GM stoppt Verbrenner ab 2035

Auch der US-Auto-Gigant schickt den Verbrenner in Rente - und lässt die Trump-Jahre hinter sich. Für die E-Mobilität ist man gar nicht übel gewappnet: Jüngst präsentierte man den E-SUV Cadillac Lyriq, auf moderner Modularplattform.

Pünktlich mit dem Abtritt von Donald Trump wagt sich GM-Chefin Mary Barra aus der Deckung und verkündet das Ende für den Verbrennungsmotor: Die GM-Chefin legt sich auf das Ausstiegsjahr 2035 fest. | Foto: GM
Pünktlich mit dem Abtritt von Donald Trump wagt sich GM-Chefin Mary Barra aus der Deckung und verkündet das Ende für den Verbrennungsmotor: Die GM-Chefin legt sich auf das Ausstiegsjahr 2035 fest. | Foto: GM
Johannes Reichel

Auch der US-Autobauer General Motors hat nun ein festes Datum angekündigt, zu dem man aus der Verbrennertechnologie aussteigen will: Ab 2035 sollen nach dem Wunsch von Unternehmenschefin Mary Barra nur noch emissionsfreie Pkw verkauft werden, bis 2040 soll der ganze Konzern CO2-neutral wirtschaften. Damit liegt man auf Linie mit den Plänen des in Umweltstandards ambitioniertesten US-Bundesstaats Kalifornien, der das gleiche Ausstiegsdatum anpeilt und zudem auf Kurs der neuen US-Regierung von Joe Biden. Das Unternehmen unterzeichnete darüber hinaus den sogenannten Business Ambition Pledge for 1.5°C, einen dringlichen Aufruf zu einer globalen Koalition von UN-Einrichtungen, Unternehmen und Industrieführern.

Aktienkurs zuckt nur kurz: Verbrennerausstieg wird Mainstream

Dennoch besitzt die Ankündigung des US-Giganten, der in den Vereinigten Staaten mit seinen Marken Cadillac und Chevrolet noch immer einen Marktanteil von 17 Prozent hält, starke Signalwirkung und ließ promt den Aktienkurs steigen. Allerdings nicht euphorisch und anhaltend wie vielleicht erwartet. Schließlich liegt GM mit der Ankündigung mittlerweile eher im Mainstream: Derzeit haben laut einer Berechnung der Untenehmensberatung McKinsey 15 Hersteller, die für drei Viertel des Marktes stehen, den Ausstieg aus der Verbrennertechnologie angekündigt. VW und Daimler stoppen Mitte des Jahrzehnts die Weiterentwicklung der "Internal Combustion Engines". Eine Hintertür hält man sich bei GM allenfalls noch bei schweren Pick-ups über 3,5 Tonnen offen, wo der Verbrenner eine Nischenrolle behalten könnte.

“General Motors wird Teil einer Allianz von Regierungen und Unternehmen rund um den Globus, die an einer sichereren, grüneren und besseren Welt arbeiten. Wir fordern andere Akteure auf, uns zu folgen und den bedeutenden Einfluss auf unsere Industrie und die Wirtschaft im Gangen geltend zu machen", flankierte Barra den symbolträchtigen Schritt verbal.

Kontra Trump: GM will "wissenschaftsbasierten Klima-Fortschritt"

Ganz neue Töne hört man aus Detroit auch in Sachen der wichtigen US-Umwelt-NGO Environmental Defense Fund (EDF). Hier wolle GM mit der NGO zusammen eine "Vision" für eine elektrifizierte Zukunft entwickeln und ein Konzept, wie sich Auspuffemissionen bis 2035 aus leichten Fahrzeugen eliminieren lassen, wie es in einer Konzernmitteilung heißt. Es sei GMs ZIel, Zero-Emission-Fahrzeug über die gesamte Bandbreite und alle Preisklassen anzubieten und mit den wichtigsten Stakeholdern inklusive EDF zusammenzuarbeiten, um die notwendige Ladeinfrastruktur aufzubauen. Damit wolle man die nötige Akzeptanz schaffen und zugleich hochqualifizierte Arbeitsplätze erhalten.

“Mit diesem außerordentlichen Schritt macht GM entschieden klar, dass das Eliminieren von Emissionen von allen leichten Fahrzeugen bis 2035 ein wesentliches Element des Geschäftsmodells eines jeden Autoherstellers ist", erklärte Environmental Defense Fund President Fred Krupp.

GM und EDF hätten einige wichtige Differenzen in der Vergangenheit gehabt, gab Krupp zu. Aber das sei jetzt Vergangenheit und nun breche "ein neuer Tag an in Amerika", mit dem ernsthafte Zusammenarbeit zur Elektrifizierung des Transportsektors, wissenschaftsbasierter Klima-Fortschritt und gerecht geteilte wirtschaftliche Teilhabe unsere Nation voranbringen könne, proklamierte Krupp weiter.

