Genf 2020: Polestar wollte mit Precept in die Zukunft blicken

Auf dem abgesagten Genfer Salon hätte Polestar seine neue Limousinenstudie vorgestellt, die sich optisch an Tesla Model S oder Audi A7 orientiert.

Mit dem Precept entwickelt sich Polestar auch optisch stark weiter. | Foto: Polestar
Mit dem Precept entwickelt sich Polestar auch optisch stark weiter. | Foto: Polestar
Gregor Soller

Als „vollelektrischen viertürigen Grand Tourer“ bezeichnet Polestar seine Studie Precept.  Optisch löst man sich damit stärker von Volvo als je zuvor und zeigt, wie eine elektrische Limousine der oberen Mittelklasse aussehen wird, die gegen Teslas Model S antreten könnte.  

Thomas Ingenlath, CEO von Polestar erklärt dazu:

 „Das Auto ist eine Antwort auf die klaren Herausforderungen, mit denen unsere Gesellschaft und Industrie derzeit konfrontiert ist. Dies ist kein weitentfernter Zukunftstraum. Polestar Precept zeigt eine Vorschau zukünftiger Fahrzeuge und verdeutlicht, dass wir auf Innovationen setzen, um unsere Umweltbelastung weiter zu reduzieren.“

Auch Polestar legt Wert auf aerodynamische Effizienz und viel Platz innen: Ein langer 3,1-Meter-Radstand schafft viel Platz für einen großen Akku und zugleich viel Beinfreiheit und -  interessanterweise Kopfraum für Passagiere im Vorderraum. Möglich machen könnte das eine „Lücke“ im Akkupaket, die es ermöglicht, die Vordersitze niedriger zu montieren. Ähnliche „Ausbuchtungen“ nutzt Porsche beim Taycan für den Fußraum im Fond.

Auch Polestar ersetzt den „Kühlergrill“ wie BMW bei der Studie i4 durch eine „Polestar SmartZone“. Dort sitzen die Sicherheitssensoren und Fahrerassistenzfunktionen. Hinter einem transparenten Panel für intelligente Hardware befinden sich zwei Radarsensoren und eine hochauflösende Kamera. Der auf dem Glasdach montierte LIDAR-Pod ermöglicht optimale Sicht zur Verbesserung der Fahrassistenzsysteme. Die markanten LED-Scheinwerfer wurden zudem weiterentwickelt: Polestar interpretiert „Thors Hammer“ neu und setzt jetzt auf getrennte Elemente, was dem Fahrzeug eine „dynamische, roboterhafte Optik“ verleihen soll.

Interessanter Aerodynamik-Kniff an der Motorhaube

Interessantes Detail: Über der SmartZone hat die Studie Precept einen integrierten Frontflügel, der den Luftstrom über die lange Motorhaube beschleunigt. Dadurch kann sich Luft früher an der Oberfläche festsetzen. Die aerodynamische Effizienz und die Reichweite des Fahrzeugs sollen so verbessert werden. Die Seitenspiegel ersetzen Kameras ersetzt, die sich jeweils entlang eines aerodynamischen Arms nach außen erstrecken. Im Inneren weicht der traditionelle Rückspiegel einem digitalen Bildschirm. Das Bild wird von einer Weitwinkelkamera am Heck des Fahrzeugs aufgenommen. Durch das Fehlen einer herkömmlichen Heckscheibe erstreckt sich das Glasdach des Polestar Precept hinter den Rücksitz. Die Heckklappe selbst wurde mit einer größeren Öffnung und höher montierten Scharnieren ausgestattet, um den Zugang zu erleichtern. Das kostet allerdings etwas Flexibilität und macht die Fertigung günstiger.

Bei vielen Detail kooperiert man mit Experten: Das Interieur von Precept ist nachhaltig, basierend auf neuen Materialien und Prozessen. Ebenso baut die Entwicklung der Benutzeroberfläche auf aktuellen Partnerschaften, beispielsweise mit Google, auf. Nachhaltige neue Innenausstattungsmaterialien vereinen modernen Hightech-Luxus mit reduzierter Umweltbelastung. Die Verbundwerkstoffe von Bcomp für Innenverkleidungen und Rückenlehnen, die aus Flachs hergestellt werden, bieten gegenüber herkömmlichen Materialien erhebliche Verbesserungen, darunter eine Gewichtsersparnis von bis zu 50 Prozent und eine Reduzierung des Verschnitts von Kunststoffen um bis zu 80 Prozent. Die Sitzflächen werden aus recycelten PET-Flaschen im 3D Verfahren gestrickt, die Polster und Kopfstützen aus recyceltem Korkvinyl, während die Teppiche aus recycelten Fischernetzen hergestellt werden. Ansätze, die man auch von Fiat, Fisker oder Mazda kennt.

Ein Hologramm „schwebt“ im Innenraum

Aber auch beim auf Android basierten Infotainmentsystem plant man neues -  mit Google. Ein vergrößerter 15-Zoll-Touchscreen in der Mitte ergänzt das 12,5-Zoll-Fahrerdisplay. Beide sind durch einen beleuchteten Rahmen verbunden, der den gesamten Innenraum umfasst. Wilde Idee: Das charakteristische Polestar Emblem schwebt holographisch in einem massiven Stück schwedischen Kristalls zwischen den Kopfstützen der Rücksitze. Die Anzeige unterstützt die Weiterentwicklung einer personalisierten und dynamischen digitalen Schnittstelle und enthält außerdem eine Reihe intelligenter Sensoren. Eye Tracking erfasst den Blick des Fahrers und steuert den Inhalt der verschiedenen Bildschirme entsprechend. Näherungssensoren sollen auch die Benutzerfreundlichkeit des mittleren Displays während der Fahrt verbessern.

Maximilian Missoni, gebürtiger Österreicher und Head of Design bei Polestar, erklärt stolz:

 „Die Ästhetik von Polestar Precept basiert auf modernster Technologie und nicht auf historischen Referenzen in der Automobilindustrie. Bei Polestar sehen wir Technologie als Wegbereiter, als Werkzeug zur Lösung der Probleme unserer Gesellschaft, und wir haben diese Haltung in neue Designprinzipien transferiert. Die Kombination aus nachhaltigen Materialien und intelligenten High-Tech-Systemen schlägt ein völlig neues Kapitel des avantgardistischen Luxusdesigns auf und zeigt deutlich, in welche Richtung Polestar sich bewegt.“

Was bedeutet das?

Mit dem Precept distanziert sich Polestar stärker als je zuvor von Volvo und bringt sich damit in der oberen Mittelklasse in Stellung. Ob das Konzept in Realität dann Polestar 3 oder 4 wird, wird sich noch zeigen.   

 

 

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