Genf 2020: Microlino meets Microletta

Micro Mobility Systems schärft seinen Kabinenroller nach, verspricht agileres Handling, bessere Performance und Effizienz. Zudem überrascht man mit einem Dreirad-Scooter im Retro-Look, dem neuen E-Kickscooter und einem Quad für Audi.

Trio unter Strom: Die Micro-Mobility-Family Oubouter lässt sich nicht beirren und legt weiter nach mit coolen Beiträgen zur leichten E-Mobiltät, neben dem Microlino auch Microletta und Generation VI der E-Kick-Scooter. | Foto: Micro Mobility
Trio unter Strom: Die Micro-Mobility-Family Oubouter lässt sich nicht beirren und legt weiter nach mit coolen Beiträgen zur leichten E-Mobiltät, neben dem Microlino auch Microletta und Generation VI der E-Kick-Scooter. | Foto: Micro Mobility
Johannes Reichel

Der Schweizer Spezialist für Leichtelektrofahrzeuge Micro Mobility Systems legt nach der Trennung vom ehemaligen Geschäfts- und Entwicklungspartner Artega noch mal kräftig nach. Auf dem abgesagten Genfer Salon wollte der Erfinder der elektrischen Neuauflage der BMW Isetta die neue Generation des Microlinos Premiere feiern, die man gegenüber der bisherigen Version entscheidend weiterentwickelt habe. Micro hatte sich im Januar 2020 entschieden, die Fahrzeugstruktur des jetzt leicht erhöhten Kabinenrollers komplett zu überarbeiten, weil man in Sachen Qualität, Sicherheit und Fahrverhalten nicht zufrieden gewesen sei, wie es heißt. Zudem habe man das Fahrwerk modifiziert und die Hinterachse um 50 Prozent verbreitert, was die Fahrstabilität "erheblich" verbessern soll. Auf diese Art lasse sich schließlich auch hinten eine Einzelradaufhängung realisieren. Mit einem neuen Elektromotor will man darüber hinaus die Performance spürbar erhöht haben und der Microlino 2.0 soll deutlich effizienter laufen, der Permanentsyschronmotor 15 Prozent sparsamer sein. Zudem verbaut man jetzt NMC-Zellen im Akku, was bei gleicher Energiedichte weniger Platz beansprucht.

Geräumigeres Interieur, fixe Lenksäule für mehr Sicherheit

Gleichzeitig habe man das Interieur geräumiger und ergonomischer gestalten können, wirbt der Anbieter. Die Lenksäule zeigt sich nun fix am Chassis angebracht und klappt sich nicht mehr nach vorn beim Öffnen der Tür. Das erhöhe zum einen die Sicherheit, erleichtere zum anderen aber auch das Lenkverhalten, verspricht man. Die jetzt schmaler gehaltene A-Säule verbessert die Sicht. Auch das Innendesign selbst hat man gründlich aufgefrischt, es gibt ein neues Sitzdesign sowie neu gestaltete Armaturen. Blickfang ist jetzt ein Digitaldisplay in der Mitte mit den nötigsten Infos. Netter Gag: Das querlaufende Alu-Rohr ist eine Reminiszenz auf den Firmenursprung im Tretroller-Bau, es dient aber zugleich als nützlicher Fixpunkt etwa für das Smartphone oder portable Bluetooth-Boxen.

An den grundlegenden technischen Daten einschließlich der Reichweite von bis zu 200 Kilometern und dem Preis von 12.000 Euro rüttelten die Micro-Macher allerdings nicht. Der Start der Produktion, die jetzt beim italienischen Traditionsunternehmen CECOMP erfolgt, ist auf 2021 avisiert.

Premiere: Dreirad-Motorroller als Lückenschluss

Über den Kabinenroller hinaus überrascht der Hersteller mit seinem Einstieg ins Segment der Motorroller. Mit der Microletta präsentiert man das Konzept eines dreirädrigen E-Scooters. Das Design orientiert sich dabei an jenem des Microlinos und kombiniert ebenfalls modernen E-Antrieb mit Retro-Optik. Die zwei Vorderräder sollen für höhere Kurvenstabilität sorgen und zudem mit besserer Bremsperformance aufwarten als bei Zweirädern der Fall. Bei Stillstand an der Ampel lässt sich ein Lenkmechanismus arretieren, sodass der Roller von alleine steht.

