier Projektpartner wollen mit "Green Fuels Hamburg" im Jahr mindestens 10.000 Tonnen grünes Kerosin herstellen. Grundlage wird eine Elektrolyse-Großanlage zur Herstellung von grünem Wasserstoff aus Strom an die eine Produktionsanlage für Power-to-Liquid-Kraftstoffe gekoppelt wird.

Redaktion (allg.)
von Nadine Bradl

Unter dem Namen „Green Fuels Hamburg" wollen der Energieversorger Uniper, der Energietechnologiekonzern Siemens Energy, der Flugzeughersteller Airbus und das Chemie- und Energieunternehmen Sasol EcoFT ein kommerzielles Projekt zur Herstellung von nachhaltigen Kraftstoffen, Green Fuels, für die Luftfahrt in Deutschland umsetzen. Die vier Projektpartner decken dabei den gesamten Wertschöpfungsprozess zur Herstellung von CO2-neutralem Kerosin, sogenanntem Power-to-Liquid- oder kurz PtL-Kerosin, ab, teilen sie in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit. Unterstützt werden sie von der Technischen Universität Hamburg (TUHH) als Forschungspartner sowie dem Hamburger Senat (Behörde für Wirtschaft und Innovation und Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft) und dem Flughafen Hamburg. Darüber hinaus hat Emirates Airline ihr Interesse bekundet, an der Nutzung des produzierten PtL-Kerosins beteiligt zu sein.

10.000 Tonnen grünes Kerosin

„Green Fuels Hamburg" wolle einen erheblichen Anteil zur Dekarbonisierung des Luftfahrtsektors beitragen. Die dafür notwendige Anlage soll ab 2026 in der ersten Ausbaustufe mindestens 10.000 Tonnen grünes Kerosin jährlich für den Luftverkehr erzeugen. Damit könnte allein durch diese Anlage 20 Prozent der von der Bundesregierung in der PtL-Roadmap vorgegeben Beimischungsquote an PtL-Kerosin ab 2026 bereitgestellt werden. Dr. Holger Kreetz, COO Asset Management bei Uniper Kraftwerke: 

„Eines der Hauptziele von Uniper ist die effektive Dekarbonisierung sowohl anderer Industrien als auch der eigenen, ohne dabei die Versorgungssicherheit zu vernachlässigen. Der Innovationsstandort Hamburg – mit direktem Zugang zu Erneuerbaren Energien sowie den Abnehmern auf Industrie- und Luftfahrtseite – ist prädestiniert für eine Vorreiterrolle im Bereich Power-to- Liquid. Mit dieser Partnerschaft werden wir bereits in der Anfangsphase ca. 1/5 der in Deutschland benötigten Menge von grünem PtL-Kerosin abdecken können. Green Fuels Hamburg wird maßgeblich zur Dekarbonisierung aber auch zur Versorgungssicherheit beitragen."

Dr. Andre Walter, Head of Plant and Industrial Site Hamburg Airbus bei Airbus Operations GmbH:

„Für eine klimaneutrale Zukunft der Luftfahrt sind aus Airbus Sicht drei Dinge entscheidend: Erstens die Steigerung der Effizienz unserer Flugzeuge und die Flottenmodernisierung, zweitens Sustainable Aviation Fuels (SAF) und drittens Wasserstoff als Energieträger. Grünen Wasserstoff benötigt man bekanntlich auch für PtL-Kerosin, auch als eSAF bezeichnet. Green Fuels Hamburg wird einen wichtigen Beitrag zum Hochlauf der PtL-Produktion in Deutschland leisten und könnte zum Technologie-Exportschlager werden! Airbus engagiert sich schon seit einigen Jahren in der Nutzung und Marktentwicklung von SAF. Insofern ist es nur folgerichtig, dass wir uns in einem Projekt in Hamburg engagieren und als Abnehmer des produzierten PtL-Kerosins gemeinsam mit Kunden des Flughafens Hamburg bereitstehen."

