Genf 2020: Das BMW Concept i4 – der Tesla-Killer

Großer Auftritt, leider nicht in Genf: Mit dem rein elektrischen i4 soll der Elektroantrieb laut BMW „im Kern der Marke“ ankommen.

Endlich wieder klare Flächen ohne störende Linien: das BMW Concept i4 - mit beeindruckenden Fahrwerten. | Foto: BMW
Endlich wieder klare Flächen ohne störende Linien: das BMW Concept i4 - mit beeindruckenden Fahrwerten. | Foto: BMW
Gregor Soller

Große Worte nutzt BMW zur Präsentation des Concept i4, dessen Produktion 2021 im Werk München startet. Der i4 ist eng verwandt mit der Dreier-Reihe, spart sich aber deren zerklüftete Linien und Flächen. Tatsächlich findet BMW hier endlich endlich wieder zu einer eleganten Formensprache zurück, die trotzdem einen großen Schritt nach vorn bedeutet. Oder wie Chefdesigner Adrian van Hooydonk es formuliert:

 „Mit dem BMW Concept i4 ist die Elektrifizierung im Kern der Marke BMW angekommen. Das Design ist dynamisch, klar und elegant: passend zu einem emotionalen Elektrofahrzeug und den Werten von BMW.“

Noch stärker sind aber die Fahrwerte: Bis zu 600 Kilometer Reichweite (nach WLTP), bis zu 530 PS, in circa vier Sekunden von null auf hundert, Höchstgeschwindigkeit über 200 Stundenkilometer – das sind die Eckdaten des Antriebsstrangs, womit BMW vor allem die Tesla-Modelle im Visier hat. Dazu tragen laut BMW auch zahlreiche Aerodynamikmaßnahmen bei, die für maximale elektrische Reichweite sorgen sollen. Eine geschlossene Niere und klare Abrisskanten zeigen im Detail die ausgefeilte Umströmung. Auffälliges Detail sind die exklusiv für das BMW Concept i4 gestalteten Felgen. Sie vereinen Aerodynamik und Leichtbau. So stehen geschlossene, und damit aerodynamisch optimierte, Flächen im Kontrast zu gewichtsoptimierten und stabilen Speichen.

Elektromotor, Leistungselektronik, Ladeeinheit und Hochvoltbatterie der BMW eDrive Technologie der fünften Generation sind vollständige Neuentwicklungen, mit denen die BMW Group einen weiteren messbaren Fortschritt im Bereich der elektrifizierten Antriebe erzielen möchte. Der für den BMW i4 entwickelte Elektromotor erzeugt eine Höchstleistung von bis zu 390 kW/530 PS und erreicht damit das Niveau eines V8-Triebwerks in aktuellen BMW Modellen mit Verbrennungsmotor. Dazu kommt außerdem ein neu konzipierter Hochvoltspeicher mit aktuellster Batteriezellen-Technologie. Die für den BMW i4 entwickelte Ausführung des Energiespeichers zeichnet sich durch eine extrem flache Bauweise und eine optimierte Energiedichte aus. Bei einem Gewicht von rund 550 Kilogramm weist sie einen Energiegehalt von rund 80 kWh auf und soll so eine Reichweite von bis zu 600 Kilometern im WLTP-Zyklus erzielen.

Niere wie beim Barockengel – jetzt aber smart!

Und falls sich jemand an der Niere stört: Die hohe, geschlossene Doppelniere verbindet formal Vergangenheit und Zukunft miteinander, denn so trugen die BMW-Modelle ihre Nieren bis zum Barockengel 3200 S von 1963! Und sie erhält eine neue Funktion: Da keine Kühlung für einen Verbrennungsmotor nötig ist, dient die Niere nun vor allem als „Intelligenzfläche“, in der Sensoren verbaut sind.

Ein nur diesem Modell vorbehaltenes Muster inszeniert die dahinterliegende Technologie. Ebenso verbinden die Scheinwerfer Tradition und Moderne miteinander: Das klassische Vieraugengesicht findet sich hier in einer sehr modernen und reduzierten Interpretation. Je zwei frei stehende, filigrane LED-Leuchtelemente pro Seite integrieren alle erforderlichen Leuchtfunktionen. Um die Niere herum formen klare Flächen und wenige präzise Linien eine moderne und präsente Frontgrafik. Ein BMW i blauer Akzent im Nierenrahmen rundet die Fronterscheinung ab. Ob man deshalb auch gleich das Logo dezent ändern musste, sei mal dahingestellt.

