Genf 2020: Mercedes-Benz liftet E-Klasse und setzt Kompakte unter Strom

Mercedes-Benz wollte in Genf die geliftete E-Klasse und die neuen kompakten Plug-in-Hybride präsentieren.

Im Fokus stand für den Daimler-CEO Ola Källenius die geliftete E-Klasse. | Foto: Daimler
Im Fokus stand für den Daimler-CEO Ola Källenius die geliftete E-Klasse. | Foto: Daimler
Gregor Soller

Mercedes-Benz setzt seinen Markenkern, die E-Klasse verstärkt unter Strom: Künftig planen die Stuttgarter hier mit insgesamt sieben Plug-in-Hybriden; darunter auch Allrad- und Kombimodelle. Die basieren alle auf dem zwei Liter großen M254 genannten Turbo-Vierzylinder mit integriertem Startergenerator und 48-Volt-Bordnetz. Auch die Diesel-Hybride bleiben im Angebot. Serienmäßig ist bei allen Modellen künftig neben den LED-Scheinwerfern auch die die Neungang-Automatik und das Navigationssystem. Die Benziner liegen zwischen 115 und 270 kW (156 und 367 PS) während die Diesel 118 bis 243 kW (160 und 330 PS) leisten. Auf dem Rückzug sind mittlerweile auch hier die Sechs- und Achtzylinder. Doch auch hier legt Daimler mit dem M-256-Reihensechszylinder nach: Der Sechszylinder mit Startergenerator und 48-Volt-Bordnetz leistet 270 kW / 367 PS und 15 Kilowatt an Boost.

Auch AMG-Modelle als Mildhybride

Darüber rangieren die AMG-Versionen, darunter der neue Mercedes E AMG 53 4matic, dessen doppelt aufgeladener Reihensechszylinder als 48-Volt-Mildhybrid mit Startergenerator 320 kW / 435 PS leistet. Der Startergenerator kann kurzzeitig zusätzliche 16 kW Leistung sowie 250 Newtonmeter Drehmoment liefern und das 48-Volt-Bordnetz speisen. Coupé und Cabrio sollen auf der New York Autoshow folgen, den Schluss bildet die Langversion der Limousine in China.

Die Analoginstrumente weichen digitalen Anzeigen, die in 10,25-Zoll angezeigt werden. Die beiden großen 12,3-Zoll-Displays für MBUX kosten extra. Optisch fällt die Modellpflege sonst eher dezent aus. Es gibt neue Leuchten vorne und hinten, neue Assistenzsysteme und überarbeitete Antriebe. Nachgeschärft hat Daimler darüber hinaus die Sicherheit und Fahrassistenten: Der Abstandstempomat nutzt neben Kamera und Radar auch die Verkehrsinformationen des Navigationsgeräts und im Stau kann die E-Klasse automatisch eine Rettungsgasse bilden. Auch beim Abbiegen unterstützt einen die geliftete E-Klasse noch stärker: Besteht beim Abbiegen über die Fahrbahn entgegenkommender Fahrzeuge Kollisionsgefahr, kann die neue E-Klasse bei fürs Abbiegen typischen Geschwindigkeiten abbremsen. Neu ist auch die Ausstiegswarnung des Totwinkelassistenten. Die Preise werden auf dem Niveau des aktuellen Modells liegen. Die günstigste Möglichkeit ist der E 200 d, der ab 46.116 Euro brutto (gut 38.750 Euro netto) startet.

Plug-in-Hybride für CLA und GLA

Ebenfalls neu sind die Plug-in-Hybride der A-Klasse: CLA Coupé, CLA Shooting Brake und GLA kommen jetzt ebenfalls mit EQ Power. Die E-Maschine leistet 75 kW. Zusammen mit dem 1,33 Liter großen Vierzylinder­motor, der mit Renault zusammen entwickelt wurde, ergibt dies eine Systemleistung von 160 kW (218 PS) und ein üppiges Systemdrehmoment von 450 Newtonmeter. Als elektrischer Energiespeicher wird eine Lithium-Ionen-Hochvoltbatterie mit einer Gesamtkapazität von ca. 15,6 kWh verwendet. Die neuen Kompaktmodelle lassen sich mit Wechsel- oder Gleichstrom aufladen. Eine entsprechende Ladedose befindet sich in der rechten Seitenwand der Fahrzeuge. So sind die kompakten Plug-in-Hybride an einer 7,4-kW-Wallbox mit Wechselstrom (AC) binnen Einer Stunde und 45 Minuten min von 10 auf 100 Prozent SoC (Status of Charge, zu deutsch: Ladestand) aufgeladen. Beim Gleichstromladen (DC) beträgt die Ladezeit mit 24 kW etwa 25 Minuten von 10 bis 80 Prozent SoC. Die Batterien stammen von der Daimler Tochter Deutsche Accumotive. Die Hochvoltbatterie ist wassergekühlt und wiegt rund 150 Kilogramm.

Markus Schäfer, Mitglied des Vorstands der Daimler AG und Mercedes-Benz AG, verantwortlich für Konzernforschung und Mercedes-Benz Cars Entwicklung, Einkauf und Lieferantenqualität erklärt dazu:

„Unsere kompakten Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge haben eine elektrische Reichweite von mehr als 70 Kilometern (NEFZ) und sind damit absolut alltagstauglich. Durch ihre Schnellladefunktion lassen sich unsere Modelle in nur 25 Minuten von 10 auf 80 Prozent aufladen. Bis Ende des Jahres werden wir die Anzahl von Plug-in-Hybriden und elektrischen Modellen mehr als verdoppeln – auf fünf rein elektrische Fahrzeuge und mehr als 20 Plug-in-Hybride von der A- bis zur S-Klasse. Allein in der neuen E-Klasse bieten wir gleich sieben Varianten an Plug-in-Hybriden an. Darüber hinaus kommt die E-Klasse mit neuen, elektrifizierten Vierzylindermotoren, die neue Maßstäbe bei der Effizienz setzen: einem Benziner und erstmals einem Diesel mit 48-Volt-Bordnetz und integriertem Startergenerator.“

Interessant auch die Aussage von Britta Seeger, Mitglied des Vorstands der Daimler AG und Mercedes-Benz AG, verantwortlich für Vertrieb zur Loyalität der E-Klasse-Kunden:

„E-Klasse Käufer sind unsere loyalsten Kunden: acht von zehn Käufer entscheiden sich bei ihrem nächsten Autokauf wieder für einen Mercedes-Benz.“

Was bedeutet das?

Noch immer ist die E-Klasse der Markenkern von Mercedes-Benz, wenngleich SUV und Kompakte immer wichtiger werden. Das Facelift nutzte man jetzt gezielt für die Elektrifizierung dieses Markenkerns, dem man gleich drei neue Plug-in-Hybride der A-Klasse zur Seite stellte.

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