Schlechte Karten für E-Fuels

Darüber hinaus macht die dezidierte Ansage von Barra aber auch allen Plänen für die Entwicklung von E-Fuels, mit denen Verbrenner noch weiter betrieben hätten werden können, einen Strich durch die Rechnung. Für eine so kurze Spanne lohnt sich die Entwicklung kaum, E-Fuels dürften damit allenfalls für schwere Anwendung in Lkw, Schiffen oder Flugzeugen relevant werden. Die Verfechter der synthetischen Kraftstoffen hatten vor allem auch auf den unter Ex-Präsident Donald Trump wieder stark auf fossile Energiequellen zurückgewandten US-Markt große Hoffnungen gesetzt.

Der Hersteller all 30 vollelektrisch angetriebene Modelle schon bis 2025 angekündigt, 40 Prozent der US-Modelle sollen BEV sein. Der Konzern investiert in E-Mobilität und autonomes Fahren 27 Milliarden US-Dollar in den nächsten fünf Jahren, zusätzlich zu den 20 Milliarden US-Dollar, die man schon vor der Covid-19-Pandemie dafür eingeplant hatte, wie man in einer Mitteilung ankündigt. Das Investment umfasst auch die Batterietechnologie, die Erneuerung der Produktionsanlagen wie etwa die "Factory Zero" in Michigan und Spring Hill Manufaturing in Tennessee, die E-Fahrzeuge aus global akquirierten Komponenten fertigen sollen. Hinzu kommen komplett neue Anlagen wie in Ohio. 

Ein Vorgeschmack: Cadillac Lyriq

Erst im August hatte der Konzern mit dem Cadillac Lyriq ein im Prinzip serienreifes Konzeptfahrzeug vorgestellt, das auf der neuen und modularen Elektroplattform Ultium basiert. "Angefangen mit Lyriq wird Cadillac in den nächsten zehn Jahren amerikanischen Luxus mit einem Portfolio bahnbrechender Elektrofahrzeuge neu definieren", kündigt Steve Carlisle, Executive Vice President und President von GM North America, vollmundig an.

Modulare Elektroplattform mit 150 kW Ladeleistung

Die Modularität soll es erlauben, eine Vielzahl von Reichweiten-und Leistungsoptionen anzubieten. Als Hauptkriterium hat man auch bei GM die Reichweite erkannt, sodass der Full-Size-SUV laut internen und im Vergleich zum WLTP-Zyklus auf konservativen EPA-Messkriterien beruhenden Tests eine Reichweite von mehr als 300 Meilen (480 km) bei voller Ladung bieten soll. Zu den Leistungs-und Technologie-Highlights gehören diverse  Ladeoptionen für zu Hause, den Arbeitsplatz und unterwegs, einschließlich Gleichstrom-Schnellladeleistungen von über 150 kWund Wechselstrom-Ladeleistungen bis zu 19 kW. Zudem lässt man die Wahl zwischen Hinterradantrieb-und Allradantrieb. Darüber hinaus will man auch einen Schritt Richtung autonomes Fahren machen: Die neueste Version von Super Cruise, den man als die "branchenweit wirklich freihändige Fahrerassistenzfunktion" bewirbt, ist auf mehr als 200.000 Meilen kompatibler US-Autobahnen verfügbar und wurde kürzlich um eine automatisierte Spurwechselfunktion erweitert, skizziert man weiter.

Interessante Akku-Technologie mit 70 % weniger Kobalt

Interessant ist auch die Batterietechnologie: Man setzt auf eine NCMA(Nickel-Kobalt-Mangan-Aluminium)-Chemie, die in der Kathode Aluminium verwendet, um den Bedarf an seltenen Erden wie Kobalt zu verringern. Die GM-Ingenieure wollen den Kobaltgehalt im Vergleich zu aktuellen GM-Batterien um mehr als 70 Prozent reduziert haben. Diese Batteriechemie ist in großen, flachen Beutelzellen verpackt, die eine intelligente Konstruktion der Module ermöglichten, um einerseits die Komplexität zu reduzieren und anderseits den Kühlbedarf zu verringern, wie der Hersteller weiter skizziert. Darüber hinaus habe man die Batterieelektronik direkt in die Module integriert, sodass im Vergleich zu den aktuellen Elektrofahrzeugen von GM fast 90 Prozent der Batteriepaketverkabelung entfielen. Derzeit errichtet der Konzern eine gewaltige Batteriefabrik in Ohio mit entsprechenden Arbeitsplatzimplikationen, womit man durchaus auch republikanische Politiker für die Antriebswende begeistern könnte.

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