 

Elektrolyse-Großanlage

Hamburg als Innovations- und Luftfahrtstandort biete beste Voraussetzungen für dieses Großprojekt, da die Region sowohl über die Nähe zu Erneuerbaren Energien, als auch über die notwendigen Abnehmer auf Seite der Industrie bzw. der Luftfahrt verfüge. Im Gebiet Hamburg Billbrook beabsichtigt das Konsortium, eine Elektrolyse-Großanlage zur Herstellung von grünem Wasserstoff aus Strom von Offshore-Windanlagen zu errichten. Daran gekoppelt wird eine Produktionsanlage für PtL-Kraftstoffe: In einem synthetischen Verfahren (u. a. Fischer-Tropsch-Synthese) wird hierbei aus dem grünen Wasserstoff und aufbereitetem biogenen Kohlendioxid nachhaltiger Flugkraftstoff gewonnen. Das Ergebnis ist CO2-neutrales PtL-Kerosin, das bereits heute zum Einsatz als Flugkraftstoff zertifiziert ist. Stefano Innocenzi, Leiter des Geschäftsbereichs New Energy bei Siemens Energy: 

"Strombasierte Flugkraftstoffe auf Basis von grünem Wasserstoff und erneuerbaren Energien sind der Schlüssel zum nachhaltigen Fliegen. Bislang ist grünes Kerosin jedoch nicht in relevanten Mengen verfügbar. Genau hier setzen wir mit "Green Fuels Hamburg" an: Gemeinsam mit unseren Partnern arbeiten wir nun mit Hochdruck daran, E-Kerosin in großem Maßstab auf den Markt zu bringen und eine Vorreiterrolle bei der Dekarbonisierung der Luftfahrt einzunehmen."

„Green Fuels Hamburg" sei somit Vorreiter für die PtL-Produktion in Deutschland und unterstützt aktiv die Ambitionen der Hansestadt Hamburg, beim Aufbau einer nachhaltigen Wirtschaft mit regenerativen Energieträgern. Jens Kerstan, Senator für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft, sagte:

 "Der Standort Hamburg bietet für das Projekt „Green Fuels Hamburg" insgesamt sehr gute Voraussetzungen, um das zukunftsorientierte Konzept von Uniper SE, Siemens Energy, Sasol EcoFT und Airbus bereits bis 2026 umzusetzen. Green Fuels, die auf Wasserstoff basieren, werden eine entscheidende Rolle bei der Dekarbonisierung des Luftverkehrs und der Seeschifffahrt spielen. Gerade Hamburg bietet sich vor diesem Hintergrund als besonders geeigneter Standort an – insofern wird das Vorhaben die Transformation der Hamburger Wirtschaft voranbringen und so auch zum Erreichen der Hamburger Klimaziele beitragen. Daher unterstützen wir das Konsortium und begrüßen es sehr, dass es mit dazu beiträgt Hamburg auf dem Weg in eine klimaneutrale Zukunft voranzubringen."

Will Löfberg, Vice President - International, Government and Environment Affairs bei Emirates Airline ergänzte: 

"Emirates unterstützt diese Initiative tatkräftig, um ökologisch und ökonomisch nachhaltige, Power-to-Liquid Kraftstoffe zu entwickeln. Der Start des „Green Fuels Hamburg" Projektes ist ein wesentlicher Meilenstein zum Markthochlauf der Produktion solch nachhaltiger Flugkraftstoffe. Sie haben das Potenzial, einen substantiellen Beitrag zur Emissionsreduktion des Luftverkehrs zu leisten. Wir begrüßen Deutschlands Führungsrolle darin, internationale Expertise und Finanzierung in die Technologien zu verbinden, um Power-to-Liquid Kraftstoffe in den Markt zu bringen."

Was bedeutet das?

Hamburg nutzt seine Expertise als als Innovations- und Luftfahrtstandort, um ein Luftfahrt-Großprojekt anzustoßen und zu begleiten.

 

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