Genf 2020: Skoda krönt den Octavia mit RS Plug-in-Hybrid

Das Topmodell der Baureihe soll Performance und Effizienz kombinieren. Es gibt aber auch eine "bürgerliche" PHEV-Variante und zwei preiswertere Mild-Hybride mit 110 und 150 PS.

Auf Krawall gebürstet: Der RS als Plug-in-Hybrid ist zugleich das Topmodell der Baureihe. | Foto: Skoda
Auf Krawall gebürstet: Der RS als Plug-in-Hybrid ist zugleich das Topmodell der Baureihe. | Foto: Skoda
Johannes Reichel

Die tschechische VW-Tochter Škoda fährt anlässlich des abgesagten Genfer Salons 2020 erstmals ein Modell seiner RS-Familie mit einem Plug-in-Hybridantrieb auf. Beim neuen Octavia mit dem kryptischen Kürzel RS iV arbeiten ein 1,4-TSI-Benzin- und ein 85-kW-Elektromotor mit einer Systemleistung von 180 kW (245 PS) Hand in Hand. Wie bei der sportlichen Linie der Marke üblich, grenzt man sich mit Applikationen an der Karosserie als sportliches Topmodell der vierten Generation Bestsellers ab. Zudem kündigte der Hersteller an, vom Octavia in diesem Jahr drei weiteren elektrifizierte Versionen anbieten zu wollen: So verfügt der "normale" Octavia iV verfügt über einen Plug-in-Hybridantrieb mit 150 kW (204 PS) Systemleistung (Ausstattung Ambition und Style) und die zwei sogenannten e-TEC-Varianten mit 81 kW (110 PS) und 110 kW (150 PS) nutzen erstmals bei der Marke Mild-Hybrid-Technologie. Die RS-Variante soll dabei Performance und Sparsamkeit kombinieren, wie Christian Strube, Vorstand für Technische Entwicklung, wirbt:

„Mit dem Octavia RS iV schlagen wir ein neues Kapitel in der Erfolgsstory unserer RS-Modelle auf. Zum ersten Mal setzen wir bei einem sportlichen Topmodell auf einen Plug-in-Hybridantrieb“, wirbt er. 

Das maximale Drehmoment von 400 Nm wird über ein 6-Gang-DSG an die Vorderräder übertragen. Der CO2-Ausstoß soll bei ca. 30 g/km im WLTP-Zyklus liegen, wobei hier ein großer Teil rein elektrisch absolviert wird. In jedem Fall erfüllt das Fahrzeug die strengste Abgasnorm EU6d, die ab 1. Januar 2021 greift. Die Lithium-Ionen-Hochvoltbatterie mit einer Kapazität von 13 kWh soll dabei eine rein elektrische Reichweite von bis zu 60 Kilometern im WLTP sicherstellen. Mit den aus dem Stand bereitstehenden 330 Nm des Elektromotors soll der RS zügig beschleunigen, im Sport-Modus mit voller Systemleistung in 7,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 225 km/h. Für dynamisches Fahrverhalten sorgen sollen die serienmäßige Progressivlenkung und die charakteristisch-dynamische Abstimmung des Sportfahrwerks.
 

Zweiter PHEV mit ähnlichem Package

Nicht ganz so performant, aber auf ähnlicher Technologie basiert die zivilere PHEV-Variante des Octavia, wo der 1,4-TSI-Benziner und der 85-kW-Elektromotor eine Systemleistung von 150 kW (204 PS) und ein maximales Drehmoment von 350 Nm aufbieten. Auch hier soll eine Reichweite von bis zu 60 Kilometern im WLTP-Zyklus möglich sein, das 6-Gang-DSG wird über Shift-by-Wire bedient. Die CO2-Emissionen liegen ebenfalls bei offiziell ca. 30 g/km und der "kleine" PHEV erfüllt ebenfalls Abgasnorm EU6d. Das gleiche Package aus einer 13 kWh-Batterie lässt sich am Haushaltsstrom oder der Wallbox aufladen. Der Ladeanschluss verbirgt sich im vorderen Kotflügel auf der Fahrerseite. Eine reguläre 12-V-Batterie befindet sich im Kofferraum, der bei der Limousine 450 Liter, beim Combi 490 Liter misst. Der Benzintank fasst mit 40 Litern fünf Liter weniger als bei den reinen Verbrenner-Modellen.

Sparsam sparen: Mild-Hybrid-Technologie
Premiere zu Genf feiern auch die e-TEC-Varianten des Octavia mit Mild-Hybrid-Technologie. In Kombination mit dem 7-Gang-DSG kommen beim Dreizylinder 1,0 TSI mit 81 kW (110 PS) und dem Vierzylinder 1,5 TSI mit 110 kW (150 PS) jeweils ein 48-V-Riemen-Startergenerator und eine unter dem Beifahrersitz platzierte 48-V-Lithium-Ionen-Batterie mit einem Energieinhalt von 0,6 kWh zum Einsatz. Durch die Rückgewinnung von Energie beim Bremsen und die elektrische Unterstützung des Verbrennungsmotor mit bis zu 50 Nm sollen sich bis zu 0,4 l/100 km an Sprit sparen lassen. Je nach Fahrsituation wird der Verbrenner auch komplett abgeschaltet und das Fahrzeug "segelt". Zudem wird die Start-Stopp-Funktion vom RSG schneller und komfortabler umgesetzt, der Motor startet geräusch- und schwingungsärmer und die 48-V-Batterie lädt mithilfe eines Gleichspannungswandlers die reguläre 12-V-Batterie auf.

Was bedeutet das?

Alles auf Elektro? Nicht unbedingt und erst recht nicht bei den Submarken: Auch wenn VW-Chef Herbert Diess den Konzern komplett auf Elektro polt, muss man sich in der Gegenwart mit Plug-in- und Mild-Hybriden über die Zeit retten, um die Flottengrenzwerte irgendwie einzuhalten. Dass das bei Modellen wie dem Touareg "R"-Line oder dem RS iV von Skoda nur dem Gesetz genügend auf dem Papier steht, ist bei der angepeilten Käuferklientel höchst wahrscheinlich. Wer kauft schon ein hochmotorsiertes Performance-Mobil, um dann im Zuckeltempo den Versuch zu wagen, die sehr optimistisch taxierten 60 Kilometer weit elektrisch zu rollen? Insofern ist auch der RS ein Widerspruch in sich, wie es die PHEVs generell ja sind, eine Feigenblatttechnologie. Dann vielleicht doch lieber die deutlich erschwinglicheren Mild-Hybriden, bei denen der ganze Aufwand aber auch nur maue 0,4 l/100 km Sprit sparen soll. Hm, eventuell sollten Langstreckler doch den Diesel nehmen - und wirklich umweltbewusste Fahrer die bei Skoda G-tec genannte Erdgasversion, solange es sie noch gibt.  

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