Der Hersteller setzt bei den Energiespeichern auf auswechselbare Akkus mit über 100 Kilometern Reichweite, die sich per Haushaltssteckdose aufladen lässt. Das Fahrzeug wird in Europa als Dreirad eingestuft und kann somit trotz der Maximalgeschwindigkeit von 80km/h ohne Motorradführerschein gefahren werden – der Autoführerschein reicht aus. Für zweirädrige Elektroroller benötigt man, anders als für benzinbetriebene, ab einer Geschwindigkeit von über 45km/h einen Motorradführerschein, weshalb man in Europa aktuell nur wenige E-Motorroller sieht, fügt man zur Erklärung an.

„Die Microletta ist quasi die kleine Schwester des Microlinos und soll die Lücke in unserem Sortiment zwischen E-Scooter und Microlino schliessen", begründet Marketingchef Merlin Oubouter den Einstieg in das Segment.

Die einfache Handhabung solle die Leute motivieren, auf elektrische und leichte Fortbewegungsmittel umzusteigen, meint Oubouter weiter. Der Roller kostet 4.900 Euro und ist bereits unverbindlich reservierbar - wovon in nur vier Tagen seit Veröffentlichung der ersten Renderings Gebrauch gemacht hätten. Der Produktionsstart ist hier zwar noch unklar. Aber: „Wir waren sehr überrascht von der riesigen Nachfrage nach der Microletta und überlegen uns, das Projekt etwas zu beschleunigen“, macht COO Oliver Oubouter Hoffnung.

Sechste Generation der E-Kick-Scooter kommt

Darüber hinaus präsentiert Micro seine mittlerweile sechste E-Tretroller-Generation. Angefangen mit dem Micro Commuter, einem ultra leichten und kompakten E-Scooter mit austauschbarer Batterie. Pro Batterieladung beträgt die Reichweite 10 Kilometer. Da die Batteriepacks aber nur die Grösse einer Powerbank hätten und auch als solche genutzt werden könnten, könne die Reichweite mit Hilfe von Reservebatterien beliebig vervielfacht werden.

Explorer: Taffer Kick-Scooter auch für Mercedes

Noch taffer soll der Micro Explorer sein, der im Mai 2020 auf den Markt kommt und der mit einer guten Steigfähigkeit sowie einer Reichweite von bis zu 30 Kilometern punkten will. Durch die Federung vorne und hinten dämpft er auch besser. Der Explorer werde in einer Micro Version und in einer Mercedes Version auf den Markt gebracht.

Vierrädriger E-Scooter für Audi

Mit im Gepäck für Genf wäre auch der Prototyp eines vierrädrigen E-Scooters gewesen, den man für Audi entwickeln und produzieren wird. Das Besondere an diesem Produkt sei die Lenkung durch Gewichtsverlagerung und die Möglichkeit, das Produkt mit nur einer Hand zu fahren. Der Hersteller verspricht "einzigartiges Surffeeling", schweigt sich über technische Details aber noch aus. Immerhin: Alle drei E-Scooter sind mit der Micro App kompatibel. Diese bietet neben verschiedenen Fahrtmodi und Daten zur CO2-Einsparung unter anderem auch die Möglichkeit, den E-Scooter zu sperren und sich zu seinem Ziel navigieren zu lassen.

Was bedeutet das?

Micro schärft und legt nochmal nach: Auf ihrem "Heimspiel" hätten die Schweizer groß aufgefahren - schade, dass dieser Auftritt abgesagt wurde! Dennoch: Der Microlino 2.0 wirkt aus dem Stand deutlich gründlicher und wertiger als das Remake von Artega - und dürfte bei vielen urbanen Hipstern spontane Kaufreflexe auslösen, die mit ein bisschen "Chi Chi" sicher auch mehr als 12.000 Euro akzeptieren werden. Welche ambitionierte Vision von urbaner Mobilität die Schweizer generell hegen, zeigt das weiter komplettierte Sortiment elektromobiler Lösungen, die ganz in Sinne der Firmenphilosophie sind: Clever & smart, qualitativ hochwertig und langlebig. Denn auch das ist ein Aspekt der Nachhaltigkeit. 

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