Auch innen geht BMW neue Wege und stellt jetzt eine Anzeigenplatte (wie Daimler) ins Auto: Das neue BMW „Curved Display“ formt dabei mit dem klassisch geschüsselten Lenkrad eine neue Ausprägung der Fahrerorientierung und zeigt bereits das Seriendisplay des BMW iNEXT und des BMW i4. Hier verschmelzen die Darstellungsbereiche des Informations- und des Control Displays zu einer einzigen, zum Fahrer hin geneigten Anzeigeneinheit. Das zusammenhängende und auf den Fahrer ausgerichtete Display optimiert laut BMW die Darstellung von Informationen und soll die intuitive Touchbedienung des Displays erleichtern.

Ökologisch korrekte Materialien, verschiedene Erlebniswelten

Auf den Sitzen rundet die Stoff-Leder-Kombination aus Mikrofaser mit Liniengrafiken sowie olivenblattgegerbtem Naturleder den ebenso hochwertigen wie nachhaltigen Anspruch an das Interieur ab. Wählen kann man zwischen drei „Experience Modes“ wählen, sie heißen „Core“, „Sport“ und „Efficient“ und reichen vom jeweiligen Anzeigeerlebnis und verwendeter Grafik bis hin zur Innenrauminszenierung. So transportiert ambientes Licht in Dashboard, Türen und indirekt unter dem Display die Adaption der Fahrzeugtechnik.

Sound muss sein – auch beim Stromer!

Auch beim Sound fahren die Bayern wieder groß auf: Unter dem Markennamen von BMW IconicSounds Electric hat der Komponist Hans Zimmer den Klang gemeinsam mit BMW Sound Designer Renzo Vitale entwickelt. BMW IconicSounds Electric soll den Elektrofahrzeugen von BMW „emotionale Tiefe“ verleihen. Auch der Sound des BMW Concept i4 soll die Vergangenheit und die Zukunft der Marke verbinden, wobei erste Hörproben hier unserer Meinung nach auch nahe an den Kitsch führen – der Grat ist hier sehr schmal. Die Klangwelt des BMW Concept i4 reicht von den Fahrgeräuschen im Experience Mode „Core“ bis hin zu intensiveren Klängen im „Sport“ Experience Mode. Ebenso Teil der gestalteten Klangwelt sind die akustische Begleitung des Türöffnens wie auch das akustische Startszenario.

Serienproduktion im Stammwerk

Die Serienproduktion des neuen BMW i4 startet 2021 im Stammwerk der BMW Group in München. In München werden somit zukünftig sowohl Automobile mit Verbrennungsmotor, Plug-in-Hybride als auch rein batteriebetriebene Fahrzeuge auf demselben Band gefertigt. Tricky: Das Karosseriekonzept des BMW i4 unterscheidet sich aufgrund des Hochvoltspeichers (Batterie) von den Architekturen der bisher im Werk München gefertigten Fahrzeugmodelle. Laut BMW können rund neunzig Prozent der bestehenden Produktionsanlagen im Karosseriebau integriert werden. Die restlichen zehn Prozent, insbesondere die Anlagen in den Umfängen des Hinterbaus jedoch, erfordern den Aufbau neuer Anlagen. Die Montage erhält eine neue, separate Anlage für den Einbau des Hochvoltspeichers von unten. Ein Problem am Standort München: Das alles muss auf engstem Raum stattfinden. Umso löblicher, dass der Konzern rund 200 Millionen Euro in das Werk München investiert, um die Serienfertigung des BMW i4 zu realisieren – man hätte auch ein neues i-Next-Werk in einer Niedriglohnregion auf der grünen Wiese hinstellen können!

Was bedeutet das?

Der schärfste Tesla-Gegner dürfte ab 2021 ausgerechnet aus dem BMW-Stammwerk München Milbertshofen kommen und heißt BMW i4. Man darf gespannt sein, welche Modelle unterhalb der 530-PS-Version geplant sind und wie die Preise ausfallen. Bezüglich Package und Positionierung muss man den BMW-Presseschreibern Recht geben: Mit dem i4 ist die E-Mobilität im Kern der Marke angekommen – und im Stammwerk!

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